Enrico Schult
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Werte Gäste! Wir als AfD-Fraktion haben den Fachkräftemangel in unserem Land, aber insbesondere im Handwerk, zu unserem zentralen Thema dieser Landtagssitzung gemacht. Gestern brachten wir einen Änderungsantrag zum Schulgesetz ein, mit dem wir die Ausbildungsfähigkeit und die Studierfähigkeit unserer Schüler deutlich verbessern wollten. Wir alle wissen, dass heute viel zu viele Jugendliche ins Studium drängen, aber eben auch viele von ihnen das Studium dann abbrechen. Die eben geführte Debatte legt ja davon Zeugnis ab. (Vizepräsidentin Elke-Annette Schmidt übernimmt den Vorsitz.) Daher ist es unser Anliegen, eine Lanze für die duale Berufsausbildung in unserem Land zu brechen. Die jüngsten Zahlen des Ausbildungsberichtes der Bundesagentur für Arbeit, wonach viele Ausbildungsplätze in M-V unbesetzt bleiben, zeigen, dass hier Handlungsdruck besteht, werte Kollegen. Und insbesondere das Handwerk hat es sehr schwer, geeignete Fachkräfte zu finden. Deshalb haben wir als AfD-Fraktion mehrere Anträge eingebracht, um explizit das Handwerk zu stärken. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Seltene landestypische Handwerksberufe durch eine Förderrichtlinie finanziell unterstützen und auch die Qualifizierung von Handwerksmeistern zu Restauratoren wollen wir vorantreiben, indem wir diesen einen nicht rückzahlbaren Zuschuss gewähren. Das Handwerk ist mit seinen 20.000 Betrieben ein unverzichtbarer Wirtschaftszweig in unserem Land, der aufgrund des Akademisierungswahns besonders unter dem Fachkräftemangel zu leiden hat. Ordentliches Anpacken auf dem Bau ist in unserer heutigen Zeit nun mal nicht mehr so angesagt bei der Jugend, obwohl wir ja alle wissen, dass gerade im Handwerk bei einer weiteren Qualifizierung, zum Beispiel zum Handwerksmeister, Gehälter zu erreichen sind, die man als studierter Orchideenzüchter oder Genderbeauftragter mit Bachelorabschluss niemals bekommen wird. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Und das, liebe Kollegen, und das ist auch gut so, denn trotz finanzieller Besserstellung der Hochschulausbildung – und das muss man ganz klar konstatieren – gegenüber der dualen Berufsausbildung zeigt sich im wahren Leben da draußen, dass Angebot und Nachfrage nun mal den Preis bestimmen. Und da ist der Bedarf nach einem gut ausgebildeten Dachdecker oder Zimmermann eben größer als nach einer weiteren Stimme im Historikerstreit oder dem nächsten Sozialarbeiter, der sich für die geschlechtersensible Sprache einsetzt. Würde der Staat sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren und nicht unzählige Versorgungsposten schaffen, hätte der Markt diesen Missstand bereits geradegerückt. Doch die Wertschätzung der dualen Berufsausbildung gegenüber dem Studium muss auch gesellschaftlich verankert werden. Die Politik schielt zu oft aufs Abitur und ein anschließendes Studium. Wir als AfD haben im letzten Plenum eine Anhebung der Fahrtkosten für Berufsschüler angeregt, die seit 2015 nicht angehoben wurden, aber die Landesregierung sah dafür keine Notwendigkeit. Das ist dann auch immer wieder bezeichnend, denn in Sonntagsreden setzt man sich für die duale Berufsausbildung ein. Und ich vernahm eben auch den Wirtschaftsminister Meyer, der sagte, wir müssen da mehr tun. Da hätte ich mir allerdings im letzten Plenum eine Zustimmung gewünscht, denn da hätten Sie unsere Berufsschüler direkt unterstützen können und entlasten können. Das haben Sie nicht gemacht, und daher ist