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Nadine Julitz

SPD 11.11.2022 Sitzungen 8/37

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Eigentlich müsste ich meine Rede jetzt beiseitelegen und der AfD einen Vortrag aus ganz betroffener Sicht, aus der Sichtweise einer Familienangehörigen halten. Aber wissen Sie, Ihr Weltbild und Ihr Antrag ist es nicht wert, das so persönlich werden zu lassen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) Zu Frau Becker-Hornickel möchte ich sagen, Sie haben das eben in Ihrer Antwort ganz toll getroffen, und das war also, muss ich sagen, Respekt dafür, dass Sie das gar nicht aus der Sicht kennen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und zum Glück kann ich mich meinen Vorrednerinnen uneingeschränkt in ihren Ausführungen anschließen, denn dieses Thema könnte man – und das habe ich eben angedeutet – maßlos ausweiten, um Ihnen unmissverständlich klarzumachen, dass Ihr Antrag Quark ist. Und dafür sind fünf Minuten zu kurz. Ich fange mal mit dem ganz Offensichtlichen an. Es ist quasi exakt die gleiche Diskussion, die wir schon mal zum Schwangerschaftsabbruch hatten, nämlich, dass Sie bewusst von „Bewerben“ sprechen in Ihrem Antrag. Und es ist genau das Gleiche wie beim Schwangerschaftsabbruch auch, was wir Ihnen versucht haben zu erklären, nämlich, dass es schlichtweg falsch ist, dass Betroffene – in beiden Fällen jetzt – zum Arzt gehen und wie im Supermarkt an der Kasse Werbung lesen und sagen, och, ich lasse mal kurz meinen Körper verändern. Diese Entscheidung ist eine lang durchdachte, (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) in ärztlicher Behandlung, mit Eltern, wenn die Kinder noch minderjährig sind. Das entscheidet auch kein Arzt alleine mit den Kindern, sondern da sind immer die Eltern mit im Boot. Das ist einfach schlichtweg Blödsinn, und niemand tut das, weil er irgendwo Werbung gelesen hat. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) Auf dem Regenbogenportal geht es schlichtweg um Informationen. Und wie in Ihrem Beispiel sind die Informationen sehr niedrigschwellig und in leichter Sprache zusammengefasst, damit eben Kinder, die nicht wissen, an wen sie sich wenden können – die nämlich nicht automatisch, wie wir uns das alle wünschen mit eigenen Kindern, zu ihren Eltern gehen, aus ganz verschiedenen Gründen ist dieses Portal genau so verfasst, wie es verfasst ist –, damit Kinder und Jugendliche ganz niedrigschwellig Zugang haben. Und ich finde tatsächlich, dass das ganz gut gelungen ist. Generell finde ich dieses Regenbogenportal ganz gut gelungen. Ich hätte sogar noch Verbesserungsvorschläge. Mir fehlt oben in der Taskleiste der Hinweis, nicht nur zu Fachkräften und zu Beratungsangeboten, sondern ganz speziell an Eltern oder Familienangehörige gerichtet, denn die wissen nämlich ganz häufig auch nicht, an wen sie sich wenden können, und haben ganz berechtigte Fragen, Sorgen, sind vielleicht maßlos traurig, enttäuscht, was da gerade passiert, und deren Bild bricht zusammen, denn auch mich würde es irritieren im ersten Moment, wenn mein Kind zu mir kommt und sagt, ich bin nicht das, was du denkst, das ich bin. Und das ist auch völlig normal, dass das Eltern und Familien verunsichert. Ich finde großartig, dass es die Verlinkung zu dem Portal Queermed gibt. Das hatten Sie vorhin in Ihrer Rede auch erwähnt und haben das natürlich nicht positiv bewertet. Das ist eine der besten Sachen an diesem Regenbogenportal, dass man eine Möglichkeit hat und durch ganz verschiedene Faktoren – man kann Bundesländer eingeben, man kann die Profession der Ärzte suchen – Ärzte findet, die sich mit dem Thema auskennen, die da sensibel drauf reagieren können und die vor allem in Behandlung auch schon andere Patient/-innen haben und da nämlich nicht sich erst Informationen zusammensuchen müssen. Das ist eine der besten Errungenschaften dieser Seite, denn – jetzt werde ich doch einmal kurz, gehe ich in diese persönliche Schiene – Sie wissen gar nicht, wie das ist, wenn man sich in dieser Lage befindet und keine Ahnung hat, woher man Informationen bekommen kann. Und Ärzte zu finden, die auf dem Gebiet schon bewandert sind, ist nun mal eine ganz andere Sache, ob man in Rostock oder in Schwerin wohnt oder irgendwo auf dem Dorf und niemand um einen herum einen ernst nimmt, man gemobbt wird, die Themen hatten wir, in der Schule, wenn man sich auszieht, umzieht und sich vielleicht die Brüste abgeklebt hat und das alle sehen können. Es ist wirklich unbegreiflich. Ein Mensch, egal, ob jung oder älter schon, der feststellt, trans oder inter zu sein, hat es sehr, sehr schwer, an Informationen zu kommen. Und hinzu kommen vielleicht noch Zweifel der Eltern oder Familien, und dann gibt es Beratungsbedarf. Daher freue ich mich, dass es die Möglichkeit dieses Portals gibt, denn die Informationen sind keineswegs unreflektiert, sondern zeigen lediglich Möglichkeiten des Umgangs auf. Meine Kolleginnen hatten auch bereits erklärt, dass Ärztinnen und Ärzte über diese Hormonbehandlungen und die Pubertätsblocker entscheiden und dass sie dabei eine hohe Verantwortung haben. Das streitet niemand ab. Ich habe mich, ich habe mich neben Gesprächen mit Betroffenen – und wie gesagt, darauf bin ich eingegangen – auch mit ... (Am Rednerpult leuchtet die rote Lampe.) Bei mir steht 4 Minuten 17. (Präsidentin Birgit Hesse spricht bei abgeschaltetem Mikrofon. – Schriftführer Michael Noetzel: Ja, ich habe zu spät angemacht, tut mir leid.) Dann mache ich es schnell. Ich habe mich mit einem Arzt aus Rostock, einem behandelnden Arzt, unterhalten und ich würde mir wünschen, ich brauche das gar nicht weiter auszuführen, ich glaube, das ist alles klar geworden, dass ich gar nicht zu berichten brauche, das schaffe ich ja jetzt eh nicht mehr, sondern dass Sie die Gespräche führen, und dann bräuchte hier gar nicht mehr einer was zu erklären. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und Sebastian Ehlers, CDU)

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