Enrico Schult
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Dieser Gesetzentwurf der AfD-Fraktion reiht sich ein in eine Reihe von Anträgen in dieser Landtagssitzung, mit denen wir die duale Berufsausbildung in unserem Land stärken wollen und dafür um Ihre Zustimmung werben: landestypische Handwerksberufe bewahren, Förderung von Restauratoren im Handwerk, Unterstützung der Meisterausbildung und hier jetzt, ja, den Zugang zu den Gymnasien beschränken. Es geht uns nämlich um die Fachkräfteproblematik und damit um die Sicherung von Ausbildungsqualität. Diese Ausbildungsqualität, ob nun beruflich oder akademisch, setzt nun mal Schulqualität voraus. Unser Schulsystem ist gefordert, sowohl für die duale Berufsausbildung als auch für die Studierfähigkeit sichere Voraussetzungen zu schaffen. (allgemeine Unruhe) Dazu braucht es Gymnasien ebenso wie Regionalschulen. Doch während immer mehr Schüler, etwa ein Drittel davon ohne Schullaufbahnempfehlung, aufs Gymnasium drängen, ringt die Regionalschule damit, nicht zu einer Resteschule abzusteigen. Das Gymnasium hingegen fungiert als eine tendenziell überlastete Gesamtschule der Nation, und wer es nicht schafft, dorthin zu gelangen, der wird irgendwie an der Regionalschule versorgt. Weil aber immer mehr ans Gymnasium gelangen, kann diese Schulart ihre Versprechen immer weniger halten. Daher klagen Professoren über signifikante Schwächen der Abiturienten trotz Abitur. Die hohe Studienabbrecherquote zeigt, dass das vorausgesetzte Wissen für ein erfolgreiches Studium bei vielen eben nicht mehr gegeben ist. Der Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz regt derweil schon an, ein Grundlagensemester an den Unis einzuführen, mit dem die Studenten erst einmal studierfähig gemacht werden, obwohl das bestandene Abitur ja eigentlich diese Studierfähigkeit attestiert. Doch wenn tendenziell bis zu 40 Prozent der Schüler am Gymnasium sind, dann ist es eben kein Gymnasium im traditionellen Sinne mehr, sondern irgendwas anderes, eben ein Gymnasium light oder eine Art Gesamtschule. Wie Sie unseren bisherigen Anträgen entnehmen konnten, geht es uns entschieden um eine Aufwertung der Regionalen Schulen und der an sie anschließenden dualen Berufsausbildung. Für das Gymnasium müssen wir nicht werben, erklärte der fragwürdige Zeitgeist die sogenannte akademische Bildung doch lange genug zum Königsweg ins erfolgreiche Berufsleben, während wir mehr und mehr erkennen müssen, dass uns vor allem Fachkräfte in ganz handfesten Berufen fehlen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Und das erkannte auch der damalige SPD-Bildungsminister Mathias Brodkorb, der 2020 in seinem Buch „Der Abiturbetrug“ die Wertigkeit unseres jetzigen Abiturs infrage stellte. Leider ist diese Einsicht erst gekommen, als Brodkorb nicht mehr Bildungsminister in M-V war. Doch die Schlussfolgerungen sind natürlich richtig. So schreiben Brodkorb und seine Co-Autorin Katja Koch in ihrem Buch, (Zuruf von Torsten Renz, CDU) ich zitiere: „Zum einen müssen wir das Niveau des Abiturs wieder anheben, was die Abiturientenquote deutlich senken würde. Das ist zwar unbequem, aber letztlich profitieren alle davon: die Hochschulen, die wieder auf hohem Niveau lehren und forschen könnten und weniger Studienabbrecher hätten; die Schulen mit gymnasialen Bildungsgängen, die sich wieder an herausfordernde Unterrichtsinhalte wagen könnten; die“ Regionalschulen, „die wieder über eine breite Leistungsspitze verfügen würden; das Handwerk, das wieder ausreichend gut qualifizierten Nachwuchs finden könnte“, so Brodkorb, ehemaliger Bildungsminister. