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Bettina Martin

07.10.2022 Sitzungen 8/34

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ja, wir widmen uns diesem Problem, und das nicht erst heute wegen dieses Antrages, sondern seit mehr als einem Jahr vehement vor Ort. Wir haben als Landesregierung über den Aufsichtsrat die Stabilisierung der Kinder- und Jugendmedizin in Rostock an der Unimedizin Rostock zur absoluten Priorität erklärt. (Sebastian Ehlers, CDU: Aha!) Und der Vorstand weiß auch, dass er liefern muss, und das tut er seit Langem. Und ich möchte hier einmal sagen, es gibt einen Punkt, Herr Peters, wo ich Ihnen zustimme: Das ist ein schwieriges Thema. Und wir haben deutschlandweit das Thema mit der Kinder- und Jugendmedizin und mit dem Thema Fachkräfte. Insofern finde ich es richtig, dass wir darüber reden, ganz vieles aber an dem, was Sie gerade sagten, nicht richtig. Und ich möchte gleich zu Anfang hier sagen, es muss ein Ende haben, dass wir die Unimedizin Rostock und vor allen Dingen die Kinder- und Jugendmedizin schlechtreden, (Heiterkeit bei Sebastian Ehlers, CDU: Die offenen Briefe sind doch nicht von uns.) dass wir hier skandalisieren und damit ganz sicherlich nicht dazu beitragen, dass Leute sich an der Unimedizin, Fachkräfte, bewerben. Insofern möchte ich das einmal hier festhalten. (Sebastian Ehlers, CDU: Sagen Sie das denjenigen, die diesen Brief geschrieben haben! – Zuruf von Daniel Peters, CDU) Hören Sie einfach auf, dieses Thema zu skandalisieren und zu benutzen! (Sebastian Ehlers, CDU: Sagen Sie das den Ärzten, die das geschrieben haben! – Zuruf von Daniel Peters, CDU) Das ist nicht gut für die Kinder und Jugendlichen, die eine hervorragende Betreuung und Versorgung verdient haben. (Zurufe von Sebastian Ehlers, CDU, und Daniel Peters, CDU) Und deswegen lassen Sie uns, (Rainer Albrecht, SPD: Hören Sie doch auf!) lassen Sie uns hier einfach mal anschauen, wie die Fakten wirklich sind. Wie gesagt, der Aufsichtsrat hat in den Vorstand hineingegeben, dass die Kinder- und Jugendmedizin, die Stabilisierung absolute Priorität zu haben hat, und das wird jetzt auch geliefert vom Vorstand. Und so ist es seit dem vergangenen Jahr. Anders, als Sie es hier darstellen, ist viel passiert: Erstens. Die Landesregierung hat als ersten Schritt dafür gesorgt, dass die UMR zusätzlichen finanziellen Spielraum erhält, Sie haben es erwähnt, für 2021 2 Millionen, für 2022 zusätzlichen Spielraum von 5 Millionen. Zweitens. Anlass für den damaligen sogenannten Brandbrief zur Kinder- und Jugendmedizin an der Unimedizin Rostock vom Sommer 2021 war vor allem die Kritik an der zu geringen Anzahl der Stellen im ärztlichen Dienst. Hier hat der Vorstand inzwischen gehandelt. Die Stellen wurden seitdem kontinuierlich ausgebaut, im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent. Und das möchte ich hier betonen, weil Ihr Antrag einen anderen Eindruck vermittelt. Die Neubesetzungen übersteigen seit einem Jahr den Weggang. Als damals im Sommer 2021 der Chef der UKJ, Professor Däbritz, mit Weggang drohte, war seine Forderung ein Aufwuchs für den ärztlichen Dienst auf 32 Stellen. (Daniel Peters, CDU: Der hat nicht nur gedroht.) Dieser Stellenaufwuchs ist erfolgt: 32 VK an der UKJ, das ist die Benchmark, 32 Vollzeitstellen. Doch die Anzahl ist ausdrücklich nach oben offen. Wenn mehr Fachkräfte gewonnen werden können, dann wird die Zahl der Vollzeitkräfte im ärztlichen Dienst entsprechend dem Bedarf weiter steigen. Das ist eine gute Entwicklung und zeigt, dass der Vorstand der Unimedizin es sehr ernst meint mit der Stabilisierung der UKJ. Und auch das heißt nicht, dass alles perfekt ist, weil wir wissen, es gibt dort Sorgen und es gibt dort Engpässe. Das wissen wir, aber der