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Christine Klingohr

SPD 11.11.2022 Sitzungen 8/37

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Alle Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sollen sich auf eine gute und erreichbare medizinische Versorgung verlassen können. Das soll für Menschen jeden Alters und jeder Einkommensschicht gelten und für Menschen in allen unseren Landesteilen. Sie alle wissen, dass unser Land derzeit vor gewaltigen Herausforderungen steht, diesen Anspruch ungebrochen erfüllen zu können. Auch die Krankenhäuser bleiben davon nicht unberührt. Alle unsere Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern gehören zu den größten in ganz Deutschland, weisen dabei jedoch deutschlandweit jeweils eine der geringsten Bevölkerungsdichten auf. Entwicklungen wie Geburtenrückgang, demografischer Wandel und Fachkräftemangel treffen uns daher besonders hart. Infolge dieser Entwicklungen wird sich die Struktur unserer gesundheitlichen Betreuung verändern. Einigen dieser Veränderungen gilt es, mit aller Kraft entgegenzuwirken, das muss klar gesagt werden. Wir müssen lernen, den Fachkräftemangel aus zuversichtlicher Perspektive zu betrachten, und wir müssen dafür sorgen, dass gute medizinische Versorgung für alle gleichermaßen bezahlbar bleibt. Andere Veränderungen mögen zwar zunächst ungewohnt sein, aber wir werden sie nicht aufhalten können, und das muss auch gar nicht sein, denn wir selbst beschleunigen diese Veränderungen und profitieren auch von ihnen. Ich spreche hier vor allem von der Zentralisierung und Regionalisierung medizinischer Angebote und von der zunehmenden Nutzung telemedizinischer Angebote, denn wir alle verlangen medizinische Betreuung und Behandlung auf höchstmöglichem Niveau. Jeder wird sich dafür entscheiden, eher eine Behandlung auf Spitzenniveau zu erhalten und dafür einen eventuell etwas weiteren Weg zurückzulegen. Dieses höchstmögliche Niveau lässt sich jedoch nur schwer und wenn, dann mit deutlich erhöhten Kosten in der Peripherie anbieten. Strategie kommt dann ins Spiel, wenn es darum geht, den beschriebenen Wandel zu gestalten. Dafür müssen wir zunächst ausmachen, welche Entwicklungen wir aufhalten oder rückgängig machen wollen. Dazu gehört, wie bereits gesagt, der Fachkräftemangel. Wir müssen gut ausbilden, wir müssen durch attraktive Arbeitsbedingungen mehr Beschäftigte in medizinischen und pflegerischen Berufen halten und wir müssen mehr ausländische Fachkräfte gewinnen. Auf all diesen Feldern sind wir aktiv. Als Nächstes müssen wir erkennen, welche Entwicklungen wir zwar nicht unbedingt begrüßen, aber eben auch nicht aufhalten können. Dazu gehören der demografische Wandel und die Bevölkerungsverteilung in unserem Land. An dieser Stelle ist vorausschauende Politik gefragt, die das Beste aus den bestehenden Umständen macht und auf den Wandel reagieren kann. In diesem Zuge will ich auf die anstehende Krankenhausreform, wie hier heute auch schon angesprochen, verweisen, deren Eckpunkte unser Bundesgesundheitsminister bereits vorgestellt hat. Um den beschriebenen Wandel zu gestalten, brauchen wir einen breiten Beteiligungsprozess, damit alles Fachwissen berücksichtigt und eingebunden werden kann und damit alle Akteure an einem Strang ziehen. Diesem Zweck dient die Kommission für die Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern, deren erster Arbeitsauftrag es ist, ein zukunftsfähiges Konzept für die Geburtshilfe und die Pädiatrie in Mecklenburg-Vorpommern zu erarbeiten. Und natürlich braucht das Zeit und Arbeit, bis ein fundierter Plan vorliegt. Ich war Ende Oktober auf dem Arbeitstreffen der Gesundheitskommission und bei diesem Werkstattgespräch wurde gearbeitet und wirklich etwas geschafft. Sie können sich vorstellen, dass bei über 50 Fachleuten/Experten, die in unterschiedlichen Gruppen zusammenarbeiten, wie gesagt, einfach Zeit nötig ist. In dieser Zeit jede kurzfristige Problemlage zu einem Problem für das ganze System aufzubauen, ist unredlich und überhaupt nicht hilfreich. Ich freue mich bereits auf das nächste Arbeitstreffen der Gesundheitskommission, das im Dezember stattfinden wird, und ich bin mir sicher, dass Mecklenburg-Vorpommern damit auf dem richtigen Weg ist. Ich möchte an dieser Stelle den Expertinnen und Experten danken für die Zeit, die Kraft, die Ideen und die Energie, die dort reingesteckt wird. