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Elke-Annette Schmidt

Die Linke 08.12.2022 Sitzungen 8/40

Nein, ich habe zu wenig Zeit. Es tut mir leid. Ich bin jetzt schon nicht mehr bei meinem Manuskript, weil hier so viel aufgeworfen wird. (Torsten Renz, CDU: Na dann ist es ja auch egal. – allgemeine Heiterkeit) Nein, wirklich nicht, Herr Renz. Und, Frau Berg, Sie haben vollkommen recht, es gibt so viele andere Themen in Sachen Gleichstellung, über die wir uns unterhalten müssten, und wir unterhalten uns immer wieder über die Sprache. Es ist ein Bestandteil, ein Bestandteil, um zu Chancengleichheit zu kommen von Frauen und Männern, und das andere besprechen wir leider nicht in diesem Raum. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Was hat das mit Chancengleichheit zu tun?!) Aber wir tun es, wir machen es mit einem gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm. Das wird jetzt auf den Weg gebracht. Da können Sie sich drauf freuen. Und da werden all die Themen, die Sie hier angesprochen haben, werden Bestandteil sein. Das können Sie mir glauben, so wahr ich hier stehe. Jetzt zurück zu meinem Manuskript: Liebe AfD-Fraktion, und wieder grüßt das Murmeltier, möchte man sagen bei Ihrem Antrag. Immer mal wieder kommen Sie mit diesen Dingen (Horst Förster, AfD: Ja, das bleibt auch so.) hier in dieses Parlament. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Wo es notwendig ist.) Nein, ist es nicht! (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ja, doch! – Zuruf von Horst Förster, AfD) Und immer ist es dieses böse Gendern, das Sie durchs Dorf treiben, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Durchs Land!) und es ist dieser Genderstern, der zum Symbol des absoluten Bösen von Ihnen verklärt wird. Das Binnen-I, was eigentlich schon gar keiner mehr gebraucht, weil das ist veraltet, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ach?! – Heiterkeit bei Torsten Renz, CDU: Weil es sich nicht durchgesetzt hat, deswegen.) das führen Sie auch noch wieder an. Selbst davor fürchten Sie sich. Und das ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Und wissen Sie was, (Zurufe von Horst Förster, AfD, und Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) wissen Sie was, Herr Förster, mit der Verlaufsform, ja, da kann man ja so sein Problem haben, mit den Rauchenden und mit den was auch immer. Benutzen Sie doch den Stern, dann haben Sie das ausgemerzt, (Heiterkeit bei Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) dann sind alle einbezogen und dann sind wir alle Sorgen los! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Warum sperren Sie sich dagegen?! Ich verstehe es nicht. (Thore Stein, AfD: Soll ich „Stern“ aussprechen?! – Zurufe von Horst Förster, AfD, und Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) So, ich werde jetzt ein bisschen runterfahren. (Thore Stein, AfD: Bauarbeiter-Stern/-innen, oder was?!) Frau Berg, es ist Adventszeit, ich werde etwas runterfahren. Das Für und Wider einer geschlechtergerechten Sprache wird in der Öffentlichkeit und auch im Privaten durchaus mal mehr und mal weniger hitzig diskutiert. (Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Das sehen wir hier heute, und das hören wir auch manchmal im Fernsehen, an Beiträgen und so weiter. Und das ist richtig, denn es geht hier um Aushandlungsprozesse. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Aushandlungsprozesse?!) Ja, um Aushandlungsprozesse, die wir in der Gesellschaft ganz einfach vollziehen und die hier auch erforderlich sind. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Sie wollen doch gar nicht aushandeln, Sie wollen vorschreiben.) Ach, jetzt kommen Sie noch mit diesen Unsachlichkeiten, also nun ist es aber gut! Die Ministerin ist sehr ausführlich auf den Zusammenhang zwischen Sprache und Wandel beziehungsweise Weiterentwicklung in der Gesellschaft eingegangen. Ich möchte aber noch einmal auf einen grundsätzlichen Ansatz des Themas eingehen. Eine diskriminierungsarme Sprache hilft dabei, strukturelle Benachteiligungen abzubauen und eine gesellschaftliche Atmosphäre der gegenseitigen Anerkennung und Akzeptanz zu schaffen (Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD: Das kriegt man auch ohne Gendern hin.) und nicht zu spalten, wie das hier immer wieder fälschlicherweise propagiert wird. (Zuruf von Horst Förster, AfD) Es stärkt die Demokratie in unserem Land, wenn wir Vielfalt und Chancengleichheit zulassen und fördern, (Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD: Das sind schiere Behauptungen, das kann man gar nicht belegen!) statt sie durch die Ablehnung geeigneter sprachlicher Mittel zu behindern. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Was hat denn das mit dem Sternchen zu tun?!) Und genau das beinhaltet nämlich Ihr Antrag, die Ablehnung von Chancengleichheit und Diskriminierungsfreiheit und damit, … (Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD: Das ist eine Unterstellung! Das ist eine Unterstellung!) Ja, das macht der. … und damit die Ablehnung unserer demokratischen Grundwerte, meine Damen und Herren! (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Oha! – Zuruf von Thore Stein, AfD) Ja, und Sie fordern hier allen Ernstes, dass wir in unseren Schulen, Hochschulen und Universitäten per Verordnung verbieten sollen, diskriminierungsarme Sprachformen zu verwenden! (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Wissen Sie, was in der Hochschule los ist?! Da kriegen Leute schlechte Noten, wenn sie nicht gendern.) Also wissen Sie, das schlägt dem Fass den Boden aus! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Und da kommen Sie mit „freiwillig“!) Schulen, Hochschulen und Universitäten sind Orte, an denen neben fachlichem Wissen auch und insbesondere gesellschaftliche Werte vermittelt werden, wo man sich zu demokratischen Leitbildern und Kernaufgaben verständigt. (Beate Schlupp, CDU: Über die Männer haben wir doch noch gar nicht diskutiert.) Und das machen unsere Universitäten und Hochschulen, so die Universität Rostock, die sich einen Leitfaden gegeben hat, so machen das viele andere Hochschulen (Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD: Vorauseilender Gehorsam heißt so was.) und Universitäten in unserem Land auch. (Am Rednerpult leuchtet die rote Lampe.) Jetzt ist meine Zeit schon wieder rum. Ich bin, werde, ich bin hier irre! (Zuruf von Thore Stein, AfD) Gut, leider ist sie um. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Sie kriegen noch Redezeit, da ist eine Kurzintervention.) Aber bitte gestatten Sie mir noch ein allerallerletztes Zitat: „Sprache ist ein scharfes Schwert. Nimmt man es mit ihr genau, kann sie die Sicht auf unsere Wirklichkeit verändern. Verwendet man sie unscharf und manipulativ, vernebelt sie die Wahrnehmung.“ (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das machen Sie! Das machen Sie, genau das!) Vielleicht denken Sie darüber mal nach, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Die Abgeordnete Elke-Annette Schmidt spricht bei abgeschaltetem Mikrofon. – Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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