Bettina Martin
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Zeit des Studiums kann eine der aufregendsten und bereicherndsten Phasen des Lebens sein. Lernen, leben und andere Menschen kennenlernen und, ja, auch Freizeit, das aber oft in ungewohnter Umgebung, all das gehört zum Studium dazu. Das Studium kann aber auch eine Zeit von Stress und Unsicherheit sein. Studierende haben in Mecklenburg-Vorpommern und in ganz Deutschland in den vergangenen Jahren starke Belastungen erlebt. Sie waren eine der Bevölkerungsgruppen, die am stärksten unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie gelitten haben und betroffen waren: statt Hörsaal oder Seminarraum allein zu Hause und digital in kleinen Kacheln am heimischen Computer, kaum studentisches Leben und für viele auch finanzielle Sorgen, denn der Nebenjob in der Kneipe oder im Kino war auch weg. Ich habe in dieser Zeit Studierende getroffen, die mir gesagt haben, sie sind im 4. Semester, haben aber noch nie eine Universität von innen gesehen. (Heiterkeit und Zuruf von Horst Förster, AfD) Gut, dass diese Zeit zu Ende ist, Studierendenpräsenz wieder vollumfänglich möglich ist. Das ist wichtig und auch gut so. Wir wissen heute, dass diese Zeit für sehr viele Studierende schwere Auswirkungen auf ihr Studium hatte und, ja, auch auf ihre mentale Gesundheit. Vereinzelung und Einsamkeit wegen Online-Lehrveranstaltungen und finanzieller Sorgen zeigen ihre Wirkung. Die Anzahl psychischer Erkrankungen bei jungen Erwachsenen ist besorgniserregend gestiegen in den letzten Jahren, insbesondere bei Studierenden. Das hat auch die Umfrage des Zentrums für Psychologische Psychotherapie der Universität Greifswald unter Studierenden während der Pandemiephase gezeigt. 48 Prozent der jungen Menschen hatten weniger Freude am Studium. 60 Prozent fühlten sich durch die Pandemie belastet und 20 Prozent der Befragten wünschten sich eine psychotherapeutische Beratung und Behandlung. Auch die Studierendenwerke in Mecklenburg-Vorpommern haben im März 2021 eine Befragung unter den Studierenden durchgeführt. Ähnliches Bild hier: 52 Prozent der Befragten haben angegeben, dass sie einen erhöhten Bedarf an psychosozialer Beratung hätten. Es ist deshalb gut, dass wir dieses Thema heute hier auch im Landtag diskutieren. Und es hat ja auch bereits – und das haben wir gerade auch gehört – in der Anhörung im Januar im Ausschuss eine wichtige Rolle gespielt. Es besteht Handlungsbedarf, und zwar auf mehreren Ebenen. Und da sind wir uns ja auch einig. Psychische Gesundheit ist nicht allein ein individuelles Problem, sondern wird auch von strukturellen Faktoren beeinflusst, meine sehr geehrten Damen und Herren. Diskriminierung und Vorurteile etwa können sich auf die psychische Gesundheit von Studierenden auswirken, insbesondere bei Minderheiten oder Studierenden mit Behinderung. Hochschulen müssen deshalb sicher und inklusiv sein und die Bedürfnisse aller Studierenden, unabhängig von ihrer Herkunft oder Identität, berücksichtigen. Dem haben sich viele unserer, oder eigentlich alle, dem haben sich alle unsere Hochschulen im Land verschrieben. Sowohl unsere Hochschulen als auch die Studierendenwerke widmen sich dem Thema „psychische Gesundheit der Studierenden“ bereits intensiv. Nach dem Landeshochschulgesetz und dem Studierendenwerksgesetz M-V obliegt die soziale Betreuung von Studierenden den Studierendenwerken. Die Hochschulen wirken dabei mit. Hinzu kommen in Greifswald ambulante Beratungsmöglichkeiten des dortigen Zentrums für psychiatrische Psychotherapie, des ZPP. Und an dieser Stelle möchte ich mal ganz herzlich Danke sagen an dieses ZPP, an Frau Professorin Brakemeier und ihr Team in Greifswald, weil die haben in der Zeit der Pandemie ein enormes Engagement gebracht, sich um die psychische Gesundheit in dieser schweren Zeit, um die Studierenden zu kümmern. Und das machen sie auch heute noch, übrigens auch digital, weil auch das ein Teil des Antrages ist. (Beifall Torsten Koplin, DIE LINKE)