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Damit knüpfen wir natürlich an die Inhalte der Enquete-Kommission an und gestalten sie jetzt auf operativer Ebene. Und zu guter Letzt gilt es auszumachen, welche Entwicklungen positiv sind und in die richtige Richtung gehen und folglich weiter befördert werden sollen. An dieser Stelle müssen die Forschung in unserem Land genannt werden und der ständige medizinische Fortschritt. Auch genannt werden muss die verstärkte sektorenübergreifende Zusammenarbeit, denn das ist eine riesige Chance, gerade für unser Flächenland. Denn durch intersektorale Vernetzung können wir effizienter werden und die uns zur Verfügung stehenden finanziellen und personellen Ressourcen möglichst gut nutzen. Dafür braucht es die Verzahnung der unterschiedlichen Versorgungsbereiche von Ambulant und Stationär, und das bedeutet auch, innovativ zu sein und die Chancen der Digitalisierung und der Telemedizin zu nutzen. Jedes Gespräch, das ich mit Expertinnen und Experten führte, weist in diese Richtung. Was jedoch unverantwortlich ist und auch nicht das Geringste mit dem Willen nach Strategie zu tun hat, ist, den Menschen Angst vor anstehenden Veränderungen zu machen. Wir werden diese Veränderungen und Herausforderungen meistern. Lassen Sie mich hierfür natürlich das Positivbeispiel vom Krankenhaus in Crivitz anführen, (Sebastian Ehlers, CDU: Sehr positiv.) an dem die CDU-Fraktion sich in der, (Sebastian Ehlers, CDU: Ja, wo die vielen Kinder geboren werden wieder, ʼne?!) sich in der Presse derzeit (Sebastian Ehlers, CDU: Unglaublich!) so sehr abarbeitet. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Sebastian Ehlers, CDU: Menschenverachtend ist so was. Sagen Sie doch, dass da nie wieder Kinder geboren werden! – Zuruf aus dem Plenum: Toll! Toll!) Die Krankenhaus am Crivitzer See gGmbH wird sich dabei zukunftsorientiert am tatsächlichen Versorgungsbedarf ausrichten (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) und zu einem modernen medizinischen Behandlungszentrum im ländlichen Bereich entwickeln. (Torsten Renz, CDU: Es lebe die Partei!) Gerade eine Zentralisierung, (Zuruf von Torsten Renz, CDU – Heiterkeit bei Daniel Peters, CDU – Glocke der Vizepräsidentin) gerade eine Zentralisierung und Spezialisierung von Leistungen kann dazu beitragen, dass sich die Behandlungs- und Servicequalität (Zuruf von Katy Hoffmeister, CDU) für die Menschen im Landkreis bei insgesamt in der Region, (Sebastian Ehlers, CDU: Hoffentlich hören das die Bürger vor Ort! Die Rede wird ja wohl hoffentlich überragen. – Zuruf von Torsten Renz, CDU) bei insgesamt in der Region begrenzten Fachkräfteressourcen verbessert. Der Schlüssel liegt dabei in der Digitalisierung, Ambulantisierung, Kooperation und Spezialisierung. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Das kann nur gelingen, wenn wir neue Ansätze in die Tat umsetzen (Zuruf von Horst Förster, AfD) und nicht mehr wie bisher in getrennten Kategorien von Arztpraxis, Krankenhaus, Nachsorge und Pflege denken, sondern all diese Dinge so weit wie möglich zusammenbringen und nebeneinander unter einem Dach etablieren. Das vorgelegte Konzept ist nicht blumig, wie seitens der CDU-Fraktion gestern von Frau Hoffmeister dargestellt, sondern es erprobt unterschiedliche innovative Ansätze. Besonders in Zusammenarbeit mit weiteren Krankenhäusern wie Hagenow und Ludwigslust zusammen unter dem Dach der LUP-Kliniken lassen sich so viele Prozesse effizienter machen. Der Fokus künftiger gesundheitspolitischer Aktivitäten im Landkreis Ludwigslust-Parchim und in vielen weiteren ländlichen Regionen in Mecklenburg-Vorpommern muss auf der Entwicklung und Implementierung neuer Strukturen und patientenorientierter Zugangswege im Einklang mit einem patientenorientierten und effizienten Einsatz von Fachkräften und Ressourcen stehen. Die Devise der Stunde lautet daher Kooperation. Sowohl politisch und gesellschaftlich als auch fachlich zwischen den Krankenhäusern und den ambulanten medizinischen Leistungserbringern und den Krankenkassen brauchen wir Kooperation und Zusammenarbeit. Ich freue mich schon heute auf den weiteren Ausbau mit den Akteuren und werde mich dort weiter für unsere Fraktion engagieren. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Rainer Albrecht, SPD: Sehr gut! – Zurufe von Sebastian Ehlers, CDU, und Daniel Peters, CDU)

Alle Reden von Christine Klingohr Protokoll ↗