Dr. Harald Terpe
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Wat de Buer nich kennt, dat frett he nich.“ (allgemeine Heiterkeit – Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dieses alte Sprichwort kennen Sie alle, und es beschreibt treffend, wie es vielen Menschen mit dem Thema „Insekten als Lebensmittel“ ergeht. (Heiterkeit bei Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Herr Terpe hat auch keine Schmetterlinge im Bauch. – Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) Und es ist auch nachvollziehbar, wenn Menschen derartig neuen Angeboten auf dem Lebensmittelmarkt zunächst skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen. Die Produktentwickler der Ernährungsbranche schlafen nicht und jeden Tag entdecken sie weltweit neue Ernährungstrends. Sie entwickeln daraus Angebote und versuchen, uns diese schmackhaft zu machen. Unsere Altvorderen wären wahrscheinlich sehr irritiert, wenn sie Rouladen oder Bratkartoffeln aus der Dose, Reispfanne im Tiefkühlfach und Pulver für das Anmischen von Rotwein sehen würden. Andere sind eben heute beim Anblick von Insekten als Beimischung im Frühstücksmüsli irritiert. Dabei ist es noch nicht mal die schlechteste Idee, denn essbare Insekten sind proteinreich, jedenfalls kein krankmachendes Ungeziefer, und ihre Produktion ist deutlich klimafreundlicher und kostengünstiger als die von Fleisch. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Um im Bild zu bleiben: Der Antrag der AfD-Fraktion ist so geschmack- und substanzlos wie so manche Tiefkühllasagne. Er verpackt irgendetwas als Problem, was überhaupt kein Problem ist. Stattdessen werden die üblichen bräsigen, dem Fremden feindliche Stereotype bedient – (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Enrico Schult, AfD) dem Fremden, nicht fremdenfeindlich –, dem Fremden feindliche Stereotype bedient, da wird von moralisierenden Kampagnen gegen die im europäischen Kulturraum übliche Form der tierischen Nahrungsmittelerzeugung geschrieben. Damit wird einmal mehr so getan, als würde hier jemand zeigefingerschwingend durch die Lande ziehen und den Menschen zurufen: „Esst keine Schweine mehr, sondern die Grashüpfer in eurem Garten!“ Sie tun wieder mal so, als würden die Menschen gezwungen werden, nur noch Käfer zu verspeisen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das jedenfalls ist eine totale Überzeichnung der wirklichen Lage. Dabei ist das Lebensmittelrecht bei essbaren Insekten sehr klar. Den entsprechenden Link zu den Vorschriften haben Sie ja selbst in Ihrem Antrag angegeben. Für jedes Insekt, das auf den Markt gelangen soll – und das hat ja auch der Minister schon ausgeführt –, muss in der EU eine Zulassung beantragt werden. Nach intensiver wissenschaftlicher Bewertung wird dann festgelegt, ob und in welcher Form die Tiere in den Handel gelangen dürfen. Lebensmittel, die Insekten enthalten, müssen dies in ihrer Zutatenliste klar und verständlich kennzeichnen. Auch müssen Angaben zum Allergenpotential gemacht werden. All diese Angaben finden sich in der Regel auch auf jenen Lebensmitteln, die essbare Insekten oder ihre Bestandteile enthalten. Ein gesondertes Logo für Produkte, die nur anteilig Insekten enthalten, zum Beispiel in Form von Insektenpulver, ist nicht vorgeschrieben. Aber das ist es für zahlreiche andere Lebensmittelzusätze auch nicht. Oder haben Sie schon einmal ein großes, unübersehbares Logo auf Produkten mit Schweinegelatine gesehen? (Der Abgeordnete Martin Schmidt bittet um das Wort für eine Anfrage.)
