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Barbara Becker-Hornickel

FDP 24.03.2023 Sitzungen 8/50

Sehr geehrte Präsidentin! Meine Herren, meine Damen und Herren Abgeordnete! Moment! Im Januar musste ich mit Erstaunen in einer Anhörung erfahren, dass am 31.09. dieses Jahres die Stellen in der psychologischen Beratung beim Studierendenwerk in Wismar auslaufen. Studierende, die aber dringend eine Beratung benötigen, warten schon jetzt mehr als drei bis vier Monate auf eine Betreuung. Mental Health, die mentale Gesundheit, war schon vor der Pandemie ein Thema. Wir werden nicht müde, über die Langzeitschäden zu sprechen, die durch Covid aufgetreten sind, im Besonderen über die psychosozialen Auswirkungen bei noch jungen Menschen, auch darüber zu sprechen. Ständiger Krisenmodus tut niemandem gut – ich denke, eine Wahrheit, die jeder hier im Raum kennt. Das kann direkt in eine persönliche Katastrophe führen, wenn man nicht frühzeitig das Augenmerk auf das persönliche Wohlbefinden richtet. Die andauernde und extreme Stresssituation erschüttert Studierende in ihrer Ich-Stärke. Es war eine zu lange Zeit, die letzten Schuljahre, das Abitur und der Übergang in das Studium so ganz anders, als man es sich vorgestellt hat. Fehlende Kontakte – und ja, auch junge Menschen litten unter Einsamkeit –, Panikattacken, Angsträume, Isolation, Antriebslosigkeit und auch ganz stille Depressionen führen oder könnten im schlimmsten Fall zu Suizidgedanken führen. Aus unserer Sicht beginnt eine langfristige Fachkräftestrategie auch bei uns in Mecklenburg-Vorpommern an viel früherer Stelle – auf dem Campus unserer Hochschulen, unserer Universitäten, wo die klugen Köpfe die besten Chancen erhalten sollten. Wir Freien Demokraten sagen deshalb, Prävention ist die beste sozialpolitische Maßnahme. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Statt kostenintensive Nachsteuerung braucht es jetzt Sofortmaßnahmen, damit sich die Studierenden auf das Studieren konzentrieren können. Wir stehen in der Verantwortung, mit der psychosozialen Beratung junger Menschen Bewältigungshilfe zu gewähren, mit der sie ein selbstbestimmtes Leben führen können. Perspektiven zu schaffen, sollte in unser aller Interesse sein. Deshalb, meine Damen und Herren, möchte ich heute für eine wichtige Investition in die junge Generation in unserem Land werben. Nur mit ihnen sichern wir uns die Zukunft im Land. Und so eine Beratung erfordert ein hohes Maß an Fachexpertise, weil „die“ Studierenden gibt es nicht, sondern ihre Nöte und Ausgangslagen sind vielfältig und intersektional. Das heißt, die Ursachen und Symptome überlagern sich. Daher ist ein oft komplexes Beratungsangebot für die Symptomatik nötig. Es gibt internationale Studierende, die neben den Anforderungen der deutschen Sprache oft mit Einsamkeit und Heimweh kämpfen. Es gibt Studierende mit Behinderung oder chronischer Krankheit. Es gibt Studierende mit Migrationshintergrund, die dringend Unterstützung dabei benötigen, ihre Bildungsherkunft effektiv zu überwinden. Es gibt Studierende mit Familien, Alleinerziehende und so viel mehr. Sie alle haben ein Recht darauf, dass wir sie rechtzeitig davor schützen, in eine persönliche Katastrophe zu geraten. Und wichtig hier an dieser Stelle: Wir wollen sie davor schützen, in eine Katastrophe zu geraten, die die Fortsetzung des Studiums erschwert oder gar die Weiterführung des Studiums. Dass man daran scheitert, das wollen wir definitiv nicht. Studienabbrüche können wir uns schlicht nicht leisten. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Langfristig entstehen sonst sehr viel höhere Kosten. Sowohl die medizinischen Kosten als auch die Drop-out-Quote an den Hochschulen nehmen direkten Einfluss auf unsere Wirtschaftsleistung. An dieser Schwellensituation von psychosozialen Risiken sollten wir den jungen Menschen und unseren Hochschulen im Land die nötigen Ressourcen frühzeitig zur Verfügung stellen, damit Studierende von den Hochschulen oder Universitäten sicher und motiviert und gesund in ihre Berufe wechseln, (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP und Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) zu ihrem ganz persönlichen, aber auch eben zu unser aller Wohl. Psychosoziale Beratung an Hochschulen setzt an den frühesten Stufen der Beratungspyramide an und reduziert bestmöglich die Folgerisiken, bevor sich die Krise unnötig zuspitzt. Wir können es uns nicht leisten, Beratung einzustellen, sondern wir sollten an den Hochschulstandorten die Einrichtung von zusätzlichen Beratungsstellen für 2023 ermöglichen. Und wir brauchen genaue Zahlen, wie der Bedarf insgesamt an unseren Hochschulstandorten aussieht, sodass wir dann den Anteil für den kommenden Haushalt 2024/2025 präzise kalkulieren können. Die Regelversorgung muss dringend mit sogenannten E-Mental-Health-Angeboten erweitert werden, um die Wartezeiten für eine personenkonzentrierte Beratung auf ein Höchstmaß von zwei bis vier Wochen zu reduzieren. Es gibt bereits hervorragende Selbstmanagementprogramme, die als digitale Angebote die Wartezeiten verkürzen. Sie werden als onlinegestützte Intervention sogar von den Krankenkassen anerkannt. Psychische Gesundheit, so sagt es auch die WHO, ist der Zustand des Wohlbefindens, in dem eine Person ihre Fähigkeiten ausschöpfen und ihren Beitrag zu unserer Gemeinschaft leisten kann. Es geht um die Verbesserung der Lebensqualität des subjektiven Wohlbefindens, so um die Hilfe, das Studium fortzusetzen. Ich sage es noch mal, es geht nicht darum, wenn ich jetzt ein Problem habe wegen meiner schiefen Nase – es kann auch durchaus zu Problemen führen –, (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) nein, es geht darum, das Studium zu schaffen, hier Hilfe zu bringen, (Zuruf von Horst Förster, AfD) um diese viele … Vielen Dank für meine Nase! Die ist nur groß, nicht schief. Mentale Gesundheit dient der Steuerung der emotionalen Aspekte einer Transformation. Psychosoziale Beratung auch mit digitalen Anteilen in der Unterstützung gibt den Studierenden die nötige Orientierungs-, Planungs-, Entscheidungs- und Bewältigungshilfe. Wir Freien Demokraten wollen, dass Studierende die nötige Selbstbestimmung zurückgewinnen und ihre Freizeit, Entschuldigung, (Heiterkeit vonseiten der Fraktionen der AfD und FDP) ihre Freiheit gestalten. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Entschuldigung! Danke für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP)

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