Hannes Damm
Ja, sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Abgeordnete der demokratischen Fraktionen, (Thore Stein, AfD: Hallo!) es gibt momentan kaum ein spannenderes Thema in der Landesarchäologie – und offensichtlich auch im Landtag – als den Fundplatz am Tollensetal. Ich selbst habe die bisherigen Entwicklungen dort fasziniert verfolgt und nicht zuletzt auch, weil der Klimawandel auch in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielt. Das haben Sie ja schon mehrfach gesagt. Ich frage mich aber auch, welche Schlüsse Sie nun für Ihre Klima- und Moorpolitik daraus eigentlich ziehen. (Enrico Schult, AfD: Ich kann Sie nicht verstehen. Können Sie mal die Maske abnehmen?) Das häufig auftretende … Wenn Sie nicht dazwischenreden, könnte man es wahrscheinlich verstehen. (Enrico Schult, AfD: Nein, Sie nuscheln so.) Das häufig auftretende Trockenverhalten des Moorkörpers im Tollensetal gefährdet die dort bisher im Moor konservierten Artefakte. (Zuruf von Horst Förster, AfD) Im vergangenen Jahr trafen sich Fachleute aus aller Welt beim ersten weltweiten archäologischen Gipfeltreffen zum Thema Klimapolitik an der Universität Kiel. Die Fachleute waren sich einig, der menschengemachte Klimawandel stellt eine große Gefahr für das kulturelle Erbe weltweit, so auch in Mecklenburg-Vorpommern, dar. (Thore Stein, AfD: Das war die Melioration.) Wenn ich mir nun konkret die Erschließung der Fundstelle im Tollensetal anschaue, ziehe ich zunächst mal den Hut vor dem Ehrenamt aller Beteiligten. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Mit großem Anteil ehrenamtlich Aktiver wird der Ort untersucht, wird das damalige Geschehen erforscht und aufgearbeitet. Und weil für uns das Ehrenamt sehr wichtig ist, möchte ich mich im Namen meiner Fraktion besonders bei allen ehrenamtlich tätigen Bodendenkmalpfleger/-innen bedanken, die hier mit Leidenschaft an der Sache arbeiten. (Beifall vonseiten der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und Katy Hoffmeister, CDU) Ohne dieses ehrenamtliche Engagement sind unsere derartigen Fundstätten allgemein kaum erschließbar. Deshalb an dieser Stelle von uns ein Appell an die Regierungskoalition: Das Ehrenamt in der Bodendenkmalpflege, in der Heimatpflege, in der Denkmalpflege allgemein muss vonseiten des Landes nach Kräften unterstützt werden. Vor dem Hintergrund … (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Haben wir letzte Legislatur auch schon.) Sie verstehen es ja doch! Vor dem Hintergrund der enormen Bedeutung der Funde aus dem Tollensetal ist eine Stärkung der Landesarchäologie im Kern zu begrüßen. Doch auch der Antrag macht aus unserer Sicht den zweiten vor dem ersten Schritt. Richtig wäre es, Ihre Ziffer 5 im Forderungsteil II, also „die Anstrengungen zur Auswertung der Ausgrabungen und zur Sicherung der Fundstellen“ zunächst abzuschließen und nicht, wie von der CDU – das tut mir dann auch leid, verstehe ich nicht – in ihrem Änderungsantrag gefordert, komplett zu streichen, so recht Sie, Frau Hoffmeister, mit Ihren kritischen Fragen zu den offensichtlichen Doppelförderungen auch haben, denn die Situation zur Sicherung dieser einmaligen Funde ist prekär. Wir haben im Land nur ein kleines Team in der Restaurierungswerkstatt des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege. Dieses Team hat aktuell gar nicht die Kapazitäten, die Funde des Tollensetals aufzuarbeiten, und dort auch insgesamt gibt es nicht die Kapazitäten für dieses Konzept, was erstellt werden soll. Erst mal müssten Sie hier personell stärken. Die Ministerin hat es blumig irgendwie umschrieben. Konkrete Pläne, wie es zu einer Stärkung kommen soll, sehe ich nicht, gleichzeitig dieser Antrag, dieser Beschluss. Wie soll es also funktionieren? Das müssten Sie dann auch irgendwo im Haushalt reinbringen. Und im LAKD liegt ja zurzeit auch noch ein anderes Riesenthema, das ist das Archäologische Landesmuseum in Rostock, für das so viele Jahre gekämpft worden ist und das der Hauptort wahrscheinlich auch für diese Präsentation der Schlacht im Tollensetal ja auch sein soll. Und das muss aus unserer Sicht erst mal geschafft werden. Eine daran anschließende touristische Erschließung des Tollensetals ist dann durchaus ein folgerichtiger Schritt, (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) durch wen, ist aus meiner Sicht erst mal auch nebensächlich. Allgemein hat die Situation zum Beispiel um die Himmelsscheibe von Nebra gezeigt, dass die dortige Arche Nebra – ich komme da aus der Nähe auch ursprünglich – als Ort der Bildung und Information einen wichtigen Impuls geben konnte, für den ländlichen Raum zum Beispiel. Und die Errichtung eines Außenstandortes unseres Archäologischen Landesmuseums dann im Tollensetal wäre deshalb aus der Sicht meiner Fraktion nach dem Bau des Landesmuseums dann auch der richtige Weg. Andernfalls befürchten wir, dass das Land bei den bestehenden geringen Kapazitäten in der Landesarchäologie diese Aufgabenfülle gar nicht gleichzeitig bewältigen kann. Und was die Finanzierung der von Ihnen angestrebten touristischen Erschließung des Tollensetals angeht, da haben wir dieselben Fragen, die die CDU-Fraktion geäußert hat, die Sie hoffentlich noch mal irgendwie auch beantworten werden. Das wäre schön, wenn hier noch mal jemand das Wort entsprechend ergreifen würde, denn, ganz ehrlich, wenn ich so was in der Landtagsdebatte dann erfahre, der eine sagt das, der andere sagt das, dann machen Sie es uns verdammt schwer, uns als Parlament zu verhalten. Meine Recherchen haben das Gleiche ergeben wie die der CDU-Fraktion. Deswegen sind wir hier nicht bei der Zustimmung, so wichtig wir auch diese Sicherung der Fundstelle – übrigens, wie gesagt, vor der touristischen Erschließung ganz ausdrücklich – finden, wenn es hier diese offenen Fragen gibt. Wenn Sie uns mitnehmen wollen, erklären Sie es bitte! Wir wollen wissen, ob das dann die Studie ist, die wir jetzt mit Landtagsbeschluss verifizieren sollen, ob Sie noch mal 1 Million in die Hand nehmen wollen, woher die Mittel dann auch eigentlich kommen sollen. Da bin ich gespannt, was Ihre Antworten sind. Und in diesem Sinne, ja, blicke ich auf die Abstimmung. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
