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Jutta Wegner

GRÜNE 25.01.2023 Sitzungen 8/42

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Oldenburg, wenn ich Ihnen zugehört habe eben, habe ich gedacht, wir müssten eigentlich ein Paradies an unseren Schulen bei uns im Land haben. Ich verstehe nur nicht so ganz genau, warum wir dieses Paradies, dieses Gefühl nicht bei Eltern, Lehrern und Schüler/-innen im Land zurückgespiegelt bekommen, die das völlig anders sehen. Ich glaube tatsächlich, Sie haben auch ein wichtiges Problem – und das ergibt sich ja auch aus der Begründung von Herrn Renz von der CDU –, ein wichtiges Problem angesprochen: Wir haben viel zu wenig Lehrer. Ja, das wissen wir alle. Das ist auch nicht nur ein Problem hier bei uns in Mecklenburg-Vorpommern, sondern das trifft uns bundesweit. Und wir haben – auch das hat Herr Renz sehr deutlich gemacht –, wir haben hier in Mecklenburg-Vorpommern die höchste Stundenverpflichtung überhaupt. Auch das ist ein Grund dafür, dass bei uns eben viele Lehrerinnen und Lehrer im Burn-out sind oder einfach auch versuchen, in Teilzeit ihre eigene Gesundheit zu retten. (Torsten Renz, CDU: So ist es.) Das sind Probleme, die wir haben. (Torsten Renz, CDU: Ja.) Und allein deshalb finde ich den Ansatz, den der Antrag der CDU aufnimmt, einen richtigen. Diese Stunde Arbeitszeitreduzierung, die hier beantragt wird, bedeutet ja nicht, dass sie sofort in neue Lehrer/-innenstellen umgesetzt werden muss, (Torsten Renz, CDU: Endlich mal jemand, der den Antrag verstanden hat! – Marc Reinhardt, CDU: Und auch gelesen hat.) sondern sie fließt auf ein Arbeitszeitkonto (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU) und ist insofern, und das ist natürlich nicht schön, sondern sie ist insofern ein Scheck auf die Zukunft. Also es ist keine echte Reduzierung, aber es ist ein Prinzip Hoffnung. Es ist ein erster Schritt auf einem langen Weg, nicht nur angesichts des demografischen Wandels, der in den nächsten Jahren unmittelbar zutage treten wird. Wir haben heute schon eine Bildungsdebatte gehabt, und ich habe unsere Vision von einer guten Schule skizziert. Eine Schule, in der Kinder selbstwirksam gestalten und entdecken können, in der eine ganze Schulfamilie agiert, nützt aber nicht nur den Kindern, sondern auch den Lehrkräften. In der Presse wird die Schule auch durch Aussagen aus Reihen dieses Parlamentes oft auf die Rolle eines einseitigen Bildungsbegriffes reduziert. Erziehung geschehe im Elternhaus, ebenso der Umgang mit Konflikten. Fertig, nicht unsere Verantwortung. Auch das zeigt doch, dass wir gar nicht mehr die Realität in den Elternhäusern sehen, wo genau das ja nicht passiert. Deshalb müssen wir familienergänzend und manchmal sogar -ersetzend in den Schulen tätig werden, nicht nur mit Lehrkräften, sondern auch mit dem, was ich als Schulfamilie bezeige. Es kann nicht unsere Antwort sein, die Lehrerinnen und Lehrer sind auch durch den bereits jetzt herrschenden Fachkräftemangel ausgebrannt. Aber nicht nur, die Gewalt an Schulen nimmt zu, offiziell weisen immer mehr Schülerinnen und Schüler Lernschwierigkeiten auf, und das Projekt Inklusion hakt an allen Ecken und Enden, (Beifall Enrico Schult, AfD) ist aber nicht das Problem, Herr Schult, sondern das ist eine Aufgabe, die wir lösen müssen in den Schulen mit entsprechenden Voraussetzungen. (Zuruf von Enrico Schult, AfD) Lösen sollen dies allein die Lehrer/-innen, die im Studium doch vor allem auf eines vorbereitet werden: Frontalunterricht. Aber Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sie sind Kinder, entwickeln sich und wachsen heute vor allem in Institutionen wie Schulen und Kitas auf. Auch Achtjährige haben noch nicht die volle Reife und müssen pädagogisch begleitet werden. Doch dafür fehlt den Lehrern schlicht die Zeit und darauf werden sie im Studium auch nicht ausreichend vorbereitet. Um die Lehrer zu entlasten, braucht es also nicht nur eine Reduzierung ihrer Stundenzahl, sondern auch eine Verbesserung ihrer Ausbildung hinsichtlich der pädagogischen Fähigkeiten. Die Schulen selbst müssen ergänzt werden um Sozialpädagog/-innen, Erzieher/-innen, Psycholog/-innen, DaZ-Kräfte, Sonderpädagog/-innen und vieles mehr. Lehrer/-innen müssen sich darauf konzentrieren können, die Kinder im Wissenserwerb zu begleiten, während die oben skizzierte Schulfamilie dafür sorgt, dass jedes Kind möglichst individuell sein Potenzial entfalten kann. Dadurch würde auch der Beruf des Lehrers wieder attraktiver. Die Aufgaben und die Arbeit verteilten sich so leichter entsprechend der unterschiedlichen Qualifikationen, was Entlastung und eine höhere Qualität von Schule und Unterricht mit sich bringen würde. Ein weiteres Problem, vor dem wir aktuell stehen, ist die hohe Abbruchquote der Lehramtsstudierenden. (Enrico Schult, AfD: Sehr richtig!) Über 80 Prozent, das ist angesichts des Fachkräftemangels fast nicht auszuhalten! Eine Möglichkeit, das Lehramtsstudium attraktiver zu gestalten, wäre zum Beispiel die Option, ein duales Studium anzubieten. Genauso, wie es heute bereits möglich ist, soziale Arbeit dual und vergütet bei einem Landkreis zu studieren, sollte es doch auch möglich sein, das Lehramtsstudium derart zu gestalten. Bereits im ersten Semester könnten die Studierenden in den Schulen praxisnah ihren Beruf erlernen, unterstützen und schrittweise mehr Verantwortung übernehmen. Diese Versuche gibt es ja auch bereits schon hier über die Uni Greifswald. Warum bis zum Referendariat warten, wenn wir doch bereits zuvor Lehrer/-innen in der Praxis ausbilden könnten? Durch die Vergütung wäre das Studium zudem deutlich wertvoller und verbindlicher als bisher. Die Lehrkräfte könnten so zusätzlich zu funktionierenden Schulfamilien hier Unterstützung erfahren. Sie sehen, der Antrag der CDU ist ein wichtiger erster Schritt, dem wir deshalb auch zustimmen werden, aber weitere müssen folgen. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, FDP und Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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