Enrico Schult
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegen – und natürlich sind auch die Damen des Hauses damit angesprochen! Werte Bürger auch am Bildschirm! Heute geht es um unseren AfD-Antrag, das Sprechen und Schreiben im offiziellen Bereich freizuhalten von ideologischen Kampagnen, weil damit insbesondere die Neutralität des Staates, seine Überparteilichkeit deutlich zum Ausdruck kommt. Konkret geht es um die Gendersprache, denn ideologisch begründete, aber grammatikalisch falsche Wortkreationen, wie das Gendersternchen, das Binnen-I, der Doppelpunkt und der Unterstrich mitten im Wort, setzen sich auch in der öffentlichen Korrespondenz der Landesbehörden leider immer mehr durch, obwohl der Rat der deutschen Rechtschreibung als einzig maßgebende Instanz diese abenteuerlichen Wortkreationen gerade nicht empfiehlt. Das wollen wir mit unserem Antrag hier heute noch einmal klarstellen. Eigentlich wollten wir diesen Antrag schon in der letzten Plenardebatte bringen, aber der Genderexperte unserer Fraktion, Herr Förster, und ich – (Heiterkeit vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Zuruf von Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) der hat ja einige Expertisen schon auf diesem Gebiet, das haben Sie ja schon kennengelernt – waren uns in einigen Punkten noch nicht einig. Insofern haben wir diesen Antrag noch mal geschoben, freuen uns aber, dass sich in der Zwischenzeit auch in anderen Landesparlamenten des Themas angenommen wurde, denn auch dort treiben Sprachakrobaten ihr Unwesen und wollen unserer über Jahrhunderte gewachsenen Sprache aus falschen Gerechtigkeitserwägungen den Garaus machen. Ich meine natürlich Thüringen, … (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Torsten Renz, CDU) Herr Renz, Sie sind auch gleich dran. … wo ein CDU-Antrag mit Zustimmung der AfD dafür gesorgt hat, dass künftig allein die Vorgaben des Rates der deutschen Rechtschreibung gelten (Torsten Renz, CDU: Richtig, jawoll!) in der öffentlichen Kommunikation der Behörden, und das ist richtig so. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, denn Behörden haben nun mal in der amtlichen Sprache zu kommunizieren. Aber diese Selbstverständlichkeiten sind bei Ihnen ja offensichtlich nicht mehr normal. (Zuruf von Thomas Krüger, SPD) Ob die CDU-Fraktion nun auch den Schneid ihrer Parteikollegen aus Thüringen hat, darf aber getrost bezweifelt werden, denn die CDU-Fraktion hier im Haus stellt selber Anträge, in denen es nur so von Gendersternchen wimmelt. Ja, Herr Renz, Sie gucken ganz ungläubig. Aber ich zitiere aus einem gemeinsamen Antrag von GRÜNEN, FDP und CDU (Torsten Renz, CDU: Es gab einen CDU-Antrag, also stopp, stopp!) vom 26.10., GRÜNEN, FDP und CDU. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Da ist von Spätaussiedler/-innen die Rede, von Zuwander/-innen, Ministerpräsident/- (Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: -innen!) Innen, … (allgemeine Heiterkeit und Unruhe) Entschuldigung, ich bin da nicht so geübt jetzt. … Arbeits- und Sozialminister/-innen, (Zuruf von Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) unterschrieben von Herrn Dr. Harald Terpe, Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN, Herrn Domke, (Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ja, das geb ich zu, da haben Sie recht.) Fraktionsvorsitzender der FDP, und natürlich Franz-Robert Liskow, Fraktionsvorsitzender der CDU. (allgemeine Unruhe – Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das ist ein Unding!) Also von der CDU hier im Landtag ist da offensichtlich nicht viel Gegenwind zu erwarten, anders als Ihre Kollegen in Thüringen. Aber Sie können mich ja eines Besseren belehren, die Abstimmung folgt ja noch. Glücklicherweise wurde der damalige Antrag zwischenzeitlich durch die Verwaltung sprachlich angepasst. Damit ist der Punkt 3 unseres Antrages, dass künftig alle parlamentarischen Dokumentationen frei sein müssen von der falschen Gendersprache, bereits erfüllt. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Vielen Dank noch mal an die Verwaltung, dass Sie da diesen Unsinn beendet haben und den Antrag sprachlich angepasst haben! (Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD: Das ist richtig.) Dass das Thema aber hoch umstritten ist und dass die Landesregierung offenbar wild entschlossen ist, unsere Sprache, unser nationales Kulturgut sehenden Auges zu verunstalten, machte die gestrige Debatte deutlich, als die Landesregierung aus dem Übersetzer- und Gebärdensprachendolmetschergesetz ein Übersetzenden- und Gebärdensprachendolmetschendengesetz machen wollte. