Barbara Becker-Hornickel
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Bevor ich natürlich einen vorbereiteten Redebeitrag halte, wo ich hoffe, mich da richtig durchzufinden, entschuldigen Sie, Frau Ministerin, aber wir werden dem Antrag der CDU zustimmen. (Zuruf aus dem Plenum: Was?!) Und ich weise für mich einfach zurück, dass wir dieses Thema der Kinder- und Jugendmedizin skandalisieren wollen. Das sehe ich überhaupt nicht so. Wir nehmen uns der Sorgen, der Probleme an, und sie werden täglich an uns herangetragen. Insofern danke ich auch meinem Vorredner, der schon gesagt hat, die Qualität der Versorgung in Rostock ist nicht schlecht, aber sie befürchtet uns. Und große Sorgen der Bevölkerung, der Eltern im Wesentlichen, die ein krankes Kind haben, das ist nicht gut, das ist nicht gut für unser Land und schon gar nicht gut für die Universitätsklinik. Ich möchte, dass alles getan wird, dass wir das Vertrauen der Eltern in die Kinder- und Jugendklinik und in den Universitätsstandort hier in Rostock wiederherstellen können. Das war mir ganz wichtig zu sagen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) Mein Kollege Wulff, am Montag hat er mir, am Mittwoch hat er mir schon einen Satz geklaut, und so begann eigentlich meine Rede: Und täglich grüßt das Murmeltier. Seit Jahren wird die Kinder- und Jugendmedizin in der Presse begleitet in einer Art, die eigentlich uns nur Sorge machen kann. Es ist für eine Hollywoodkomödie gewesen, aber, wenn wir heute diesen Satz in diesem Zusammenhang so äußern, dann ist es eher eine Tragödie, da bleibt uns das Lachen, das Schmunzeln im Halse stecken, eine Tragödie auf dem Rücken von kranken, zum Teil schwerstkranken Kindern und deren Eltern. Ich habe einen Fall in der Familie. Ich will nicht immer mein Privatleben hier ausbreiten, aber ich weiß, wie groß diese Sorgen sind, wenn Sie ein Kind haben, das krampft, das Krämpfe hat, und Sie können da nicht, Sie sind nicht im Wissen, ich fahre jetzt zehn Minuten und brauche Hilfe, nein, ich muss weiter. Und leider ist es so. Wir haben hier sehr ausführlich recherchiert, dass die Uniklinik als Maximalversorger in der Region schon seit 2013 – das ist der erste Fall, der mir bekannt ist –, nicht wirklich als Maximalversorger hier zur Verfügung steht. Die Recherche hat ergeben, dass schon seit 2013 kein Kinderherzspezialist an der Unikinderklinik ist. Ausweichorte sind Hamburg oder Berlin. So gerade vor der Haustür ist das ja nun wirklich nicht, ungeachtet der Entfernung für die Eltern, die ohnehin in großer Sorge sind. Und es ist bedrückend nachzulesen, wie oft in den letzten Jahren seitens der Ärzte und des Personals versucht wurde, sich Gehör zu verschaffen, und tragfähige Lösung gefordert werden. Seit Jahren stellt sich die personelle Situation zur Versorgungssicherheit durchaus dramatisch dar. 2018 gingen Ärzte an die Öffentlichkeit, um auf die unzureichende Personalausstattung aufmerksam zu machen. 2019 folgte der erste sogenannte Brandbrief. Sechs Ärzte und Ärztinnen verließen die Kindermedizin in Rostock. Ein Jahr wurde nach außen hin anscheinend nichts unternommen, um die Situation zu verändern. In 2021 wurde eine Petition von niedergelassenen Kinderärzten Rostocks an die Landesregierung geschickt mit der Forderung, das schon lange geplante ElKi zu errichten. Und der Brandbrief an die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig folgte kurz darauf. Nun, aktuell in 2022, liegt ein neuer Brandbrief auf dem Tisch. Erneut verlassen sechs Ärzte und Ärztinnen, darunter sogar die Klinikchefin Professor Dr. Bertsche, die wir ja hier auch schon in den Anhörungen vor uns hatten, die Kinderklinik der Universitätsklinik. Wie weit muss es denn noch kommen, diesen unvermisslichen Schritt der engagierten Ärztinnen und Ärzte zum Anlass einer kritischen Introspektion zu nehmen?! Das viel beschworene Potenzial von Change Management blieb an der Uniklinik Rostock anscheinend aus. Seit Jahren gibt es in Rostock aufgrund des hohen Personalmangels Versorgungsprobleme in verschiedenen Spezialgebieten, zum Beispiel in der Kinderrheumatologie, -kardiologie und Kinderintensivmedizin. Diese erkrankten jungen Patientinnen und Patienten müssen nach Greifswald oder Berlin ausweichen, ihre Eltern und Familien entsprechend lange Fahrtwege für Besuchszeiten auf sich nehmen. Die Unimedizin war in den vergangenen Jahren in den Bildungsministerien verortet. Mit der neuen Legislaturperiode ist sie in das Wissenschaftsministerium übergegangen. Meine Damen und Herren, die Universitätsmedizin in Rostock zählt zu den Leuchttürmen unseres Landes. Das darf man, denke ich, an dieser Stelle nicht verschweigen. Sie steht für exzellente Ausbildung, Forschung und medizinische Höchstleistungen. Wir wollen, dass in dem Bereich Kindermedizin Ruhe einkehrt, alles nur Mögliche getan wird, um die Versorgung in allen Gebieten für Kinder und Jugendliche zu garantieren. Es müssen Bedingungen für eine längere Verweildauer von gerade Spezialistinnen und Spezialisten geschaffen werden. Alle Akteurinnen und Akteure des Landes müssen zusammenkommen und Lösungen finden. Darum geht es, um Lösungen. Es ist keine Zeit mehr für Bemühungen, wir brauchen Ergebnisse. Ein kurzer Satz sei erlaubt zum ElKi. Bei der Präsentation des Gutachtens zum Eltern-Kind-Zentrum fiel der Satz: „Vorschläge liegen auf dem Tisch, jetzt bedarf es einer politischen Entscheidung.“ Gestalten Sie, entscheiden Sie, dass auch die Kinderklinik mit zu dem Leuchtturm Universitätsmedizin in Rostock gehört! – Danke schön! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, FDP und Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
