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Barbara Becker-Hornickel

FDP 25.01.2023 Sitzungen 8/42

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Ich stehe hier für meine Kollegin Frau Enseleit, die leider erkrankt ist. Aber ich habe nicht einfach ihren Vortrag übernehmen können, sondern er ist durchaus von persönlichen Dingen durchwachsen, muss ich hier so gestehen, da ich, ich habe es schon gesagt, aus einer Lehrerfamilie komme, die zum Teil auch noch aktiv ist und sind, und da einige Dinge auch vielleicht emotional sind oder durchaus Einfluss haben. Wir diskutieren heute über die konstruktiven Lösungen, um endlich mehr und auch die besten Lehrerinnen und Lehrer für unsere Kinder hier im Land zu finden und vor allem im Job zu halten. Ich glaube, was wir nicht gebrauchen können, ist eine zusätzliche Lehrerflucht und wenig attraktive Arbeitsbedingungen neben der zunehmenden Pensionierung von Lehrkräften, einem konstant hohen Krankenstand und zunehmend die Inanspruchnahme von Teilzeitkosten, Entschuldigung, von Teilzeitarbeit. Das hat mein Kollege von der CDU hier ja genauso vorgetragen. Was guten Unterricht und ein attraktives Lern- und Arbeitsklima langfristig für Lehrerinnen und Lehrer ausmacht, ist wahrlich kein Hexenwerk. Kollege Renz hat es ähnlich formuliert. Er hat gesagt, es ist ein Teufelskreis zu durchbrechen. Die Ständige wissenschaftliche Kommission beabsichtigt, zusätzlich ein umfangreiches Gutachten zu Fragen der Lehrkräftegewinnung, Qualifizierung für das Jahr 2024 vorzulegen. Ich glaube, wir können hier in Mecklenburg-Vorpommern so lange nicht warten. Wir sollten handeln und nicht nur darüber reden, was alles nicht geht, (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP und Daniel Peters, CDU) sondern auch mal schauen, was geht, was können wir heute tun. (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU) Die Historie geht hier speziell in Mecklenburg-Vorpommern auf den Geburtenrückgang nach der Wende zurück. Ich habe dort in der Fachliteratur den Begriff „Geburtenschock“ gelesen, habe ihn aber vielleicht etwas falsch, also zum jetzigen Zeitpunkt, interpretiert. Damals hatten wir einen Überhang an Lehrerinnen und Lehrern. Sie wurden damals größtenteils in Frühpension geschickt, mit anderen Aufgaben betraut, und trotzdem wurde für die verbleibenden Lehrkräfte damals die Stundenzahl von 25 auf 27 Stunden erhöht, nicht aus pädagogischen Gründen, sondern auch damals aus rein finanziellen. Ich war damals mittendrin. Mutter, Schwester, beste Freundin waren betroffen, meine Mutter mittlerweile seit vielen Jahren im Ruhestand. Meine Schwester, eine Lehrerin, die ist von Leidenschaft getragen. Also ich ziehe jedes Mal den Hut davor, was sie in ihrem Alter, mittlerweile 63, heute noch tatsächlich Tag für Tag leistet. Und die Tradition wird fortgeführt. Da sie so eine leidenschaftliche Lehrerin ist, zwei Söhne hat, haben auch die den Lehrerberuf ergriffen, aber nicht in Mecklenburg-Vorpommern. Sie sind beide junge Studienräte in Bayern und fühlen sich dort verdammt wohl und sind auch dort begeisterte junge Lehrer. Wir reden hier über den Vorschlag, von 27 auf 25 Stunden zurückzugehen. Zwei Stunden! Ich ermuntere jeden, mal darüber nachzudenken, ob zwei Stündchen einen Unterschied machen. Es sind ja nicht die 25 Stunden, sondern jede Unterrichtsstunde bedarf ja auch noch einer Vorbereitung, nicht unbedingt eins zu eins, das hängt vom Alter ab, wie lange man im Unterrichtsberuf war und ist, aber trotzdem, jeder Jahrgang, jede Klasse, jeder Schüler ist anders. Nicht, dass Sie vielleicht denken sollten, oh, ist ja immer dasselbe! Ich möchte nicht in den Knochen derjenigen Kolleginnen und Kollegen