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Elke-Annette Schmidt

Die Linke 27.01.2023 Sitzungen 8/44

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es war Freitag, der 13., als diese Schlagzeile in der Zeitung stand: „Die CDU fordert den verstärkten Einsatz der Landesregierung für tierische Produkte im Essen an Schulen, Kitas und in öffentlichen Kantinen. Ein ‚Schnitzel-Antrag‘ steht auf der Tagesordnung des … Landtags“. Genau so, lieber Thomas Diener, war ich auch amüsiert, als ich diese Überschrift las. Aber wenn man sich natürlich mit dem Antrag der CDU tiefer beschäftigt, dann vergeht einem ein bisschen schon das Amüsement. Und ich will mich auch sachlich mit diesem Antrag auseinandersetzen. (Sebastian Ehlers, CDU: Das ist schön.) Die Kolleginnen und Kollegen der CDU stellen in ihrem Antrag fest, dass eine ausgewogene Ernährung die Grundlage ist, um die Entwicklung und Leistungsfähigkeit und das Wachstum und die Gesundheit der Menschen zu erhalten. Ebenso wird festgestellt, dass sowohl ökologisch als auch konventionell in Deutschland erzeugte Lebensmittel den hohen Qualitätsansprüchen genügen und zur ausgewogenen und gesunden Ernährung beitragen. Ich glaube, das kann in diesem Hause hier jeder unterschreiben und dazu wird es keinen Widerspruch geben. Der Aussage, dass neben Lebensmitteln aus pflanzlichem Ursprung auch Lebensmittel tierischen Ursprungs essenziell seien, um eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen zu gewährleisten, kann ich dagegen nur bedingt folgen. Die Verbraucherschutzzentrale zum Beispiel führt dazu aus: „Eine pflanzenbasierte Ernährungsweise hat nachweislich gesundheitliche Vorteile und schont das Klima.“ (Beifall Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) „Um einen Mangel an Nährstoffen zu vermeiden, kommt es jedoch auf die richtige Zusammenstellung des Speiseplans an.“ Und im Weiteren heißt es: „Mit einer vegetarischen Ernährung ohne Fleisch kann der Körper ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden – natürlich ausgehend davon, dass abwechslungsreiche Speisen auf dem Teller landen.“ (Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich denke auch, da sollte man sich durchaus dieser Thematik annehmen. Und dass eben auch verstärkt junge Menschen sich einer vegetarischen oder veganen Lebensweise zuwenden, hat doch auch etwas damit zu tun, dass sie eben auch schauen, wie beeinflusst das eben auch unsere Umwelt und wie kann ich hier auch mit Ernährung einen Beitrag leisten. Und das sollten wir durchaus auch wertschätzen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und, geschätzter Kollege Thomas Diener, ich kann auch aus eigener Erfahrung in meiner Familie berichten, ich habe also einen Sohn, der ernährt sich vegetarisch, ich habe einen ferneren Verwandten, der ernährt sich vegan. Die sind alle bestens, sowohl geistig als auch körperlich, entwickelt und können dem Leben gut standhalten. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der SPD und Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zurufe von Michael Meister, AfD, und Wolfgang Waldmüller, CDU) Und auch noch, lieber Thomas, ich lade dich gerne mal ein, wenn mein Sohn kocht. Das macht so viel Spaß, dieses Essen zu sich zu nehmen. Das ist abwechslungsreich, das ist kreativ, das ist nicht langweilig. Also komm gern mal vorbei! Ich möchte dir das gern mal vorführen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Sebastian Ehlers, CDU: Es wurde auch nicht das Gegenteil behauptet.) Aber natürlich entspricht es der Lebensrealität der meisten Menschen, sich nicht ausschließlich vegetarisch oder vegan zu ernähren. Aber wer verlangt das denn auch? Ich habe jedenfalls noch nie von Vorschriften gehört oder gelesen, dass auf dem Speiseplan von Kitas, Schulen oder öffentlichen