Jutta Wegner
Vielen Dank! Das Grundgesetz benennt in Artikel 6 die Eltern als diejenigen, die das natürliche Recht und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht besitzen, Pflege und Erziehung ihrer Kinder zu gewährleisten. Das ist ein Grundrecht und damit das stärkste Recht, das wir als Bürgerinnen und Bürger haben. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Daran rüttelt auch keiner.) Die Ausführungen des Schulgesetzes entfalten auf dieser verfassungsmäßigen Grundlage ihre Wirkung, um offene und durchlässige Bildungsgänge zu ermöglichen. Ich frage an dieser Stelle, warum die Eignung für einen gymnasialen Bildungsgang deshalb ausschließlich vom Votum der Lehrenden abhängig sein soll. Die Entwicklung eines Kindes ist ein umfassender und komplexer Prozess, an welchem neben den Pädagog/-innen die Eltern wesentlich beteiligt sind. Es ist daher nur logisch, dass neben der Empfehlung der Lehrenden auch das Votum der Eltern Berücksichtigung findet. Und in diesem Zusammenhang wünschen wir uns kein Gegeneinander, sondern ein vertrauensvolles Miteinander, einen Entscheidungsprozess über eine Bildungsgangempfehlung, der von Eltern und Lehrenden getragen ist zum Wohle der Kinder. Wenn wir mehr Schüler/-innen zum Erlernen eines handwerklichen Berufes ermutigen wollen, müssen wir die Wertschätzung des Handwerks erhöhen, zum Beispiel durch angemessene Arbeitszeiten und eine gerechte Bezahlung. Dann bräuchte es Vorschläge wie den hier von Ihnen vorliegenden nämlich gar nicht. Nachwuchs für das Handwerk durch rigorose Zugangsbeschränkungen für höhere Bildungsabschlüsse zu entwickeln, ist da eher kontraproduktiv. Für mich wirkt die Aussicht, einen Handwerksberuf erlernen zu müssen, weil ich nicht aufs Gymnasium darf, wenig verlockend. Das wird auch der Bedeutung des Handwerkes nicht gerecht. Wir brauchen Auszubildende im Handwerk, die Lust auf diesen Beruf haben. Dann können und werden sie ihre Fähigkeiten entwickeln und gute Fachkräfte werden. Wir dürfen aber auch Kindern nicht mögliche Chancen verbauen. So vergeben wir uns für die Entwicklung unserer Gesellschaft Chancen und werden es schwerer haben, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. In der Realität einer immer feingliedrigeren Arbeitsteilung ist umfassendes Wissen unabdingbar. Ich möchte an dieser Stelle vielmehr dazu aufrufen, der Bildung im Standort Deutschland und hier im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern eine stärkere Priorisierung einzuräumen – und da bin ich ganz in der Nähe von Ihnen, Herr Renz –, um Bildungsgänge in höchstmöglicher Qualität anbieten zu können und dadurch den zukünftigen Absolvent/-innen die beste Ausbildung angedeihen zu lassen, damit die Schulabgänger gewappnet sind, Herausforderungen zu begegnen. Wir werden das schaffen, wenn wir Bildung und Schule als gemeinsame Sache der Eltern, Schüler/-innen und Lehrenden verstehen und entwickeln. Hier können wir vom finnischen Bildungssystem viel lernen oder uns zumindest inspirieren lassen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
