Christian Winter
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ja, die Anträge in diesem Hohen Haus geben auch mal Anlass, sich mit der Historie unseres Landes und ganz konkret mit der vor Ort zu beschäftigen. Das hat die Vorrednerin ja offensichtlich auch gemacht. Denn neben der Landwirtschaft prägte die Kulturgeschichte unseres Landes in den letzten Jahrhunderten maßgeblich das Handwerk. In meinem Wahlkreis in Grabow ist diese Stadt nicht nur als Fachwerk-, sondern eben auch als Handwerksstadt berühmt. Die Rose-Brauerei, Schuh- und Lederherstellung samt Gerbern, Riemern, Sattlern, die Herstellung von Fässern und Goldleisten machten die Stadt und ihre Erzeugnisse über die Grenzen Mecklenburg-Schwerins bekannt. Aber außer diesem Anstoß zur Heimatkunde konnte ich den AfD-Anträgen nichts Brauchbares entnehmen. Herr Schult, entgegen Ihrer Behauptung, die Sie hier gestern schon zu TOP 10 aufgestellt haben, als Sie diese Anträge ja ankündigten, beschäftigt sich die SPD seit über 150 Jahren mit der Klientel der Handwerker/-innen und auch der Arbeiter/-innen. (Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD: Aber nicht erfolgreich.) Und bei diesem Kampf für die Interessen der Leute setzen wir uns vor allem für die ein, für die Schwächeren, die oftmals keine Lobby haben. Und so setzt die Politik der SPD wie auch im Bund bei denen an, die a) eben diese starke Stimme in der Öffentlichkeit nicht haben, und b) bei denen, die letztendlich genau die Entscheidung treffen, die Ausbildungsentscheidung, das sind die Auszubildenden. Ich bin der Vorrednerin Frau Wegner sehr dankbar, dass sie hier zum Beispiel auch die Mindestausbildungsvergütung erwähnt hat, die ja in den letzten Jahren als Programmatik der SPD im Bund umgesetzt wurde. Das ist hier ein wirklicher Durchbruch, der die Berufsausbildung wesentlich attraktiver macht. Auszubildende in relevanter und großer Zahl werden im Handwerk gebraucht. Das steht außer Frage, das haben wir heute auch gehört. Und sie werden gerade dort gebraucht, wo die großen gesellschaftlichen Herausforderungen dieser Zeit anstehen. Das sind der Wohnungsbau, das sind die Gebäudesanierungen und natürlich der Ausbau erneuerbarer Energien. Hierzu – so nennt der Zentralverband des Deutschen Handwerks es – wird es vor allem Handwerker/-innen aus den Gewerken der Malerei, der Dachdeckerei, der Schornsteinfegerei, aber eben besonders auch Anlagenmechaniker/-innen für Sanitär, Heizung und Klima brauchen und noch viele andere Gewerke. Und diese Gewerke sind jetzt nicht unbedingt weniger traditionsreich, denn natürlich haben auch früher die Leute unter einem gedeckten Dach gesessen, das war dann häufiger noch mit Reet gedeckt. Nein, liebe AfD, Sie verfahren hier nach einem bewährten Muster: teile und spalte. Die staatlich bevorzugte Subventionierung führt zu einer Marktverzerrung – das wurde hier angesprochen –, die zulasten anderer Gewerke und Ausbildungsberufe geht. Und ja, das ist natürlich nicht zielführend, die öffentlichen Mittel so einzusetzen. Und genauso sieht es aus mit einer Bevorzugung, die Sie hier vorsehen mit der Weiterbildung der Restaurator/-innen. Auch das würde zu einer Verzerrung führen. Zweifelsohne ist auch hier, oder es ist gar nicht in Zweifel zu ziehen, dass dieser Beruf wichtig und essenziell ist, um unsere wichtige Kultursubstanz zu erhalten. Das wird hier auch gar nicht verneint, aber es wurde auch erwähnt, dass es bereits in einem angemessenen Umfang auch vor allem Programme des Bundes gibt, womit diese Ausbildung gefördert wird. Und ich möchte auch nicht unerwähnt lassen, dass insbesondere als Restaurator sich natürlich mit dieser wichtigen Arbeit auch gutes und ehrliches Geld verdienen lässt. Es werden ja hier auch wirklich gute Marktpreise, auch weil das Gut und diese Kompetenz knapp sind, erzielt. Und ich denke, wir müssen hier nicht noch die Starken mit öffentlichem Geld zusätzlich fördern. Daher möchte die MV-Koalition die Ausbildung als Ganzes stärken mit starken Berufsschulen, attraktiven Ausbildungsbedingungen, einfachem Zugang zu Unterstützungen und eben auch unkomplizierten Hilfen für Betriebe und Auszubildende. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass über alle Ausbildungsberufe hinweg die Abbruchquote bei etwa 25 Prozent liegt. Und ich denke, auch da muss angesetzt werden. (Zuruf von Enrico Schult, AfD) Ich konnte fürs Handwerk speziell in Mecklenburg-Vorpommern keine Zahlen finden, aber in Berlin zum Beispiel ist es so, dass im Handwerk jeder zweite Auszubildende ungefähr die Ausbildung abbricht. Das ist enorm, da müssen wir ansetzen. Wie ging es denn eigentlich in Grabow weiter? Auch hier kenne ich tatsächlich noch einige Handwerker, die in diesem malerischen Ort tätig sind. Der Tourismus profitiert bis heute dort. Und ja, eines der traditionsreichsten Handwerksbetriebe, die Bollhagensche Pfeffernuss- und Biskuitfabrik, produziert heute – nur am anderen Standort in größerem Maßstab – das bekannteste Produkt der Stadt, die Grabower Küsschen. Das Handwerk stirbt also nicht aus, sondern es entwickelt sich weiter. Die SPD und die Wirtschaftspolitik hier im Land begleiten diese Transformation klug. Ihren Antrag braucht es daher nicht. Wir lehnen ihn ab. – Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
