Barbara Becker-Hornickel
Das Bestehenbleiben eines Zustands über längere Zeit muss als Voraussetzung erfüllt sein. Und das wird von fachlich ausgebildeten und nach ethischen Grundsätzen handelnden Ärzten festgestellt. Und dann, wenn es sich so zeigt, dann entsprechend werden Pubertätsblocker verschrieben. Die Unterdrückung der Geschlechtsreife, also der pubertären Entwicklung, oder fachlich Pubertätssuppression, und eine darauffolgende Hormontherapie für Jugendliche haben einzig und allein Ärztinnen und Ärzte zu verantworten. Ärztinnen und Ärzte haben sich aber eben auch zu erklären, wieso sie nicht die Folgerisiken für die psychische Gesundheit ärztlich verantwortet haben, wenn das Fortschreiten der biologischen Reifeentwicklung durch eine fachgerechte Behandlung anwendbar gewesen wäre. Die psychische Gesundheit entsteht durch Selbstverwirklichung und Streben nach Autonomie für intergeschlechtliche Menschen. Und das Recht auf Selbstbestimmung, meine Damen und Herren, (Beifall René Domke, FDP) das Recht auf Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP – Eva-Maria Kröger, DIE LINKE: Jawoll!) Die Geschlechtsidentität eines Individuums ist urpersönlicher Natur. Betroffene Kinder oder Jugendliche zeigen mit ihrem Wunsch, im empfundenen Geschlecht zu leben, an, dass sie einen Anspruch darauf haben, dass sie einen Anspruch darauf durch unser Grundgesetz und die UN-Kinderrechtskonvention haben. Ihnen wird das geschützte Recht des Kindes nach Entfaltung seiner Persönlichkeit und auf psychosoziale Teilhabe zuteil. Die Wissenschaft beziehungsweise der Weltärztebund oder der Deutsche Ethikrat sind schon etwas weiter im Paradigmenwechsel. Meine Damen und Herren, im Paradigmenwechsel stecken gleich zwei Herausforderungen: Erstens, ein Paradigma ist eine zu einer bestimmten Zeit vorherrschende Art der Weltanschauung oder eine Lehrmeinung. Ein Paradigma ist nirgends festgeschrieben, sondern ändert sich durch den Zuwachs an Wissen. Daher zweitens, alte Denk-, Vorgehens- und Sichtweisen werden aufgebrochen, neue Wissensbestände prägen neue Einsichten. Um es mal ganz deutlich zu sagen, jedwede politische Intervention, die darauf abzielt, eine sich transident erlebende Person mit ihrem Geburtsgeschlecht auszusöhnen, ist daher unethisch. Wir lehnen Ihren Antrag ab. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)
