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Thore Stein

AfD 06.10.2022 Sitzungen 8/33

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Herr Minister Backhaus hat ja jetzt schon einiges ausgeführt zur Lewitz und er hat auch als Einziger bisher das Wort „Kultur“ in den Mund genommen, denn die Lewitz ist eine Kulturlandschaft. Und wenn wir heute über Renaturierung reden und über die Wiederherstellung eines vorherigen Zustandes, müssen wir uns eigentlich auch mal fragen, wo wir eigentlich hinwollen. Die Lewitz ist nämlich wie so viele Regionen in Mecklenburg-Vorpommern in der norddeutschen Tiefebene ein Überbleibsel der letzten Eiszeit, also eine typische Abflussrinne der Gletscher, und war dann, bis die Menschen kamen und dieses Gebiet, was stark bewaldet war, abgeholzt haben, eben eine riesige undurchdringbare Sumpf- und Waldlandschaft. Und erst durch eben die Urbarmachung und Kultivierung durch den Menschen ist das entstanden, was wir heute als Lewitz kennen und verstehen. Daher würde ich gern wissen, was eigentlich mit der Renaturierung gemeint ist, wo wollen Sie eigentlich hin zurück, in die Steinzeit oder ins Mittelalter. Das ist jetzt nicht sarkastisch gemeint, meine Frage. Wo ist eigentlich die Zielvorstellung bei diesen ganzen Renaturierungsgeschichten? Denn es ist ja auch so, dass vieles der Biodiversität, die wir kennen, die wir heute schätzen, die wir auch teilweise verloren haben, die war ja vor 1.000 Jahren gar nicht vorhanden. Das ist ja eine ganz klare Kulturfolgebiodiversität, dass viele Tierarten, die heute vorkommen in Deutschland, seinerzeit eben nicht hier waren in der Hülle und Fülle. Und somit müssen wir uns auch immer die Frage stellen, ob wir eben alles auch wieder zurückdrehen wollen oder ob wir nicht einfach anerkennen müssen, dass die Natur durch den Menschen geformt worden ist eben zu einer Kulturlandschaft. Und der Wandel eben dieser Urlandschaft aus den großen Mooren hin zu der, das hatte ich eben ja schon erwähnt, genau, auch da ist einmal festzuhalten, dass die ersten Ansätze, die Lewitz zu renaturieren oder unter Schutz zu stellen, sind ja, wie Herr Terpe schon richtigerweise sagte, in den 30er-Jahren aufgenommen worden. Seinerzeit ist das immerhin größte Naturschutzgebiet Norddeutschlands – die Lewitz hieß es damals schon – gegründet worden, und eigentlich erst durch die großflächige Entwässerung der 60er-Jahre in der DDR ist da eben vieles verloren gegangen, was seinerzeit vorhanden war. Und dankenswerterweise ist dann im Anschluss an die Wende das wieder aufgenommen worden, was schon in den 30er-Jahren umgesetzt worden ist, nämlich ein konsequenter Naturschutzgedanke, aber – und das ist auch eben sehr wichtig – immer auch unter Berücksichtigung der Nutzungsansprüche durch den Menschen. Denn das dürfen wir auch nicht vergessen, der Mensch hat auch einen Nutzungsanspruch an die Natur, an die Landschaft, er formt sie, und wir müssen ein ausgewogenes Verhältnis finden. Und wenn wir uns heute die Lewitz angucken, dann ist diese Region stark geprägt von der Weidehaltung, sie ist geprägt von der Pferdezucht und primär von der Grünlandwirtschaft. Das sind ja alles Landwirtschaftsformen, die so gesehen eine relativ geringe Eingriffstiefe in den Naturhaushalt haben, im Gegensatz zu einer hochintensiven Ackerbauregion. Also auch da wäre es mir immer sehr recht, wenn wir das ein bisschen im relativen Verhältnis zueinander betrachten. Und was noch gar nicht angesprochen worden ist bei dem ganzen Gedanken, das Wasser in der Lewitz zurückzuhalten, ist das, was wir eigentlich auch in der Umgebung damit bewirken, denn die Lewitz speist zum allergrößten Teil den Wasserbedarf des Schlossparks in Ludwigslust. Das heißt, in dem Moment, wo wir sagen, die Lewitz wollen wir renaturieren komplett, also die Wasserstände wieder anheben – das würde ja heißen, den Abfluss zu begrenzen oder auf null zu setzen –, würde auch kein Wasser mehr in den Schlosspark Ludwigslust reinfließen. Das heißt, wir schützen auf der einen Seite Natur, aber zerstören eine Kulturlandschaft, und das wollen wir nicht. Und das ist nämlich eben, um das jetzt mal so ein bisschen in Ihre Richtung zu spielen von den Antragstellern, eine Sache, die mich häufig bei Ihren Anträgen stört. Ihnen reicht häufig nicht das, was wir schon erreicht haben an Naturschutz-, an Umweltschutzgedanken. Sie wollen immer noch einen Schritt weiter gehen. Und auch dieser Antrag sagt ja wieder, am Ende muss sich alles, also müssen sich die Nutzungsansprüche der Menschen einem wirklich fast schon radikalen Naturschutzgedanken unterordnen, der letztlich daraus resultiert, dass Sie alles einer fast schon Pseudoreligion, dieser Klimakatastrophe, unterordnen und glauben, wenn wir jetzt nicht alles auf null zurücksetzen, wird hier im Jahr 2030 oder im Jahr 2040 die Welt untergehen. Und da verwehren wir uns ganz entschieden gegen, weil wir eben ganz klar, (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) weil wir eben ganz klar sagen, dass die Belange der Landnutzung, die Belange der Nutzungsansprüche der Menschheit an diesem Naturraum eben auch nicht völlig außer Acht gelassen werden dürfen. Und so, wie letztlich die Energiewende, die Sie hier seit Jahren vorantreiben, die Unternehmen scharenweise aus dem Land treibt, und das nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine, so ist es so, dass Ihre grüne Agrarwende, die Sie ja auch schon vor 10/15 Jahren ausgerufen haben auf Ihren Parteitagen, letztlich die Axt an die Wurzel der landwirtschaftlichen Selbstversorgung in Deutschland legt, denn auch diese Frage müssen Sie erst mal beantworten, wo sollen eigentlich die Lebensmittel für 80 Millionen Menschen herkommen, (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) wenn wir hier diese ganzen Flächen, die Herr Damm eben angesprochen hat, einfach wiedervernässen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Und von Röhricht und Schilf kann nun mal kein Mensch leben. Daher ist auch diese Paludikultur eine ganz nette Sache, kann man gut vermarkten, alles schön und gut, aber leben kann davon eben keiner. Und diese Frage müssen Sie erst mal beantworten. Und ich glaube, meine Zeit ist jetzt auch rum. – Danke schön! Wir lehnen Ihren Antrag also dementsprechend ab. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)

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