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Haben sie, haben sie ja! Haben sie!) Dabei hat sie sich auch von rationalen Argumenten nicht abbringen lassen. Denn es ist doch ganz klar, ein Übersetzer ist ein Beruf und für den gilt dieses Gesetz. Ein Übersetzender ist jedoch kein Beruf. Das kann jeder von uns sein, der beispielsweise einem Touristen erklärt oder übersetzt, (Julian Barlen, SPD: Ach, ist das langweilig!) wo er da und da hinkommt. Er übersetzt also gerade in dem Moment. (Julian Barlen, SPD: Das ist langweilig.) Er ist in dem Fall ein Übersetzender, aber er ist immer noch kein Übersetzer, (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) denn das ist ein Beruf, liebe Kollegen, aber das scheinen Sie ja völlig in den Wind zu schlagen, diese rationalen Argumente. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Wie verrückt dieser Versuch ist, künftig Partizipien zu verwenden, zeigte sich allein schon an der Rede der Justizministerin gestern, die von Gerichtsvollziehenden sprach, aber einräumen musste, dass es für sie auch nicht immer leicht ist, eine geschlechtsneutrale Formulierung zu finden, und das als ausgebildete Juristin, sehr geehrte Damen und Herren! (Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Christine Klingohr, SPD: Was hat denn das damit zu tun?!) Auch Professor Northoff, immerhin seit 1981 Richter und viele Jahre Professor an der Hochschule Neubrandenburg, musste einräumen, dass es gewöhnungsbedürftig sei, die Menschen immer genderkonform anzusprechen. Also, liebe Kollegen, Sie sprachen ja, warum das denn. Zwei gestandene Juristen und auch wir alle hier, die ja als Politiker als Schwätzer und Wortakrobaten gelten, haben Mühe, und das muss ich bei Ihren Reden auch immer merken, haben Mühe, diese Kunstsprache der geschlechterneutralen Formulierungen zu finden. Und dann, liebe Kollegen, sollen es die Bürger da draußen hinbekommen?! (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Die Berufspolitiker schaffen es schon nicht, und die Bürger da draußen sollen es hinbekommen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Das ist der blanke Irrsinn und sorgt in den Schulen, Behörden und Unternehmen des Landes allenfalls für eine weitere geistige Regression. Das muss man mal so festhalten. (Torsten Renz, CDU: Aha! – Zuruf von Julian Barlen, SPD) Sie müssen sich das einmal überlegen: Die Lesekompetenz unserer Schüler nimmt immer mehr ab. Nach Ihrem Wunsch sollen diese aber langfristig auch die komplizierten Genderformulierungen erlernen. (Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Natürlich, Herr Dr. Terpe! Wir haben in M-V mehr Jugendliche, die den Schulabschluss nicht schaffen. (Zuruf von Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sie indes haben nichts Besseres zu tun, als diesen noch diese Gendersprache schmackhaft zu machen, (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) als ihnen dabei zu helfen, einfach den Schulabschluss zu bekommen. (Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE: Wo sind denn die Zusammenhänge? Die sehe ich nicht.) In Deutschland hat jeder Vierte bereits einen Migrationshintergrund. Wir wollen offiziell zwar die leichte Sprache fördern, Ministerin Drese führte da auch gerade dazu aus, damit sich niemand ausgegrenzt fühlt, aber wir denken uns immer neue Sprachleitfäden aus, die die Grundlage unseres Zusammenlebens, unsere Sprache weiter verkomplizieren. Sie wollen die Sprach-Kitas erhalten, weil, wie Frau Oldenburg sagt, (Thomas Krüger, SPD: Ach, jetzt müssen die auch noch dafür herhalten!) die Sprache ist der Schlüssel zum Leben, Herr Krüger. (Thomas Krüger, SPD: Jaja, jaja!) Da hat Frau Oldenburg natürlich recht. Aber Sie kommen den Eltern und Erziehern immer mit irgendwelchen Vorgaben, (Thomas Krüger, SPD: Ja, Sie sprechen mit Ideologie, ich hör es gerade.) die sie dann in der Kita umsetzen müssen. (Thomas Krüger, SPD: Ja. – Jeannine Rösler, DIE LINKE: Das ist der Schlüssel zur Welt. – Zuruf von Thomas Krüger, SPD) Das ist doch widersinnig, Herr Krüger! (Thomas Krüger, SPD: Jaja!) Das ist doch widersinnig! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Thomas Krüger, SPD) Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass die zukünftigen Generationen eigentlich zwei Sprachen lernen müssen, um Texte zu verstehen, (Zuruf von Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE) Ihre Gendersprache, die Sie immer wieder umbauen und ja selbst noch nicht richtig beherrschen, (Heiterkeit bei Thore Stein, AfD) und die Sprache, die vor 20 Jahren gesprochen wurde, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Die Muttersprache.) als Deutschland irgendwie noch normal war. