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Simone Oldenburg

11.05.2023 Sitzungen 8/52

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Lesen, Schreiben, Rechnen, das sind die Grundvoraussetzungen für eine uneingeschränkte Teilhabe, aber auch für die Berufsausbildung und natürlich für das Verstehen und Verstandenwerden. Sie sind Voraussetzung für den Erwerb sozialer Kompetenzen und um sich im Leben nicht nur gut zurechtzufinden, sondern auch, um eine größere Lebenszufriedenheit zu erreichen. Lesen, Schreiben, Rechnen, das ist Bildung. Diese basalen Kompetenzen können nicht durch den Laptop, durch Hörbücher, den Taschenrechner, nicht durch die verschiedensten Apps und durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden. Das Lesen zu lernen, öffnet Türen zum Miteinander. Es ist die Voraussetzung für den Erwerb weiteren Wissens. Und deshalb muss das Erlernen von Lesen, Schreiben, Rechnen früh beginnen und lang andauern. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) So werden wir die Kinder noch besser auf die Welt einstimmen und vorbereiten, die vor ihnen liegt, die sie also gestalten können. Sehr geehrte Damen und Herren, in Mecklenburg-Vorpommern hat fast jedes vierte Vorschulkind eine Sprachstörung mit unterschiedlicher Ausprägung oder sein Spracherwerb ist gravierend eingeschränkt. Wenn aber das Sprechen nicht so recht gelingen mag, fehlt eine wesentliche Grundlage für das Lesen- und Schreibenlernen. Nur, wer richtig sprechen kann, hat die Voraussetzung, um in der Schule die grundlegenden Kompetenzen zu erwerben, um erfolgreich zu lernen. Dass so viele Kinder die Sprache nicht fehlerfrei beherrschen, schlägt sich dann logischerweise in den Ergebnissen der Lernstandserhebungen nieder. Allerdings ist es kein Ergebnis, das von heute auf morgen entsteht, und es verschwindet genauso wenig von einer kurzfristigen und einmaligen Förderung. Dieser Bildungsmangel hat sich vor Jahrzehnten in allen Bundesländern in unterschiedlichem Maße ausgebreitet, nämlich in dem Ausmaß, in dem die Zeit für das Erlernen des Lesens, Rechnens und des Schreibens geringer wurde. So sind die Befunde des IQB-Bildungstrends erschreckend, aber nicht überraschend. Fast jedes fünfte Kind verfehlt im Bereich des Lesens die Mindeststandards, genauso wie beim Zuhören. Ein noch höherer Anteil der Kinder erfüllt die Mindeststandards im Bereich der Orthografie und der Mathematik nicht. Und diese Ergebnisse stagnieren in den vergangenen Jahren nicht etwa, sondern haben sich massiv um sechs bis acht Prozent verschlechtert. Sehr geehrte Damen und Herren, weil wir alles daransetzen, dass sich dieser Zustand ändert, dass mehr Kinder die Bildungsstandards erreichen, haben wir bereits Maßnahmen getroffen. Zum Beispiel – und meine Kollegin Jeannine Rösler ist darauf eingegangen – die Willkommenswoche in der 1. Klasse wird eingeführt, um unter anderem die Lernausgangslagen der Kinder zu erfassen und die Ergebnisse dieser wertvollen Portfolioarbeit, die in den Kindertagesstätten geleistet wird, dann auch tatsächlich in den Unterricht einzubeziehen. Ebenfalls haben wir für Eltern Hinweise erarbeitet, wie sie ihr Kind mit kleineren Aufgaben und Lernspielen auf die Schule vorbereiten können, um sie so beim Erwerb der Grundlagen zu unterstützen. Das sind Maßnahmen, die sofort umgesetzt werden konnten. Aber es braucht dringend weitreichende Änderungen und Verbesserungen, um mittel- und langfristig die Kernkompetenzen als Grundlage für die Schul- und Berufsbildung zu stärken. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Deshalb schlagen die Fraktionen von SPD und LINKE Ihnen heute weitere Möglichkeiten vor, die notwendig sind, um die basalen Fähigkeiten aller Kinder zu verbessern, aber auch, um gerade die 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler so zu fördern, dass auch sie den Anschluss künftig nicht mehr verlieren. Bei all dem, was wir hier unternehmen, dürfen wir aber nicht vergessen, dass 80 Prozent der Kinder im Grundschulalter die Mindeststandards im Lesen, Schreiben, Rechnen und Zuhören nicht nur erreichen, sondern sogar übertreffen. Aber auch sie werden selbstverständlich davon profitieren, wenn ab Schuljahr 2024/2025 ein flächendeckendes Leseband in den Grundschulen eingeführt wird. Durchgehend von der ersten bis zur letzten Unterrichtswoche des Jahres, durchgehend von der 1. bis zur 4. Klasse soll für alle Kinder ein Lautlesetraining erfolgen, 20 Minuten pro Tag, unabhängig vom Unterrichtsfach, also auch im Sachunterricht oder im Mathematikunterricht. Durch verschiedene Verfahren soll die Leseflüssigkeit gefördert werden, das heißt die weitgehend fehlerfreie, automatisierte, altersangemessene schnelle Verarbeitung von Texten auf Wort- und Satzebene. Darüber hinaus arbeiten wir gegenwärtig mit der Schriftstellerin Kirsten Boie daran, ein Leselernbuch für alle Kinder im Alter von vier Jahren zu entwickeln, um bereits bei ihnen die Sprachfähigkeit zu fördern und die Eltern noch mehr in diesen Prozess einzubeziehen, indem eben jedes Kind unabhängig vom sozialen Umfeld sein eigenes Leselernbuch bekommt. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte noch auf zwei weitere Maßnahmen näher eingehen. Zum einen werden wir schrittweise die Unterrichtsstunden in den Fächern Deutsch und Mathematik auch in der Grundschule erhöhen. Die Kinder brauchen dringend mehr Zeit zum Üben, Festigen und zur individuellen Unterstützung, um Lücken zu schließen und Begabungen zu fördern. Im Dreiklang „zusätzliche Zeit, zusätzlicher Unterricht, zusätzliche Förderung“ sehen wir eine große Chance, die Lese- und Rechtschreibleistungen sowie die mathematischen Fähigkeiten zu stärken. Hierzu haben wir bereits mit vielen Grundschullehrerinnen und -lehrern gesprochen und ihre Konzepte der Förderung, mit denen sie gute Erfahrungen gemacht haben, in unsere Planungen einbezogen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Der Abgeordnete Torsten Renz bittet um das Wort für eine Anfrage.)

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