Jutta Wegner
Nein, ich habe knappe Redezeit und Frau Shepley möchte auch noch ein bisschen was davon haben. … und gezielt in direkte Unterstützungsmaßnahmen profilieren. Ihnen ist schon klar, dass es dann für die individuelle Förderung und für die grundlegenden Kompetenzen bereits zu spät ist. Warum also erst in Jahrgangsstufe 3? Auch davor und danach müssten wir jetzt schon im Detail wissen, wo die Kinder stehen. Sie haben ja beschrieben, dass Sie dort auch an weiteren Konzepten arbeiten. Individuelle Lernstandsanalysen mit datenbasierter, systematisch unterstützter Lernförderung sind doch die absolute Basis dafür, dass jedes Kind die individuelle Unterstützung bekommt, die es benötigt. Ein Bildungsbericht im Jahr 2025/2026 klingt nett. Aber warum gibt es ihn nicht schon lange, liebe Kolleginnen und Kollegen? Doch nun zurück zu Vorlesezeit und mehr Unterrichtsstunden: Mit gutem Grund liegt die Verantwortung für Lernkultur und Organisation in der Gestaltungsverantwortung jeder einzelnen Schule. Diese ist eingebunden in ihren Sozialraum, dafür verantwortlich, den Unterricht so zu gestalten, dass die Kinder die Basiskompetenzen erlangen. Tägliches lautes Vorlesen gehört zum Standard in unseren Schulen, ob Sie das nun minutengenau vorschreiben oder nicht. Wie wollen Sie das überhaupt überprüfen? Sollen die Lehrer/-innen Protokoll führen und am Ende noch weniger Zeit für den eigentlichen Unterricht haben? Anstatt pauschal Stunden zu erhöhen und in den Unterricht einzugreifen, schaffen Sie doch lieber endlich die Voraussetzungen dafür, dass die Lernprozesse individualisiert werden können! Dann erlangen Sie auch bessere Ergebnisse und sichere Basiskompetenzen. Kinder, die Strukturen und Lernhilfen brauchen, müssen sie bekommen. Wer aber selbstständig und schnell lernen kann, muss auch fliegen dürfen. Dafür braucht es leistungsdifferenzierte Aufgaben im Rahmen des üblichen Fachunterrichts, Kinder, die in Projekten jahrgangsübergreifend lernen dürfen, Prüfungen, die im eigenen Takt stattfinden können, und so weiter. Bauen Sie den qualitativen Ganztag so schnell wie möglich aus und ermöglichen Sie den Schulen die pädagogische Arbeit in multiprofessionellen Teams! Genau wie ein Kind im Elementarbereich aus sich selbst heraus lernt, sollte dies auch in der Schule gefördert werden. Fachübergreifender Unterricht in Projekten, Lernen an der Praxis, das, was wir gemeinsam im Regionalen Berufsbildungszentrum Waren gesehen haben, lässt sich auch auf die Grundschulen übertragen. Kinder, die gemeinsam eine Weihnachtsgeschichte verfassen und in ein Büchlein binden, üben sich im kreativen Schreiben, in der Kooperation, in der künstlerischen Gestaltung und der Arbeit mit Papier. (Zuruf von Christian Brade, SPD) Sie lesen sich spielerisch Geschichten vor, üben zielorientiert Schreiben und Zeichnen, anstatt trockene Arbeitsblätter auszufüllen, vorgegebene Diktate zu üben und allein den Notendruck als vermeintliche Motivation zu verspüren. Wovon ich rede, ist ein Umdenken im Sinne der Kinder. Erfolgreiches Lernen ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Dafür müssen wir den Schulen aber die entsprechenden Gelingensbedingungen liefern und die eigenverantwortlich handelnde, selbstbestimmte Schule fördern, anstatt sie wie im vorliegenden Antrag durch strikte minutengenaue Vorgaben zu gängeln. Und das ist auch der Grund, warum wir Ihrem Änderungsantrag, liebe CDU, nicht zustimmen können, genauso wenig wie dem vorliegenden Antrag, weil die Schulen selbst am besten wissen, was funktioniert. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