stecken, die das tagtägliche Pensum mit unseren Kindern und Jugendlichen stemmen. Wir sagen immer wieder gerade als FDP: Bildung, Bildung ist mit Abstand die lohnendste Investition, die wir leisten können in unsere Zukunft. (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, FDP und Jutta Wegner, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Arbeitsbedingungen für unsere Lehrerinnen und Lehrer sind alles andere als einladend. Auch das war hier schon Thema. Damit meine ich weniger die Schülerinnen und Schüler als vielmehr die Bedingungen, wie Gebäude, sanitäre Einrichtungen, die technische Ausstattung oder auch fachfremde Vertretungsstunden. Ja, es gab Laptops. Ich bin in einer Gemeinde, ganz schnell wurde alles ausgestattet, auch meine Schwester bekam einen Laptop, aber niemand hat sie eingewiesen. Es fehlte die Fachkompetenz an den Schulen, dann auch Lehrer dazu zu befähigen. Sie ist Kunstlehrerin und nicht unbedingt die große Computerfachfrau. Auch Inklusion ist nicht das Problem, sondern auch hier ist die personelle Ausstattung neben entsprechenden baulichen Maßnahmen nicht so in Gang gekommen, wie es alle brauchten. Woher sollen Kinder denn lernen, im Team zu arbeiten, wenn sie die eigenen Lehrerinnen und Lehrer als ausgelaugte Personen empfinden oft genug?! Und machen wir uns nichts vor, die Insel der Seligen für Lehrerinnen und Lehrer in unserem schönen Mecklenburg-Vorpommern, erinnere ich an eine Werbekampagne, ist eine Wunschvorstellung der Landesregierung. (Marc Reinhardt, CDU: Das stimmt.) Mecklenburg-Vorpommern steht in Konkurrenz mit anderen Bundesländern, sehr vielen, wir haben es gehört, um gut ausgebildete Lehrkräfte für sich zu gewinnen. Wir reden über zwei Stunden, ein Thema unter vielen. Zwei Stunden weniger können hier eine wunderbare Zeit in Kollegien schaffen, sich zu bestimmten Fällen zu beraten, sich fortzubilden, sich neue Ideen gemeinsam zu überlegen, sich Zeit dafür zu nehmen, was gewöhnlich und manchmal und leider immer öfter auf der Strecke bleibt: Qualität. Wie sagte der Chef der PISA-Studie Andreas Schleicher gleich zu Beginn des Jahres so treffend – in unseren Schulen ginge es wie in einem Fast-Food-Restaurant zu. Die Schülerinnen und Schüler seien oft nur Konsumenten, die ihren Lehrstoff serviert bekommen. Die Lehrer agieren als Servicedienstleister, die das vorgefertigte Essen aufwärmen und überreichen sollen. Der OECD-Bildungsdirektor führt aus, Eltern seien Kunden, die sich beschweren, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Aber auch das fiel hier schon, es ist auch so, dass viele Eltern den eigenen Erziehungsauftrag als Eltern nicht wahrhaben wollen, ihre Verantwortung nicht zu 100 Prozent wahrnehmen. Diese Abläufe frustrieren alle. Die Schulentwicklungsforschung belegt eindeutig, dass die Belastung im Lehrerberuf nicht nur durch eine satte Besoldung kompensiert werden kann. Schließlich ist bekannt, dass deutsche Lehrkräfte im internationalen Vergleich gut bezahlt werden. Seien wir mal ehrlich, wenn ich an meine Schwester denke, an meine Mutter denke, an meine beste Freundin denke, an meine jungen Neffen denke, die sagen, eigentlich ist der Lehrerberuf einer der schönsten der Welt, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, weil wir können junge Menschen in ihr Leben begleiten, wir können ihnen helfen, ein eigenverantwortliches Leben zu führen. Und ich denke, das ist eine wichtige Aussage, die manchmal vielleicht auch auf der Strecke bleibt, wenn man erschöpft ist, wenn man kaputt ist, wenn diese Aussage, mit der man eigentlich mal den Lehrerberuf erreicht hat, wenn das nicht mehr stimmt. Wir unterstützen die …

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