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Bettina Martin

07.12.2022 Sitzungen 8/39

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Landtagsabgeordnete! Wir haben es gehört, das Tollensetal birgt einen archäologischen Schatz von absolutem Weltrang. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das wissen wir schon. – Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) Ich weiß. Ich sage es Ihnen trotzdem noch mal! Es gilt als eine der 50 weltweit wichtigsten archäologischen Fundstellen und es ist auch eine der spektakulärsten archäologischen Fundstellen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Im Jahr 1996 stießen hier ehrenamtliche Helferinnen und Helfer des LAKD, des Landesamts für Kultur und Denkmalpflege, an den moorigen Ufern der Tollense auf eine Reihe von Knochen. Zunächst wies vieles darauf hin, dass es sich hier um eine Art Friedhof aus der Bronzezeit gehandelt hat. Doch Untersuchungen haben schnell ergeben, dass hier ein großer Gewaltkonflikt stattgefunden haben muss. Seitdem wird viel darüber diskutiert und auch gestritten darüber, was hier vor mehr als 3.000 Jahren wirklich vorgefallen ist. Was ist hier geschehen, das mindestens 140 Menschen das Leben gekostet hat? Doch egal, ob es nun eine blutige Schlacht zwischen Kriegern war oder ein gewalttätiger Überfall auf Menschen im Alltag der Bronzezeit, die archäologischen Fundstellen im Tollensetal sind von allergrößter Bedeutung für Archäologie und Wissenschaft, aber auch für unser Land, denn das, was dort bisher an Funden zutage gefördert und auch der Öffentlichkeit gezeigt wurde, erzeugt weit über unsere Landesgrenzen hinaus große Aufmerksamkeit. Wir haben es gerade gehört, die „New York Times“ hat berichtet. Als bewunderte Leihgaben waren Funde aus dem Tollensetal bereits in Museen auch außerhalb von Mecklenburg-Vorpommern zu sehen, wie zum Beispiel im Frühjahr im British Museum in London. Und dort wurden die Funddinge in der Ausstellung „The world of Stonehenge“ gezeigt, und es gab ein enormes internationales Presseecho. Und deshalb ist es richtig, dass wir uns fragen, wie wir in M-V mit diesem Schatz aus dem Tollensetal zukünftig bestmöglich umgehen wollen. Und deshalb möchte ich mich auch ganz herzlich und ausdrücklich bedanken für diesen Antrag, der meinem Ministerium, aber vor allem dem zuständigen Landesamt für Kultur und Denkmalpflege einen klaren Auftrag erteilt, (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) diesen Schatz weiter zu heben, ihn zu erforschen und Wege aufzuzeigen, wie er der Öffentlichkeit besser und spektakulärer vielleicht auch präsentiert werden soll. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Das tun wir gern. Und da bin ich mir auch mit dem Tourismusminister Reinhard Meyer sehr einig, dass wir die Chance zukünftig nutzen sollten, das Tollensetal mit seinem Schatz touristisch besser zu erschließen. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Und ich erinnere mich selbst daran, vor, ich glaube, anderthalb Jahren/zwei Jahren habe ich Urlaub gemacht dort in der Region und bin mit meinem Kanu durch die Tollense gepaddelt, mit meinem Mann gemeinsam, und wir haben das gemacht, weil wir so gespannt darauf waren, mal sehen, was man sieht. Und es ist wirklich so, wenn man die Tollense herunterpaddelt, man sieht nichts. Und in der Tat kann man darüber nachdenken, was man da besser tun kann, um das zu erschließen. (Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Doch es wird Sie auch nicht verwundern, dass eine Kultur- und auch eine Wissenschaftsministerin sagt, den Überlegungen für Ausstellungsorte und touristische Erschließung muss der Schutz dieses Schatzes vorangestellt werden. Das Tollensetal gehört zu den wichtigsten, zugleich aber auch zu den sensibelsten und gefährdetsten archäologischen Fundstellen Mecklenburg-Vorpommerns. Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt, ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger, Flächeneigentümer und Bewirtschafter sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten deswegen seit vielen Jahren zusammen, um beim Schutz voranzukommen. Und auch von mir an dieser Stelle herzlichen Dank dafür! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) In diesem Sommer waren Forscherinnen und Forscher der Universitäten Rostock, Leiden und Göttingen unter Leitung der Landesarchäologie im Tollensetal und hatten das Ziel, mit einer sogenannten „Fieldschool“ eine breitere Datenbasis für Schutz und Erhaltung der Fundstellen zu schaffen. Und diese Erkenntnisse sollen in ein längerfristiges Schutzkonzept münden, das dann wohl auch Teil des von den Antragstellerinnen und Antragstellern geforderten Gesamtkonzepts sein kann. Potenzielle Auswirkungen des Klimawandels sollen dabei auch berücksichtigt werden. Das Moor muss nass bleiben, um noch nicht Gehobenes zu erhalten, bei Trockenheit zerfällt es. Zusätzliche Gefährdungen müssen unbedingt vermieden werden. Wir stehen also vor drei Aufgaben, und zwar in dieser Reihenfolge: die Sicherung der Fundstellen, Erschließung und Erhalt der Funde und die Präsentation der Funde und damit verbundenen Geschichte. All diese Punkte nehmen Sie dankenswerterweise in Ihrem Antrag auf. Sehr geehrte Damen und Herren, Erforschung und Erschließung müssen – und ich bin mir sicher, dass diese Meinung auch alle hier teilen –, Erforschung und Erschließung müssen verantwortlich, sensibel und von denkmalpflegerischen Notwendigkeiten geleitet sein. Es ist deshalb sehr gut und auch richtig, dass der Antrag dem LAKD den Auftrag erteilt, eine Konzeption zu erarbeiten, wie die touristische Erschließung der Fundstellen im Tollensetal erfolgen kann bei gleichzeitigem Schutz und Erhalt der Fundstellen. Das ist nur folgerichtig, denn damit ist sichergestellt, dass die eben genannten Faktoren …

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