Vorstand handelt und es ist viel passiert seit letztem Jahr. Ja, es stimmt auch, dass zum 1. Oktober einige Ärztinnen und Ärzte gegangen sind, in den Ruhestand oder weil sie sich beruflich oder örtlich verändern wollten, aber Fakt ist, dass aktuell nach Auskunft der UMR mehr ärztliche Stellen besetzt sind als je zuvor an den UKJ. Fakt ist auch, dass eine gewisse Fluktuation an einer Uniklinik, die junge Ärzte ausbildet, nichts Ungewöhnliches ist. Und Fakt ist außerdem, dass weitere Ausschreibungen laufen, sodass auch in den kommenden Monaten weitere Stellen besetzt werden. Auch Ärztinnen und Ärzte, die im Moment ein Berufsverbot haben oder in Elternzeit sind, werden ab dem 15.12. sukzessive zurückkommen. Es werden also sehr bald mehr als 32 Stellen besetzt sein. Die UKJ ist auf gutem Weg, sich zu stabilisieren. Das will nicht heißen, dass die Situation nicht schwierig ist, Fachkräfte in der Pädiatrie zu gewinnen. Das ist sie deutschlandweit und so auch für die UKJ, ebenso wie für alle anderen Krankenhäuser bei uns im Land – und auch darüber war in den vergangenen Wochen ausgiebig in der Presse zu lesen –, aber es wird vor Ort alles getan, um voranzukommen. Ein weiterer Eckpfeiler für die Stabilisierung ist, dass zusätzliche Professuren in der Kindermedizin geschaffen werden, und zwar zusätzlich zu den mindestens 32 Vollzeitstellen im ärztlichen Dienst. Nachdem der frühere Vorstand vor circa sechs bis acht Jahren die Professorenstellen in der Kindermedizin ausgedünnt hat, wurden jetzt an der UKJ insgesamt sechs Professuren eingerichtet. Die Besetzungsverfahren laufen und werden in der nächsten Zeit abgeschlossen. Und auch das ist ein großer Gewinn, weil jede Professur natürlich mit weiteren Kapazitäten, mit einer weiteren personalen Ausstattung daherkommt. Und natürlich ist auch der Zuwachs an Professuren ganz wichtig für die Ausbildung von qualifizierten Nachwuchskräften in diesem Bereich. Aber nicht nur bei den Stellen hat sich an der UKJ einiges getan, der Vorstand hat auch Strukturveränderungen auf den Weg gebracht. In der Vergangenheit war die Kindermedizin an der Unimedizin Rostock in getrennten Kliniken organisiert: die Kinder- und Jugendklinik, die Klinik für Kinderchirurgie oder die Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychiatrie im Kinder- und Jugendalter. Jetzt plant der Vorstand, die unterschiedlichen Disziplinen in einem Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin zusammenzulegen. Auch dieser Schritt wird zu nachhaltigen Verbesserungen führen. Der Prozess, die UKJ weiter zu stabilisieren, ist in vollem Gang. Die Versorgung der Kinder und Jugendlichen ist gesichert. Wer anderes behauptet, weiß es nicht besser oder will es aus parteipolitischem Klein-Klein nichts besser wissen. Und ja, dass zum 01.10. die Neuropädiatrin Professorin Bertsche zur Kindermedizin an die Unimedizin Greifswald gegangen ist, das ist gut für Greifswald – das ist eine hervorragende Spezialistin –, aber in der Tat aus Sicht der Unimedizin Rostock sehr zu bedauern. Bis diese Stelle an der UKJ wieder besetzt ist – und sie ist bereits ausgeschrieben –, zählt die UKJ auf die Unterstützung durch Greifswald, um die Zeit zu überbrücken. Und, sehr geehrte Damen und Herren, in der Medizin und gerade in der Pädiatrie, muss zukünftig insgesamt stärker kooperiert werden, denn es wird deutschlandweit und auch an weitaus größeren Standorten immer schwieriger, den ganzen Fächerkanon abzubilden. Kooperation und innovative Ansätze sind notwendig, damit auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige Versorgung sichergestellt werden kann. Und wir wissen doch auch alle miteinander, dass der Fachkräftebedarf an Pädiatern deutschlandweit riesig ist. Hinzu kommt, dass sich immer mehr