landtag-mv.de ↗

Thore Stein

AfD 11.11.2022 Sitzungen 8/37

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Der letzte Tagesordnungspunkt für heute, für diese Plenarwoche. Erlauben Sie mir noch mal einen kleinen fachlichen Vortrag zum Thema „Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen“, bevor wir zum ja doch relativ eindeutigen Antrag kommen, einige Hintergründe für die nicht so landwirtschaftlich Bewanderten. Zu Hintergründen der Beregnung in der Landwirtschaft: Ausreichende Wasserversorgung – das kennt jeder aus seinem Garten, sei er groß, sei er klein – ist die Grundvoraussetzung für pflanzliches Wachstum, somit für gute Erträge und natürlich auch für gute Qualitäten, somit also insgesamt für eine gute Ertragssicherheit und somit Ernährungssicherheit der Bevölkerung. Wasser ist neben der Grundlage für die Fotosynthese – der eine oder andere erinnert sich aus dem Biologieunterricht vielleicht – auch ganz entscheidend für die Wirkung von Düngern, und das ist insbesondere vor dem Hintergrund der sich immer weiter verschärfenden Düngeverordnungen umso wichtiger denn je. Kulturen, landwirtschaftliche Kulturen haben dabei ganz unterschiedliche Bedarfe an Wasser. Wir sehen Getreide, das eher einen geringen Bedarf an Wasser hat. Das liegt sicherlich auch darin begründet, dass Getreide in seiner Urform aus eher trockenen Steppengegenden kommt, während wir andere Feldfrüchte wie eben die Hackfrüchte – Kartoffel und Zuckerrübe zum Beispiel – haben, die genetisch aus Regionen stammen, in denen immer sehr viel Wasser vorhanden war. Die Kartoffel aus den Anden – tropisches Klima, die Pflanze ist also daran gewöhnt, Wasser zur Verfügung zu haben, und hat sich im Laufe der langen Selektion über Jahrmillionen quasi daran angepasst. Und das können selbst wir heute nicht ganz verändern, denn Genetik lässt sich nun mal nicht leugnen. Wir haben also ganz klassische Beregnungskulturen, das ist die Kartoffel, das ist das Gemüse. Jeder, der schon mal im südwestlichen Deutschland – da Rhein-Main-Gebiet – unterwegs ist, der sieht – da Mannheim, die Ecke, riesige Gemüseanbaugegend –, da wird eigentlich jeder Quadratmeter bewässert, denn anders geht es gar nicht. Und um einmal die Dimension der notwendigen Bewässerung vor Augen zu führen, wenn wir über Bewässerung reden, dann reden wir über 80 bis 130 Millimeter je Quadratmeter. Wer sich mal Regenmengen anguckt, hier in Mecklenburg-Vorpommern, so 600/650 Millimeter im Jahresverlauf, der weiß also, welche Mengen da zusammenkommen. Auf einen Hektar – ein Hektar, 10.000 Quadratmeter – reden wir immerhin über 800 bis 1.300 Kubikmeter je Hektar, damit wir einfach mal ein paar Größenordnungen haben, wenn wir auch gleich über das Geld sprechen. Kommen wir also einmal zum betriebswirtschaftlichen Teil der Vorlesung heute Abend, denn Beregnung ist landwirtschaftlich stets auch eine unternehmerische Frage. Ich muss als Unternehmer, als Landwirt immer abwägen, ob die Kosten, die ich letztlich verursache durch die Beregnung, am Ende auch durch einen Mehrertrag und somit einen Mehrerlös wieder ins Betriebsergebnis hineinkommen. Wir haben zuerst natürlich die Anschaffung der Technik, wir haben die Schaffung der Grundvoraussetzungen für die Bewässerung. Das ist hier meistens das Bohren von Brunnen. In Gegenden, in denen ich ein stehendes Gewässer oder ein Fließgewässer zur Verfügung habe, kann ich natürlich auch deutlich kostengünstiger aus dem Oberflächenwasser entnehmen. Somit fallen also je Hektar circa Anschaffungskosten in Höhe von 2.000 bis 3.000 Euro an. Und dann kommen die ganz entscheidenden Kosten, das sind die variablen Kosten. Und die sind geprägt einmal durch die Energiekosten, die ich aufwenden muss, um mein Wasser auf die Fläche zu bringen, also für die Pumpen, und natürlich die Arbeitszeit, denn Bewässerung ist stets mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden. Die Bewässerungsanlagen müssen ständig umgestellt werden, müssen kontrolliert werden, müssen gewartet werden. Und da reden wir eben über Kosten in Höhe von 20 bis 30 Cent je Kubikmeter Wasser, die ich also beregne, macht also bei den eben genannten 1.000 Kubikmetern Kosten in Höhe von 200 bis 300 Euro je Hektar – um das einfach mal in eine Relation zu setzen, damit hier erst gar nicht der Verdacht aufkommt, Landwirte würden mit Wasser verschwenderisch umgehen und bewässern, koste es, was es wolle, denn es kostet eben sehr viel Geld. Und am Ende sind 200/300 Euro, die im Betriebsergebnis je Hektar dann fehlen, viel Geld. Und dementsprechend ist jeder also immer stets darum bemüht, genau abzuwägen, wie viel Wasser brauche ich eigentlich und rentiert sich das für mich. Dann kommt natürlich hinzu – und das ist das Entscheidende –, ist denn mein Boden überhaupt beregnungsbedürftig. Denn letztlich ist