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Stefanie Drese

26.01.2023 Sitzungen 8/43

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Die Corona-Pandemie hat der Gesellschaft viel abverlangt. Große Anstrengungen seitens der Politik, der Medizin und selbstverständlich der Bürgerinnen und Bürger waren notwendig, um das Virus einzudämmen und die Folgen von Infektionen abzumildern. (Martin Schmidt, AfD: Hat es aber nicht.) Ohne den wissenschaftlichen Zusammenhalt, die Solidarität und Rücksichtnahme sowie die wissenschaftlichen Errungenschaften rund um das Corona-Virus könnten wir drei Jahre nach Ausbruch der Pandemie sehr wahrscheinlich nicht mit der gleichen Zuversicht wie heute in die Zukunft schauen. Das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich betonen. Wir haben sicherlich nicht alles richtig gemacht, und vor allem das erste Jahr der Pandemie hat das Virus uns viel mehr im Griff gehabt als umgekehrt, aber Europa, Deutschland und auch wir in Mecklenburg-Vorpommern haben bewiesen, wozu Wissenschaft und Forschung in der Lage sind. So ist eine überaus erfreuliche Nachricht, dass sich die große Mehrheit der Expertinnen und Experten einig darüber ist, dass die Pandemie in ein endemisches Stadium übergegangen ist. Das ist ein hervorragendes Zwischenfazit und zeigt die Wirksamkeit der Maßnahmen, Irrtümer inbegriffen. Aber gerade mit Blick auf China zeigt sich, was passiert, wenn es keine gut organisierte Impfkampagne und keinen passgenauen Impfstoff gibt. Ganz eindeutig, einen ganz wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie haben die Impfungen mit geeigneten Impfstoffen geleistet. Erinnern Sie sich an die erschreckenden Meldungen und vielen Verstorbenen zu Beginn der Pandemie, als die Menschen dem Virus schutzlos ausgeliefert waren! Dank der raschen Entwicklung von Impfstoffen, bei der auch Deutschland wegweisend mitgewirkt hat, konnten viele schwere Verläufe verhindert und Leben gerettet werden. Dafür gilt allen, die daran mitgewirkt haben, mein ausdrücklicher Dank. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist eine wissenschaftliche Tatsache, dass es bei der Verabreichung von Arzneien und Impfungen nahezu immer auch zu Begleiterscheinungen kommen kann. Zu unterscheiden ist bei den Impfungen zwischen Impfnebenwirkungen und Impfreaktionen. Während Impfnebenwirkungen über viele Impfstoffarten hinweg sehr selten auftreten können, treten Impfreaktionen häufiger und kurzweiliger auf. Die Erforschung jener Impfnebenwirkungen und -reaktionen ist bereits im Zuge des Zulassungsprozesses eine maßgebliche Voraussetzung, um Impfstoffe überhaupt auf den Markt bringen zu dürfen. Aufgrund der hohen Standards für die Zulassung von Impfstoffen in Deutschland und Europa sind schwere Impfnebenwirkungen im Zusammenhang mit Corona-Impfstoffen verhältnismäßig nur selten. (Nikolaus Kramer, AfD: Welche Zulassung denn?) Um dies in Zahlen darzulegen: Seit Beginn der Impfungen sind in Deutschland über 190 Millionen Corona-Impfdosen verabreicht worden. Die Nebenwirkungsquote liegt bei 0,3 pro 1.000 Dosen. (Dr. Eva Maria Schneider-Gärtner, AfD: Was?!) Im Vergleich dazu betreffen bereits bei der Einnahme einer handelsüblichen Kopfschmerztablette, die von vielen Menschen ohne ärztliche Konsultation eingenommen wird, 1 bis 10 pro 10.000, also 0,1 Prozent, unter anderem Magen-Darm-Geschwüre oder schwerwiegende Hirnblutungen. Studien zeigen zudem, dass das Risiko einer schwerwiegenden Erkrankung im Zuge der Corona-Infektion jenes auf das Auftreten einer Impfnebenwirkung deutlich übersteigt. Die wichtigen Daten zur Häufigkeit der Impfreaktionen und Impfnebenwirkungen können dabei nur dank der kontinuierlichen Überwachung und Forschung dazu überhaupt generiert werden. Neben der Europäischen Arzneimittelagentur ist hier insbesondere das Paul-Ehrlich-Institut als oberste Bundesbehörde zu nennen. Das Paul-Ehrlich-Institut sammelt eine Vielzahl an Daten zu Impfnebenwirkungen, zum Beispiel über eine eigens dafür eingerichtete Meldeplattform. Die Erkenntnisse werden regelmäßig und transparent in internationalen Journalen veröffentlicht. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert zudem mehrere Studien zu Corona-Impfstoffen und möglichen Nebenwirkungen. Auch im Land Mecklenburg-Vorpommern wird intensiv und erfolgreich zu Impfnebenwirkungen geforscht. Besonders möchte ich hier die Arbeit von Professor Dr. Andreas Greinacher von der Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald hervorheben. Er war es, der mit seinem Team die Mechanismen aufdecken konnte, die bei Vektorimpfstoffen bei einer Gruppe meist jüngerer Männer für schwere prothrombotische Nebenwirkungen verantwortlich waren. Diese Erkenntnisse sind in die Impfstrategie der Landesregierung aufgenommen worden. Schließlich wurde Professor Greinacher auch der Preis der Deutschen Hochschulmedizin 2022 für seine Forschungen zu Impfnebenwirkungen von Corona-Vektorimpfstoffen verliehen. Auch am Institut für Long Covid und an den Long-Covid-Ambulanzen der Hochschulmedizinen werden Menschen mit Impfnebenwirkungen behandelt. Die Behandlungsergebnisse fließen im Sinne des transnationalen Ansatzes von der Therapie unmittelbar in die Forschung und dann wieder in die Therapie zurück. Meine sehr geehrten Damen und Herren, mit Beschluss auf Drucksache 8/1453 hat der Landtag die Bereitstellung der Mittel in Höhe von über 2,5 Millionen Euro für den Ausbau zweier Long-Covid-Ambulanzen, drei wissenschaftliche Studien und den Aufbau des Instituts für Long Covid in Rostock bewilligt. Diese Leuchtturmprojekte stoßen weit über die Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns hinaus auf großes Interesse und Anerkennung. Das übergeordnete Ziel der Bemühungen von Politik, Wissenschaft und Medizin ist es, die Spätfolgen einer Corona-Infektion besser zu verstehen und passende Therapien zu entwickeln. Mithilfe der Landesförderung kann dieses Ziel schon heute schrittweise erreicht werden. Wie bereits erläutert, werden dabei natürlich auch Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf Impfnebenwirkungen behandelt und in der Forschung berücksichtigt. So bestätigen es übrigens auch die Universitätsmedizin sowie das Institut für Long Covid unter Leitung von Frau Dr. Frommhold. Insofern wird der Antrag der AfD weder benötigt, noch ist er in der Sache zielführend, inhaltlich etwas dünn. Schlagworte reichen bei diesem wichtigen Forschungsthema nicht. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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