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Da kann man ihm nur zustimmen. (Zuruf von Martin Schmidt, AfD) Und in der Tat, allzu lange galt, mehr Abi gleich mehr Job oder gleich besserer Job. Doch dabei ist auch zu bedenken, wo immer mehr im Bildungsbetrieb zum Abitur und also zur Hochschulreife mit dem Bildungsfahrstuhl nach oben fahren, da wird es eben eng da oben, werte Kollegen. Konnte das Abitur vor Jahrzehnten noch einen attraktiven Studienplatz garantieren, der später einen attraktiven und einträglichen Beruf verhieß, verzeichnen wir schon länger einen Überhang an Akademikern und damit einen Konkurrenzdruck. Die LINKEN haben sich ja des Themas angenommen, da werden wir morgen drüber sprechen, die hohe Anzahl an arbeitslosen Akademikern in diesem Land. Die Universitäten sehen sich inzwischen gezwungen, mit eigenen Testverfahren zu klären, wer das Zeug zu einem anspruchsvollen Studium hat. Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, wissen andererseits, dass es zahlreiche interessant klingende Studien und Studiengänge mit Bachelor- und Masterabschlüssen gibt, die nicht unbedingt beruflichen Erfolg verheißen. (Zuruf vonseiten der Fraktion der SPD: Was?!) Kürzlich las ich vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima, dass für den Einbau der jetzt im Zusammenhang mit dem Klimawandel und der Explosion der Energiepreise geforderten Wärmepumpen bundesweit 60.000 Monteure fehlen – allein in den dafür benötigten Gewerken 60.000 Monteure zu wenig! Und weiter heißt es dort, dass der Zeitgeist der akademischen Bildung natürlich Ursache für den Nachwuchsmangel im Handwerk und der Industrie ist. In Mecklenburg-Vorpommern gaben zudem 61 Prozent aller Unternehmen an, nicht mehr alle Lehrstellen besetzen zu können. Wir von der AfD-Fraktion sind uns mit den Handwerkskammern und den IHK einig in unserem Ansinnen, genau diesen Missstand zu beheben. Wir fordern die Sicherung eines Aufwuchses in qualifizierten Handwerks- und Industrieberufen, aber auch in der Verwaltung oder beispielsweise bei der Polizei, wo wir konstatieren müssen, dass mittlerweile bereits jeder vierte Polizeianwerber beim Eignungstest das Diktat nicht schafft, das Realschulniveau voraussetzt. (Zuruf aus dem Plenum: Unglaublich!) Also das sollte uns zu denken geben. Nun werden Sie vielleicht einwenden, werte Kollegen, die modernen Handwerks- und Industrieberufe verlangen nicht zuletzt wegen der Digitalisierung eine derart hohe Qualifikation, dass vorzugsweise das Abitur die notwendigen Vorkenntnisse dafür sichert. Dazu merke ich an, wenn dem so ist, dann muss sich das ändern, nämlich über eine Aufwertung der Regionalschulen mit ihrem nach Auskunft der Rahmenrichtlinien immerhin noch soliden Pensum an Unterrichtsinhalten. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Außerdem zeichnen sich die Regionalschulen durch einen hohen Anteil an Berufsorientierung in Form von Praktika aus. Während an den Gymnasien oft studienorientierte Beratung auf der Tagesordnung steht, ist es an den Regionalschulen anders, und das ist auch gut so. Wenn der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft Mario Ohoven 2019 feststellte, dass viele Azubis nicht mal mehr die Grundrechenarten beherrschen und die Mathematikkenntnisse immer weiter sinken, dann verlangt das nach einer Qualitätssicherung, insbesondere in der nicht gymnasialen Ausbildung. Die Regionalschulen müssen also aufgewertet werden, sodass nicht jeder durchschnittliche Schüler aufs Gymnasium wechselt. Das Gymnasium muss jenen vorbehalten bleiben, die studieren wollen und die studieren können. Daher wollen wir den Zugang zum Gymnasium dezent beschränken, indem wir die Kriterien für die Schullaufbahnempfehlung anheben, aber auch klar formulieren, dass die Schülerin oder der Schüler am Ende der 7. Klasse einen gewissen Notendurchschnitt – wir meinen da 3,5 in den Hauptfächern – nachweisen muss. Wir folgen dabei keinem Rigorismus des Ausschließens, sondern einer zutage liegenden schulpraktischen Vernunft. Aber vor allem wollen wir die Eltern dafür sensibilisieren, realistisch einzuschätzen, ob ihr Kind wirklich das Zeug hat, aufs Gymnasium zu wechseln. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Die von uns angestrebte Korrektur hätte zudem auf die Lehrer und Lehramtsanwärter einen positiven Effekt. Sie wissen, dass Referendare am liebsten an Gymnasien tätig sein wollen. Warum? Zum einen erscheint ihnen ein fachlich anspruchsvoller Unterricht interessant, und das ehrt sie, in der Tat. Zum anderen aber muss ein Lehrer an der Regionalschule eben mit Schülern rechnen, deren Verhalten pädagogisch höhere Anforderungen, nicht zuletzt im erzieherischen Sinne stellt. (Horst Förster, AfD: Sehr schön!) Die verfehlte Inklusionsstrategie des Landes (Horst Förster, AfD: Euphemismus!) müssen ebenfalls die Regionalschulen ausbaden, werte Kollegen, und das wissen Sie ebenfalls. Ich weiß sicher, das gymnasiale Niveau, zum Beispiel mit einer rigorosen Zugangsbeschränkung auf eine Quote von 20 Prozent, das erscheint vergleichsweise elitär, aber diese Beschränkung führt dazu, dass die Qualität der Schulbildung deutlich besser ist und später viel geringere Abbruchquoten im Studium zu verzeichnen sind. Unter der Maxime, alle sind gleich oder jeder kann zu allem befähigt werden, verspielen wir in Deutschland gerade unseren einzigen Vorsprung als Bildungsnation, und das sollten wir nicht hinnehmen. Doch die Durchlässigkeit bei den Schulformen ist in M-V klar geregelt. Jeder kann derzeit auf das Gymnasium wechseln. Wenn die Schullaufbahnempfehlung dies aber nicht vorsieht oder die Zensuren es nicht hergeben, ist die Regionalschule einfach der bessere Ort, auch wenn einige Eltern das anders sehen, denn den Elternwillen wollen wir freilich nicht ersetzen. Nur muss allen klar sein, dass bei einem Wechsel aufs Gymnasium entgegen der Schullaufbahnempfehlung – und das ist der wichtige Punkt – dann bestimmte Bedingungen zu erfüllen sind, nach unserer Auffassung mindestens ein Notendurchschnitt von 3,5 in den Hauptfächern. Und natürlich ist auch nach einem erfolgreichen Realschulabschluss der Zugang zum Abitur nicht versperrt. Man kann auch dann noch auf das Gymnasium wechseln oder ein Fachgymnasium besuchen. Also die Durchlässigkeit der Bildungsgänge bleibt gewahrt. Wir wollen lediglich verhindern, dass bereits nach der Orientierungsstufe allzu viele Schüler aufs Gymnasium drängen. Wir meinen, so würden endlich auch die Abbruchraten sinken. Sie wissen, ein Viertel der Lehrlinge in der dualen Berufsausbildung schmeißt hin, rund 25 Prozent der Abiturienten scheitern im Studium und viele Abiturienten verlassen zudem vorzeitig das Gymnasium und schließen dieses gar nicht mit dem Abitur ab. Sind das nicht jene, die besser an der Regionalschule geblieben wären? Wir sehen es so: Wer in der gymnasialen Klasse 7 einen Hauptfächerdurchschnitt von 3,5 nicht gewährleisten kann, für den ist die Regionalschule vorerst der bessere Bildungsweg. Gleichwohl ist ein späterer Wechsel aufs Gymnasium durch eine Leistungssteigerung des Schülers weiterhin möglich. Um jedoch mehr gut ausgebildete Realschüler für die duale Berufsausbildung zur Verfügung zu haben, erscheint es sinnvoll, den Zugang zum Gymnasium moderat zu beschränken und die Regionalschulen zu stärken. Daher bitten wir um Zustimmung zu unserem Antrag, werte Kollegen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)