es auch für mich etwas unglaubwürdig. Wie bereits erwähnt, leidet das Handwerk besonders unter einem Fachkräftemangel, und bei seltenen Handwerksberufen verschärft sich die Situation noch einmal deutlich. Deshalb begehren wir mit unserem, mit einem unserer Anträge, dass für seltene landestypische Handwerksberufe eine Förderrichtlinie erarbeitet wird, die die Ausbildungsbetriebe beim Erhalt dieser seltenen Berufe unterstützt. Denn aus Gesprächen mit den Handwerkskammern und betroffenen Unternehmen wissen wir, dass eine solche Ausbildung wirtschaftlich zunächst nicht lukrativ ist für die Betriebe, weil die Azubis erst später in der Ausbildung einen wertschöpfenden Beitrag sozusagen zum Weiterkommen des Betriebes leisten können. Deshalb wollen wir für diese Unternehmen in Zusammenarbeit mit den Handwerkskammern eine Förderrichtlinie erarbeiten lassen, um die Nachwuchssicherung zu gewährleisten, denn es geht um nichts Geringeres als um unser Kulturgut hier in Mecklenburg-Vorpommern, liebe Kollegen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Mit unseren Anträgen wollen wir nicht nur unsere Landesgeschichte bewahren, wir wollen damit ebenfalls die Erinnerung an unser Brauchtum, ja, an unsere Heimat sicherstellen und diese für Touristen erlebbarer machen. Mecklenburg-Vorpommern versteht sich als Tourismusland nicht nur seiner landschaftlichen Reize wegen, sondern weil es an historischer Substanz bietet, was Touristen nun mal sehen wollen – unsere Kirchen, unsere Schlösser und Gärten und insgesamt die dörfliche und städtische Architektur mit all den besonderen Details. Und darunter sind nicht nur die reetgedeckten Dächer zu verstehen. Handwerker, die historische Bausubstanz versorgen und erhalten, müssen mehr können als ein Carport aufstellen. Sie kennen sich in alten Konstruktions- und Verfahrensweisen aus, sie verstehen es, mit traditionellen Baustoffen umzugehen, und müssen zum Teil nicht nur Meister, sondern Künstler ihres Fachs sein. (Beifall Jens-Holger Schneider, AfD) Wo uns im Allgemeinen überhaupt Fachkräfte fehlen, da fehlen uns diese Spezialisten erst recht. Und, werte Kollegen, wo für alle möglichen Sondergruppen und Sonderinteressen Programme und Hilfspakete aufgelegt werden – wir haben gestern über das KiföG beraten, was mit 13 Millionen bezuschusst wird, wo sozusagen die Azubis unterstützt werden –, richten wir als AfD das Augenmerk also auf Berufe, unter anderem, die in ihrer Spezialität, gewissermaßen in ihrer Nische, schnell vergessen sind und deren Kompetenzen, deren Knowhow zu verschwinden drohen, wenn wir nicht spätestens jetzt die Initiative für ihre Erhaltung ergreifen. Darüber hinaus wollen wir im Bereich der Restauration Meister stärken, die sich zum Restaurator im Handwerk qualifizieren. Die von uns kalkulierten Mittel sind haushaltsmathematisch übersichtlich. Bei jährlich zehn geförderten Antragstellern in denen von uns gelisteten Gewerken ergibt sich ein jährlicher Mittelaufwand von 300.000 Euro. Der zu erwartende Nutzen indes – mehr qualifizierte Handwerksmeister für Restaurationsarbeiten – dürfte im Sinne des oben beschriebenen Bedarfs und mit Blick auf unsere historische Bausubstanz beträchtlich sein. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Die Nachfrage nämlich ist enorm. Unser Landesamt für Kultur und Denkmalpflege listet 31.181 Denkmale auf. Im Jahr 2021 wurden 27 Anträge auf Zuwendungen für deren Erhalt mit einem Volumen von über 2 Millionen Euro bewilligt. 