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Bettina Martin

11.11.2022 Sitzungen 8/37

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wir hatten ja gestern eine sehr gute Debatte über die Bedeutung der Europäischen Union und was das auch für unser Bundesland bedeutet. Und das Friedensprojekt Europa lebt natürlich von der Begegnung der Menschen aus den ganz unterschiedlichen Mitgliedsstaaten, und darüber sind wir uns, glaube ich, auch alle einig hier. Und Europa, das Friedensprojekt, lebt auch von der Mobilität und der Interkulturalität der jungen Generation. Und wenn ich heute mit meinen eigenen Söhnen spreche – die sind so in den 20ern –, die können sich beide überhaupt gar nicht mehr vorstellen, dass es mal eine Zeit gab, dass man nicht einfach in Europa ohne Reisepass reisen konnte, (Thore Stein, AfD: Daran kann ich mich auch erinnern, zu Corona-Zeiten.) und die können sich auch schon gar nicht vorstellen, dass man in Europa nicht einfach heute in Dänemark, morgen in Deutschland und nächstes Jahr in Spanien oder Portugal arbeiten kann. Und das ist schon ein ganz besonderer, eine besondere Errungenschaft – Freizügigkeit beim Reisen –, aber auch natürlich die Arbeitnehmer- und Arbeitnehmerinnenfreizügigkeit. Das sind Errungenschaften, die für die junge Generation völlig normal sind, das sind Errungenschaften, die für die junge Generation aber auch ganz besondere Chancen in ihrem eigenen Leben eröffnen. Und ganz viele von ihnen nehmen diese Chancen eben auch wahr, reisen ganz selbstverständlich mit Interrail durch Europa, machen ein Praktikum in einem Unternehmen in Dänemark oder eben auch in einem Unternehmen in Spanien und studieren in Schweden. Und das machen viele, aber viele eben auch noch nicht. Und deshalb ist es richtig, dass wir alle gemeinsam, alle in unseren ganz unterschiedlichen Zuständigkeiten für den europäischen Jugendaustausch werben müssen, und das ist wichtig, um das große Friedensprojekt Europa auch weiterzubringen. Und es hat aber auch ganz, ganz konkrete wirtschaftliche Vorteile, denn unsere Wirtschaft ist international unterwegs. Die Vorteile des europäischen Binnenmarktes erfordern von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zunehmend, dass sie Fähigkeiten haben, um über den eigenen Tellerrand auch hinwegzuschauen. Und an dieser Stelle ist mir der vorliegende Antrag ein bisschen eng gefasst, denn das alles gilt natürlich auch für Spanien, aber es gilt als Mitgliedsstaat – ein Mitgliedsstaat, mit dem wir sehr viel gemeinsam haben, die Wertegemeinschaft, die wir natürlich mit Spanien haben, die gemeinsame Werteebene –, aber das gilt natürlich ebenso auch für andere europäische Staaten, wie zum Beispiel Polen, die skandinavischen Länder oder eben auch die baltischen Staaten. Sehr geehrte Damen und Herren, vorgestern, am 9. November, habe ich in Vertretung der Ministerpräsidentin gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten unseres Nachbarbundeslandes Daniel Günther zwei Ausbildungsbetriebe, große Ausbildungsbetriebe, besuchen dürfen, und wir haben dort auch mit Unternehmerinnen und Unternehmern gesprochen, auch mit den Auszubildenden. Und wo immer ich ins Gespräch komme mit Unternehmern, aber auch, also vorgestern in Lübeck und Wismar, wird immer wieder gesagt, wir brauchen Jugendliche, wir brauchen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit interkultureller Kompetenz, Fremdsprachenkenntnisse sind ganz wichtig. Und wenn man eben im Austausch ist in dieser international vernetzten Wirtschaft, dann braucht man eben diese Kompetenzen bei den Fachkräften. Und wir sprechen darüber auch im Kooperationsrat für den demokratischen Ostseeraum. Auch dort heißt es immer wieder, eine unserer Handlungsempfehlungen wird sein, Interkulturalität, Fremdsprachenkenntnisse, weil ohne Fremdsprache, ohne diese Brücke, die man schlagen kann zu dem anderen Gegenüber, ist dann auch die Kooperation nicht so einfach. Das ist, glaube ich, ganz profan. Und klar, hier spielt die Bildung auf allen Ebenen eine ganz besondere Rolle. Das Lernziel ist interkulturelle Kompetenz, da bin ich mir mit der Bildungsministerin, aber auch mit dem Wirtschaftsminister sehr einig. Und so werden in den Schulen in M-V auch ganz verschiedene Fremdsprachen gelehrt, aber eben auch Spanisch. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) An den Hochschulen – wir haben das gerade mal in einer Studie nachgeguckt –: 8,8 Prozent der Lehramtsstudierenden für Gymnasium studieren Spanisch, aber auch bei den Lehramtsstudierenden für andere Schulformen wird auch Spanisch als Fach belegt. Im Bereich der Ausbildung unterstützt das Programm „Erasmus+“ die Lernmobilität junger Menschen. Sie kennen das, wir haben bereits gestern darüber diskutiert, da habe ich gesagt, das ist mit das Beste, was Brüssel so zu bieten hat. Auszubildende, Berufsschülerinnen und Berufsschüler können im Rahmen ihrer Erstausbildung ein Auslandspraktikum in Europa absolvieren. Auch Fachkräfte – also Lehrkräfte und Ausbilderinnen und Ausbilder – können über „Erasmus+“ profitieren und im europäischen Ausland sich weiterbilden. Es reicht von der Hospitation bis zur Lehr- und zur Schulungsaktivität, all das ist möglich. Wir haben im Land auch Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für die Mobilität in der Berufsbildung, die beraten im ganzen Land und beraten auch vor Ort in den Berufsschulen.

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