Falko Beitz
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Das Thema Fachkräftemangel bestimmt den Arbeitsmarkt Mecklenburg-Vorpommerns in zunehmendem Maße, und das in allen Wirtschaftsbereichen. So werden, prognostiziert bis 2035, 25 Prozent weniger Erwerbspersonen zur Verfügung stehen. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der alternden Gesellschaft. Insbesondere der Nachwendegeburtenknick macht sich heute dergestalt bemerkbar, dass deutlich mehr Menschen jedes Jahr in den verdienten Ruhestand gehen, als junge Menschen über Studium oder Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt innerhalb Mecklenburg-Vorpommerns nachrücken. Gerade vor diesem Hintergrund des demografischen Wandels ist die Sicherung des Fachkräftebedarfs eine der größten Herausforderungen für unsere Wirtschaft. Gerade gestern erst schlug ein Arbeitgeberverband meines Wahlkreises Alarm. Um den Fachkräftebedarf zu decken, muss die Politik die Rahmenbedingungen setzen, die den Unternehmerinnen und Unternehmern helfen, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Dabei bedarf es immer eines vielschichtigen Lösungsansatzes. Eine Patentlösung gibt es nicht. Die Unternehmerinnen und Unternehmer und auch die Politik müssen in dieser Frage alle Register ziehen. Aus Sicht der SPD-Fraktion lohnt es sich in diesem Zusammenhang daher, das Potenzial arbeitsloser Akademikerinnen und Akademiker als einen Baustein zur berühmten Problemlösung näher zu betrachten. Minister Meyer hat ausgeführt, dass dies im Rahmen der Arbeitsmarktanalyse bei der Erstellung der Fachkräftestrategie, die seitens der Landesregierung erarbeitet wird, Berücksichtigung finden wird. Gerade ältere Erwerbslose sind in den Blick zu nehmen, denn sie sahen sich gefühlt arbeitgeberseitigen Vorurteilen ausgesetzt, die zu Aussagen wie „Mit 58 Jahren bin ich für einen Neuanfang zu alt“ führten. Meine Damen und Herren, die Zahl arbeitsloser Akademikerinnen und Akademiker stagniert seit Jahren auf niedrigem Niveau. Man kann bei einer Arbeitslosenquote von 2,7 Prozent, bezogen auf das Jahr 2021, sogar von Vollbeschäftigung sprechen. Dennoch gibt es neben einer Vielzahl eher kurzfristig arbeitsloser Akademikerinnen und Akademiker einen gefestigten Anteil Langzeitarbeitsloser von rund 25 Prozent. Diese Zahl ist sicher überschaubar und bietet bezogen auf die Gesamtherausforderung ein eher begrenztes Potenzial, aber eines, das es sich zu nutzen lohnt. Daher haben wir in unserem Koalitionsvertrag in Ziffer 68 vereinbart, gemeinsam mit den Hochschulen und Fachhochschulen zu prüfen, „wie insbesondere ältere Arbeitslose mit Hochschulabschluss gezielt gefördert und wieder an den Arbeitsmarkt herangeführt werden können“. Kollege Foerster führt in diesem Zusammenhang sehr gern das Brandenburger Projekt „Campus der Generationen“ an. Dabei arbeiteten ältere arbeitslose Akademikerinnen und Akademiker zusammen mit jungen Studierenden an Projekten regionaler Unternehmen, nachdem sie vorher gemeinsam an Seminaren, Workshops und Vorlesungen der kooperierenden Uni teilgenommen haben. Die spätere Vermittlung in den Arbeitsmarkt der teilnehmenden älteren Akademiker war nicht nur überaus erfolgreich, sondern führte auch bei den teilnehmenden Studierenden zu einem Mehrwert durch den häufig umfangreichen Erfahrungsschatz der älteren Teilnehmer, von denen sie im Übrigen auch profitierten. Meine Damen und Herren, derartige Projekte können dazu beitragen, bisher noch ungenutztes Fachkräftepotenzial zu heben. Der Fachkräftemangel in Gänze wird sich allerdings mittelfristig nur durch eine zusätzliche Anwerbung von Fachkräften aus anderen Bundesländern, darunter vor allem Auspendler und Rückkehrwillige aus unserem Land sowie aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland lösen lassen. Die Unternehmen im Land beklagen völlig zu Recht einen Fachkräftemangel. Dieses Problem haben auch wir in der Politik erkannt und arbeiten gemeinsam mit Wirtschaft und Gewerkschaften an Lösungen. Alter darf künftig kein Ausschlusskriterium mehr für Fachkraftsuche sein. Qualifikation und Leistungsbereitschaft hängen nicht vom Alter ab. Meine Damen und Herren, ich werbe im Namen meiner Fraktion um Zustimmung und danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