94 Prozent – und das müssen Sie sich mal auf der Zunge zergehen lassen – davon entfielen auf dringend erforderliche Notsicherungen. Also es besteht hier dringender Handlungsbedarf. Die Nachfrage nach Denkmalförderungsmitteln übersteigt bei Weitem das hier vorgesehene Budget. Der Bedarf ist viermal so hoch wie der wieder jährlich gleichbleibende Haushaltsposten, und da haben wir als AfD ja bei den Haushaltsberatungen auch schon darauf hingewiesen und eine Änderung angemahnt. Arbeit für Restauratoren im Handwerk gibt es also mehr als genug, allenfalls zu wenig Geld, wie immer, das ist klar, vor allem aber zu wenig qualifizierte Fachkräfte. Mit der Spezialisierung für die Arbeit als Restaurator wäre da der erste Schritt getan oder ein weiterer Schritt getan. Die einschlägige Datenbank „Handwerksbetriebe für Restaurierungen und Denkmalpflege“ enthält für unser Bundesland gerade mal elf Einträge. Und ich war vor Kurzem mit dem Finanzausschuss im Schloss Ludwigslust und da bestätigte man unsere Auffassung noch einmal deutlich. Da werden Restauratoren aus den südlichen Bundesländern eingeflogen, da werden ältere Handwerksmeister noch gebeten und flehend gebeten, doch noch vielleicht ein paar Jahre ranzuhängen. Also da ist deutlich Handlungsbedarf, da sollten wir angreifen. Für Professionalität und geeigneten Nachwuchs wäre mit unserem Antrag also gesorgt. Voraussetzungen für die Zulassung zur Prüfung sind ja der Meisterbrief und eine mindestens einjährige Berufspraxis. Es werden also Profis für besondere Verwendungen qualifiziert. 500 bis 800 Unterrichtsstunden mit fachspezifischen und fachübergreifenden Anteilen sorgen für eine gründliche Vermittlung von Inhalten und Fertigkeiten, vorzugsweise in den Gewerken des Zimmerers, des Malers, Tischlers, Maurers, Stuckateurs, Schmiedes und der Steinmetze. Jetzt ist es an der Zeit, nach den sozialen Wohltaten, die die rot-rote Landesregierung mit dem Füllhorn im Volk verteilt, auch einmal an jene zu denken, die den wirtschaftlichen Karren hier am Laufen halten und mit ihren Steuerzahlungen erst dafür sorgen, dass seitens der Landesregierung überhaupt etwas zu verteilen ist. Jetzt ist es an der Zeit, auch einmal an die Handwerksbetriebe zu denken. Fachkräfte sind für diese das A und O. Darauf zielte unser gestriger Antrag nach einer Stärkung der Regionalschulen ab. Aber auch monetäre Aspekte müssen wir in den Blick nehmen, wenn Sie auch in 50 Jahren noch landestypische Handwerke wie Sattler, Drechsler, Orgelbauer oder Brauer erleben wollen. Wir wollen diese ausbildenden Handwerksbetriebe mit nicht zurückzahlbaren Zuschüssen – im 1. Lehrjahr 500, im 2. Lehrjahr 400, im 3. Lehrjahr 300 und im 4. Lehrjahr 250 Euro – unterstützen, um die finanzielle Last der Ausbildungsbetriebe zu senken. Überdies möchten wir die Ausbildung von Restauratoren im Handwerk ebenfalls mit einem nicht rückzahlbaren Zuschuss fördern, um den historischen Baubestand in unserem Bundesland, der nicht nur ein einzigartiges kulturelles Erbe, sondern auch ein enormes wirtschaftliches Kapital darstellt, zu pflegen und zu erhalten. Daher bitten wir um Zustimmung zu diesen beiden Anträgen, zum einen landestypische Handwerksberufe bewahren und Restauratoren im Handwerk fördern. Nicht nur die betroffenen Handwerksbetriebe, liebe Kollegen, würden es Ihnen danken, sondern ebenso alle Menschen, die sich tagtäglich an der vielfältigen historischen Baukultur in unserem Land erfreuen. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und bitte daher um Zustimmung. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)