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Thomas Krüger, SPD: Ein bisschen mehr Normalität würde Ihnen guttun.) Ich wäre schon froh, (Torsten Koplin, DIE LINKE: Wer definiert denn „normal“?! Definieren Sie „normal“!) wenn unsere Kinder eine Sprache einigermaßen beherrschen würden, (Zuruf von Thomas Krüger, SPD) und Sie kommen immer noch mit diesem Genderkram. Ich sage Ihnen, der Wortschatz der Kinder hat sich in den letzten Jahren deutlich verringert. (Julian Barlen, SPD: Für Sie sind ja noch andere Sachen normal, Stichwort „Fliegenschiss“!) Von 1.300 Wörtern haben die jetzt einen Grundwortschatz von lediglich 900 Wörtern. (Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Zuruf von Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und Sie kommen immer noch mit solchen Wortkreationen dazu. (allgemeine Unruhe – Zuruf von Thomas Krüger, SPD) Ich habe gestern in der Debatte genau hingehört, und es wäre amüsant, wenn man Ihr Sprachdiktat genau umsetzen würde. (Heiterkeit bei Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Thomas Krüger, SPD: Wenn das die Probleme dieses Landes sind!) Ich glaube, der Innenminister sprach davon, Abnehmer für die neuen Feuerwehrautos zu haben. Wenn man das jetzt aber irgendwie weiterspinnen würde, würden aus den Abnehmern ja irgendwie Abnehmende werden. (allgemeine Heiterkeit und Unruhe – Michael Noetzel, DIE LINKE: Richtig! – Jeannine Rösler, DIE LINKE: Sie lernen dazu. – Julian Barlen, SPD: Sie sind ja ein richtiger Blitzmerker!) Und ich weiß jetzt nicht, sind das jetzt Abnehmende, die Feuerwehrautos abnehmen, oder sind das Kameraden, die gerade abspecken? (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD – Beifall Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Sie sehen doch, wie verrückt Ihre, Ihre Diskussion ist, Ihre Argumentation. Klare, prägnante, im Sprachgebrauch etablierte Begriffe führen Sie völlig ad absurdum! Und, wenn meine Kinder morgens mit dem Schulbus fahren, wegen der überzogenen Regelungen in Mecklenburg-Vorpommern müssen sie ja leider noch eine Maske tragen, (Zuruf von Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE) und dann zeigen sie dem Busfahrenden, dem Busfahrenden zeigen sie dann ihren Busausweis. (Unruhe bei Thomas de Jesus Fernandes, AfD – Zuruf von Nadine Julitz, SPD) Aber da frage ich mich, die Busfahrenden sind sie ja selbst, die sitzen ja hinten auch. Sie sitzen selbst auf den Plätzen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Michael Noetzel, DIE LINKE) Sind sie, sind das jetzt Busmitfahrende? (Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE: Die Mitfahrenden, Herr Schult.) Sie haben ja reichlich Gender-, reichlich Genderexperten hier in Ihrer Fraktion. (Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Zuruf von Torsten Koplin, DIE LINKE) Bitte können Sie das noch aufklären? Ich bin da völlig überfragt. Sie sehen, auf welches sprachliche Minenfeld Sie sich hier begeben. (Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Wir müssen den Antrag behandeln.) Ich persönlich habe nichts dagegen, wenn man in einigen Fällen die Paarbezeichnung verwendet. Das hat sich in einigen Bereichen durchaus durchgesetzt. Und tatsächlich glaube ich, dass sich das generische Maskulinum verbreitet, weil damals eben viele Tätigkeiten von Männern gemacht wurden. Das ist wahrscheinlich so. (Zurufe vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE: Aha!) In dem Sinne habe ich auch nichts dagegen, wenn man Frauen gesondert ansprechen möchte, um es noch mal ganz deutlich zu sagen, aber es muss sinnvoll sein. Es bringt doch nichts, liebe Kollegen, von Niedersachsen und Niedersächsinnen zu sprechen. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE) Oder beispielsweise die Rechtsanwaltskammer und den Apothekerverband umzubenennen aus vermeintlich progressiver Überzeugung heraus. (Thomas Krüger, SPD: Und das sind Ihre Probleme hier, ja?! – Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Eine sprachliche Säuberungswelle dieses Ausmaßes hat bisher nur die DDR hinbekommen. Das sind Ansätze totalitärer Staaten, liebe Kollegen! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Horst Förster, AfD: Eindeutig!) Das haben wir nicht nötig hier, (Zuruf von Horst Förster, AfD) die Sprache entwickelt sich ohne politische Einflussnahme. (Unruhe vonseiten der Fraktion DIE LINKE – Jeannine Rösler, DIE LINKE: Die Sprache entwickelt sich, richtig.) Und Ihre Gendersternchen und Co werden sich ohnehin nicht durchsetzen, weil zwei Drittel der Deutschen das ablehnen. (Zuruf von Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE) Und das ist gut so! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Aber wenn Sie wirklich geschlechtsneutral sprechen wollen, dann können Sie gerne das generische Maskulinum verwenden, denn damit sind alle angesprochen, (Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Nein, nicht direkt, nein!) auch jene beispielsweise, die sich dem dritten Geschlecht zugehörig fühlen, Frau Shepley. (Julian Barlen, SPD: Das Beispiel mit dem Bus, das Sie gebracht haben, ist komplett falsch. Das zeigt, dass Sie gar nicht verstanden haben, worum es geht!) Denn das generische Maskulinum meint immer das grammatikalische Geschlecht und nicht das biologische. (allgemeine Unruhe – Julian Barlen, SPD: Sie sollten das Ihren Kindern mal erklären vielleicht!) Es geht uns nicht darum, Menschen auszugrenzen. Diesen Floh haben Sie …
