Jutta Wegner
Ja, vielen Dank, Frau Präsidentin! Frau Ministerin Oldenburg! Meine Damen und Herren Abgeordneten! Der hier vorliegende Antrag umfasst also die Antworten, die die Regierungskoalition auf die erschreckenden Berichte und Ergebnisse der jüngsten Bildungsstudien gibt. Angesichts dessen, dass laut dem jüngsten IQB-Bildungstrend jeder fünfte Viertklässler Probleme mit dem Lesen und Rechnen hat sowie fast jeder dritte mit der Rechtschreibung, sind Ihre Antworten erstaunlich dünn. Spannend wäre es zudem gewesen, wenn Mecklenburg-Vorpommern an genannter Studie überhaupt teilgenommen hätte, (Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ganz genau.) dann könnten wir nun nämlich zielgerichtet steuern. Aber als einziges Bundesland war M-V peinlicher- und für unsere Jüngsten tragischerweise hierzu nicht in der Lage. (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP – Torsten Renz, CDU: Genau.) Dabei wäre es doch nun angesichts der deutschlandweiten Zahlen allerspätestens an der Zeit, grundlegende Veränderungen herbeizuführen. Das, was Sie hier ideenlos aus dem SWK-Gutachten destillieren und für die Grundschulkinder in Mecklenburg-Vorpommern für gut befunden haben, kann ohne grundlegende Reformen nichts voranbringen. Ich verstehe deshalb die Kritik der GEW, auch wenn ich sie nicht gebraucht hätte, um festzustellen, dass wir diesem Antrag nicht zustimmen können. Anstatt dieser dringend notwendigen Reformen ist Ihre Antwort: verpflichtende Lautlesetrainings, höhere Wochenstunden in Deutsch und Mathe für alle, mehr Stoff, mehr Training, mehr Druck zulasten der Lehrer/-innen und Schüler/-innen. Herzlich willkommen im deutschen Schulsystem! Der Negativtrend bei den Grundkompetenzen Mathe/ Deutsch bestand schon vor Corona, und das ist wirklich besorgniserregend. Vielleicht ist es an der Zeit, jetzt endlich mal grundsätzlich zu hinterfragen, ob wir überhaupt mit unserem Schulsystem noch auf dem richtigen Weg sind. Und ja, auch die Pandemie und monatelange Schulschließungen haben Schulängste entstehen lassen und Bildungsdefizite. Wir haben noch immer Klassen, die sich als Gemeinschaft neu finden müssen. Und all dies soll nun durch zusätzliche Unterrichtsmaßnahmen mit der Gießkanne geheilt werden. Individuelle Förderung – Fehlanzeige, eine zielgerichtete Verteilung der Mittel nach Sozialräumen – gar nicht mitgedacht. Eine neue Kultur der Zusammenarbeit im Schulkollegium oder, wie die SWK es nannte, die Schaffung von Strukturen für eine multiprofessionelle Kooperation in Unterricht und Ganztag sind in Ihrem Antrag nicht mal ansatzweise zu erkennen. (Torsten Renz, CDU: Auch richtig.) Ändern Sie die Strukturen, anstatt mit einem Mehr des Falschen reflexhaft zu reagieren! Hören Sie auf, unseren Kindern weiter die Kindheit zu nehmen und sie wie kleine Erwachsene zu behandeln! Kinder wollen aus sich heraus lernen. Stärken Sie diese Motivation durch Inspiration und lassen Sie den Lehrkörpern dafür die notwendige Freiheit, anstatt weiter Druck aufzubauen! Wenn Sie Bildung wirklich erreichen wollen, dann brauchen die Kinder Freiräume, um in Ruhe kombinieren zu können. Dann nützt weiterer Stress überhaupt nichts. Es kommt auf die Qualität an, nicht auf die Quantität. Bereits vor 500 Jahren schrieb Rabelais „Kinder wollen nicht wie Fässer gefüllt, sondern wie Fackeln entzündet werden.“ Orientieren wir uns daran! (Henning Foerster, DIE LINKE: Wie war das mit dem Phrasenschwein vorhin?) In Punkt 9 Ihres Antrags heißt es, Sie wollen die Lernfortschritte der Schülerinnen und Schüler in einer Lernstandsmessung in der Jahrgangsstufe 3 analysieren und gezielt in direkte Unterstützungsmaßnahmen profilieren. (Der Abgeordnete Enrico Schult bittet um das Wort für eine Anfrage.)