Subdisziplinen bilden. Wir tun alles, was möglich ist, um den Bedarf zu decken. Das genießt – ich hatte es eingangs gesagt – bereits allerhöchste Priorität. Aber dass sich das als sehr schwierig herausstellt, liegt doch nicht daran, dass irgendwo irgendwer sitzt und Däumchen dreht. Wir haben es hier mit einem deutschlandweiten Phänomen zu tun, und deswegen muss es endlich ein Ende haben mit dem Schlechtreden der Unimedizin Rostock. Das permanente Skandalisieren seit dem Sommer 2021 hilft ganz sicherlich nicht dabei, dass qualifizierte Ärztinnen und Ärzte sich für die Unimedizin Rostock entscheiden, im Gegenteil, diese Skandalisierungskampagne, die seit Sommer 2021 gegen die Unimedizin Rostock, aber vor allem gegen die Kinder- und Jugendmedizin gefahren wird, schadet der Unimedizin Rostock und damit der optimalen Versorgung der Kinder und Jugendlichen in Rostock. (Daniel Peters, CDU: Lieber totschweigen.) Ich habe, glaube ich, erklärt, was vor Ort erfolgt ist. Dieses Skandalisieren muss endlich ein Ende haben. Und, sehr verehrte Damen und Herren Abgeordnete, erlauben Sie mir zum Ende noch ein Wort zu den weiteren Schritten, die die Landesregierung plant. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Ein Konzept hierfür muss uns medizinisch in der Versorgung der Kinder und Jugendlichen in Rostock nach vorne bringen und gleichzeitig die klinischen und sonstigen Belange der beiden beteiligten Kliniken berücksichtigen. Es geht um die Einrichtung eines Eltern-Kind-Zentrums. Die Landesregierung hat da sehr klar gesagt, wir bekennen uns und wir wollen die Einrichtung eines Eltern-Kind-Zentrums, das sozusagen die Unimedizin Rostock, die Kinder und die UKJ zusammen mit der Südstadtklinik umfasst. (Daniel Peters, CDU: Und?) Bei der UMR kommen die Belange aus medizinischer Forschung und Lehre dazu. Das alles hinzukriegen, ist komplex und lässt sich erfolgreich nur gemeinsam mit den Beteiligten vor Ort umsetzen. Kooperation ist hier das Gebot der Stunde. Hier bin ich gemeinsam mit der Gesundheitsministerin mitten in einem breiten und intensiven Diskussions- und Entscheidungsprozess mit allen Beteiligten. Und Sie, lieber Herr Peters, haben ja ausgeführt, wie oft Sie vor Ort sind und wie gut Sie da vernetzt sind. Dann wissen Sie ja auch, wie komplex diese Frage ist, die Einrichtung eines Eltern-Kind-Zentrums, und welche unterschiedlichen Interessen auch hier eine Rolle spielen. Wir sind dran an einer Lösung, und diese Lösung muss medizinisch sinnvoll und politisch tragbar sein. Und wo sind eigentlich Ihre Vorschläge für eine konstruktive Lösung vor Ort? (Torsten Koplin, DIE LINKE: Die stehen da drin. Die sind hanebüchen.) Bisher höre ich vonseiten der CDU nur persönliche, (Daniel Peters, CDU: Hanebüchen ist nur, dass Sie behaupten, dass Sie nicht zuständig sind. Das ist die Wahrheit.) nur persönliche Angriffe und ein Schlechtreden der UMR. (Daniel Peters, CDU: Ein halbes Jahr lang haben Sie auf Herrn Glawe gezeigt, das ist die Wahrheit.) Das ist nicht nur zu wenig, es schadet auch der Unimedizin Rostock, und die Unimedizin Rostock ist der Maximalversorger vor Ort, der größte Arbeitgeber, der größte Arbeitgeber. (Sebastian Ehlers, CDU: Das ist eine schwache Kür hier.) Wir können es uns nicht leisten, diesen Standort weiter schlechtzureden. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Ich jedenfalls würde es sehr begrüßen, (Sebastian Ehlers, CDU: Das ist ein Totschlagargument.) wenn wir in der Zukunft in eine sachliche Debatte (Sebastian Ehlers, CDU: Weil Ihnen nichts mehr einfällt.) über dieses Thema zurückfinden, zum Wohl der UKJ und vor allen Dingen zum Wohl der Kinder und Jugendlichen. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

Alle Reden von Bettina Martin Protokoll ↗