Kantinen auf Produkte tierischen Ursprungs verzichtet werden soll (Zurufe von Petra Federau, AfD, und Marc Reinhardt, CDU) oder gar von einem indirekten Zwang zur veganen Ernährung, so, wie das dieser Äußerung in der OZ zu entnehmen war. Und wenn die Landesregierung dafür sorgen soll, dass in Kitas, Schulen und öffentlichen Kantinen auch Fleisch möglichst aus regionaler Herkunft auf den Teller soll, suggeriert das, die Landesregierung setze sich für eine fleischfreie oder sogar vegane Ernährung ein. Und dem ist nicht so. Denn es ist erstens nicht so und zweitens ist es auch nicht Sache der Landesregierung, hier entsprechend einzugreifen. (Marc Reinhardt, CDU: Wehret den Anfängen!) Aber natürlich gibt es Empfehlungen für Kitas, Schulen und öffentliche Kantinen, (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) und die beruhen auf den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Das ist hier schon des Öfteren jetzt angesprochen worden. Und wir haben die Regionalstelle für Mecklenburg-Vorpommern dieser Gesellschaft, die dazu umfangreiche Beratungsangebote anbietet, die auch gut genutzt werden. Und die Vernetzungsstellen in Kita- und Schulverpflegung machen eine hervorragende Arbeit und weisen hier darauf hin, dass eine qualitativ und quantitativ anspruchsvolle Ernährung in den Schulen und Einrichtungen gewährleistet werden soll. Und sie unterstützen dabei auch die verschiedenen Interessenvertretungen wie Elternvertretung, Kitas und Caterer, denn das ist auch entscheidend. Um auf die Speisepläne gerade in Schulen und Kitas Einfluss zu nehmen, sind Eltern sehr, sehr wichtig, und sie tun das auch sehr entscheidend. Und hier braucht es natürlich auch Bildung und Beratung. Was Sie vielleicht ein bisschen dazu bewogen hat, dass die Landesregierung hier so stark Einfluss nimmt, ist vielleicht die Tatsache, dass diese Beratungsstellen über das Ministerium für Verbraucherschutz gefördert werden. Aber ich denke, das ist auch so in Ordnung. Mein Petitum ist an dieser Stelle: Lassen Sie doch jeden so leben und essen, wie er das gerne möchte! (Sebastian Ehlers, CDU: Nichts anderes haben wir gesagt. – Zuruf von Wolfgang Waldmüller, CDU) Nein, das haben Sie nicht. (Sebastian Ehlers, CDU: Antrag lesen! – Zuruf von Wolfgang Waldmüller, CDU) Sie haben den Fokus darauf gesetzt, dass es um mehr tierische Produkte gehen soll, dass hier mehr tierische Produkte eingesetzt werden. (Zurufe von Michael Meister, AfD, und Stephan J. Reuken, AfD) Also so ist es zumindest bei mir angekommen, (Wolfgang Waldmüller, CDU: Lesen Sie doch mal den Antrag!) dass Sie das von der Landesregierung einfordern. (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) Nein, das ist so, dass Sie das einfordern, und dem ist nicht so, also dem werden wir sicherlich nicht folgen. Wir wollen hier ein breites Angebot sichern. Und wenn Sie sich mal … Ich habe mir die Mühe gemacht, ich habe mal verschiedene Speisepläne von Schulen mir angeschaut – ich weiß nicht, ob Sie sich die Mühe gemacht haben –: (Sebastian Ehlers, CDU: Natürlich!) Es gibt mindestens drei Angebote, manchmal sogar vier. (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) Ein Angebot habe ich nirgends gefunden. Das scheint dann aber tatsächlich die Ausnahme zu sein, Herr Reinhardt. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Ich habe wirklich mindestens drei gefunden, und da war jeden Tag in der Woche ein Angebot dabei, das mit tierischen Produkten, sogar Fleisch – bei Fisch sogar zweimal in der Woche, wenn man den dazurechnet – angeboten wurde. Also ich sehe nicht, wo es hier irgendwie einen Nachholbedarf in diese Richtung gäbe. Meine Fraktion wird diesen Antrag ablehnen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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