Jutta Wegner
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben hier einen spannenden Antrag der FDP-Fraktion vorliegen, der sich für eine stärkere internationale Vernetzung und einen verstärkten Bildungsaustausch, insbesondere im Berufsschulbereich, mit Spanien ausspricht. Dieser Antrag kommt zur richtigen Zeit, und wir begrüßen die Initiative der Freien Demokraten aus mehreren Gründen, auch wenn auch wir uns natürlich ganz Europa wünschen, aber wir müssen ja erst mal irgendwo anfangen. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP – Sandy van Baal, FDP: Genau.) Zum einen ist uns allen als Europäer/-innen daran gelegen, die interkulturelle Verständigung stets aufrechtzuerhalten und zu fördern. Ein für alle zugänglicher Bildungsaustausch kann zweifelsohne dazu beitragen. Verständigung, Weltoffenheit und Zusammenhalt werden von der Europäischen Union seit vielen Jahren gefördert. Eine hohe Bildungsmobilität der jungen Generation ist ein Garant dafür, und mehr als eine Million „Erasmus-Babys“ sind der Beweis des Gelingens. Mehr als jede gemeinsame Marktrichtlinie oder Verbraucherschutzverordnung stützen der Bildungsaustausch und das zeitweilige Leben in einem anderen Land die europäische Gemeinschaft, die Bildungs-, nein, die Wissenschaftsministerin hat es berichtet. Europa im Alltag zu erleben, sich gegenseitig kennen- und wertschätzen zu lernen, all das können junge Menschen so erfahren. Gegen Nationalismus, Europaskepsis und gesellschaftliche Ausgrenzungstendenzen, dabei aber für Frieden und Solidarität ist dieses eines der nachhaltigsten Mittel. (Zuruf von Jan-Phillip Tadsen, AfD) Dass bei Ihnen in der AfD-Fraktion Solidarität mit „einer Hand wäscht die andere“ zu verstehen ist, (Jan-Phillip Tadsen, AfD: Was?!) war für mich eben ein klares Signal von Herrn Schmidt. Nach einer Studie … (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Wir haben Fachkräftemangel, die haben Jugendarbeitslosigkeit. Das passt einfach.) Nach einer Studie des Bildungsministeriums waren bereits 38 Prozent der Studierenden im Ausland, aber nur circa 5 Prozent der Auszubildenden. Insofern haben wir im Berufsschulbereich noch einen massiven Aufholbereich. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ach, sehen Sie!) Nachholbedarf. Jede und jeder sollte unabhängig vom Grad seiner Ausbildung die Chance haben, von internationalen Austauschprogrammen zu profitieren. Der Perspektivwechsel, der damit einhergeht, die Überprüfung anderer Denkmuster und Gewohnheiten, ist eine der wertvollsten Erfahrungen, die junge Menschen machen können. Auch Jugendliche und junge Erwachsene aus Mecklenburg-Vorpommern beteiligen sich rege an diesen Programmen. Dass nun insbesondere der Austausch mit Spanien gefördert werden soll, macht darüber hinaus Sinn. Auf der einen Seite haben wir es hier mit einem Land der höchsten Jugendarbeitslosigkeit von 32,1 Prozent – das zu Ihrer Frage – in Europa zu tun, während wir in Mecklenburg-Vorpommern auf der anderen Seite mit einem gravierenden Fachkräftemangel konfrontiert sind. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Und jetzt die Schlussfolgerung.) Der demografische Wandel ist in unserem Bundesland besonders stark. Der Bevölkerungsrückgang und auch das altersbedingte Ausscheiden der Babyboomer in den nächsten Jahren stellen uns vor echte Probleme. Neben dem Ziel, dass jede Schülerin und jeder Schüler in unserem Bundesland einen Schul- und Berufsabschluss erreichen sollte und wir dringend eine verbesserte qualifizierte Einwanderung brauchen, kann auch gerade der internationale Bildungsaustausch zu mehr Fachkräften in unserem Bundesland führen. Die jungen Menschen lernen hier nicht nur in einem organisierten Rahmen unsere Sprache und Kultur kennen, es bilden sich auch Freundschaften und über Praktika erste Kontakte zu hiesigen Firmen. Das führt im Übrigen auch dazu, dass sie nicht, nachdem sie einmal hierhergekachelt worden sind, gleich wieder fahren, weil sie überhaupt keine Kontakte hier vor Ort haben. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Die kommen ja gar nicht mehr weg, weil kein Bus mehr fährt. – Heiterkeit vonseiten der Fraktion der FDP) Die Diversität und andere Blickwinkel, die von jungen Spanier/-innen nach Mecklenburg-Vorpommern gebracht werden, können ein Riesenvorteil sein, von dem nicht nur unsere Unternehmen, sondern auch wir als Land profitieren können. Insofern sehen wir, dass sowohl die jungen Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern als auch junge Spanier/-innen gleichermaßen Vorteile erlangen können. Aus diesem Grund stimmen wir Bündnisgrünen dem vorliegenden Antrag der FDP zu. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)