es so, das Wasser kommt zwar aus dem Himmel, aber es wird vom Boden festgehalten und steht dann den Pflanzen nach und nach zur Verfügung. Also wir haben die Wasserhaltefähigkeit des Bodens als entscheidende Kenngröße. Und das wird auch jeder kennen, also ein Sandboden hält deutlich weniger Wasser als ein lehm- oder tonreicher Boden. Der Fachbegriff ist jetzt die nutzbare Feldkapazität, aber da müssen wir jetzt nicht drauf eingehen. Das heißt also, die Beregnung ist meistens dort sehr effizient und somit auch wirtschaftlich interessant, wo ich eher schlechtere Standorte hinsichtlich der Bodengüte habe, also die sandigen Böden. Das sehen wir auch bei uns: Bewässert wird nicht gerade an der Ostseeküste oder auf Rügen, sondern bewässert wird im Großraum Hagenow, wo die Kartoffel angebaut wird auf den leichten Standorten. Da rentiert sich das Ganze auch. Wir fassen also so weit zusammen: Beregnung ist schlicht eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Das gesellschaftliche Interesse im Hinblick auf die Ernährungssicherheit bedingt letztlich also auch stets den Anspruch an den Landwirt, ausreichend Lebensmittel in ausreichender Qualität und Menge zu erzeugen, und somit ist also auch die Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen ein gesamtgesellschaftliches Interesse, denn darin liegt letztlich die Ernährungssicherheit der Bevölkerung begründet. Und was noch hinzukommt, was gerne so ein bisschen ausgeblendet wird, in dem Moment, wo ich auf der einzelnen Fläche durch eben Bewässerung, durch den Einsatz hocheffizienter Technik meine Erträge steigern kann, erlaube ich mir, auf Grenzstandorten die Produktion einzustellen und diese Standorte letztlich auch wieder einer natürlichen Nutzung zurückzuführen. Das kennt man zum Beispiel aus Weinanbauregionen, wo früher, vor 100/200 Jahren, auch durchaus Nordhänge bepflanzt waren, weil man eben mit geringen Erträgen jeden Quadratmeter ausnutzen musste. Heute – dank Züchtung, synthetischem Dünger und hocheffizientem Pflanzenschutz – können wir es uns erlauben, weniger ertragreiche Standorte ganz aus der Produktion zu nehmen und eben auch in eine natürliche Nutzung, oder Nichtnutzung eher, zurückzuführen. Das heißt, somit ist auch die Förderung von Beregnungsanlagen, wie wir es hier in den letzten Jahren in Mecklenburg-Vorpommern auch hatten, durchaus nachvollziehbar und sinnvoll, denn Beregnung ist also, wie ich eben gesagt habe, ein gesamtgesellschaftliches Interesse, da es letztlich um die Sicherstellung der Ernährung geht. Und somit ist im zweiten Ansatz die Gebühr – also erst fördere ich die Beregnungsanlagen, um dann im zweiten Schritt eine Gebühr für die Verwendung der Beregnungsanlagen zu verlangen –, das ist irgendwie ziemlich schizophren, um es mal auf den Punkt zu bringen. Und ich glaube, das konnte ich jetzt zumindest mit diesen ackerbaulichen, pflanzenbaulichen Grundlagen jedem hoffentlich verständlich machen und werbe auch deswegen ganz entschieden dafür, dass wir unseren Landwirten gerade in der jetzigen Zeit, wo sie natürlich, so wie viele andere Unternehmer auch, durch enorme Kostenbelastungen in ihrer wirtschaftlichen Existenz hin und wieder oder in einigen Fällen durchaus gefährdet sind, da ist es nicht gerade sehr ratsam, jetzt mit der nächsten Kostenbelastung auf sie zuzukommen. Und wie ich eben aufgeführt habe, wir reden über Bewässerungsmengen von mal eben 1.000 Kubikmetern je Hektar, und wenn wir dann im Raum stehende Gebühren von vielleicht 3/4/5 Cent je Kubikmeter diskutieren, dann reden wir eben über 50 Euro je Hektar. Das klingt erst mal nicht viel, aber 50 Euro können in einem Betriebsergebnis durchaus relevant sein. Denn wenn wir es mal hochskalieren, in einem Betrieb mit 1.000 Hektar, dann sind eben 50 Euro mal schnell 50.000 Euro, und das ist der Lohn, den ein Mitarbeiter im Jahr empfängt. Das heißt, der Landwirt steht am Ende vor der Frage, ob er den Arbeitsplatz vielleicht wegrationalisieren muss oder ob er eben gute Gehälter zahlen kann. Und deswegen darf ich hier also ganz klar und entschieden für unseren Antrag werben. Ich weiß ja, dass die CDU da voll und ganz hintersteht, ich weiß auch, dass die FDP voll und ganz dahintersteht. (Enrico Schult, AfD: Die stimmen jetzt auch zu. – Heiterkeit bei Sandy van Baal, FDP) Sie werden heute nicht zustimmen, das wissen wir auch, das Spiel kennen wir ja. (Enrico Schult, AfD: Da lacht Frau van Baal.) Sie können sich dann vor den Verbänden rechtfertigen, das ist mir auch ziemlich schnuppe. (Enrico Schult, AfD: Herr Diener lacht auch schon.) Nichtsdestotrotz bringen wir unsere Anträge ein (Zuruf von Enrico Schult, AfD) und hoffen natürlich auf Zustimmung. – Danke schön! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Enrico Schult, AfD: Jawoll!)

Alle Reden von Thore Stein Protokoll ↗