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Barbara Becker-Hornickel

FDP 06.10.2022 Sitzungen 8/33

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordneten! Frau Klingohr, Sie haben begonnen, es ist ein schönes Thema. Das gestehe ich Ihnen zu, aber ich glaube, eine Frage hat sich mir in dieser ganzen Diskussion gezeigt: Was ist eigentlich alt? Also es ist ein völliger Unterschied und es ist eine Frage der Perspektive, was ist eigentlich ein gutes Leben. Ist es das gute Leben, das ich habe mit nun fast 69 Jahren – ich habe ein gutes Leben –, oder ist es das gute Leben meiner Mutter, die 92 ist und doch manchmal ganz andere Ansichten über gutes Leben hat? Aber es ist alles in Ordnung. Ich denke, es ist ein ganz wichtiges Thema, und ich finde es absolut richtig, dass es heute hier auf dem Tisch liegt. Am 20. Oktober tagt in diesem Saal das 12. Altenparlament Mecklenburg-Vorpommerns und ich werde dabei sein und freue mich auf Informationen aus erster Hand, weil wir sollen die Betroffenen fragen, was ist eigentlich für sie wichtig. Und Seniorenpolitik ist nicht nur aufgrund der Demografie unseres Bundeslandes von großer Bedeutung, sondern ich denke, es ist auch wichtig für die Anerkennung der Lebensleistung von älteren Menschen. Ihnen gebührt unser Dank und Respekt. Und es ist richtig, dass sie ihre Forderungen, Wünsche und Herausforderungen deutlich in diesem Hause deutlich machen. Danke schön an alle Engagierten! Meine Damen und Herren, wir als FDP-Fraktion erkennen Ihre Aktivitäten, um die Einsamkeit und die Bedeutung, die Sie diesem Thema geben, insbesondere Einsamkeit von älteren Menschen, ohne Zweifel an, aber wir fordern auch Zahlen und Daten, klare Fakten. Ein Einsamkeitsbericht, wie von uns angeregt, der alle Bevölkerungsschichten einbezieht, könnte bei diesem Thema für zusätzliche Aufklärung und zielgerichtete Maßnahmen sorgen. Ja, natürlich, die Quantifizierung von Einsamkeit ist schwierig, und Einsamkeit hat viele Gesichter und ist nicht nur eine Frage des Alters. Trotzdem trifft sie viele ältere Menschen. Sie schleicht sich unmerklich ins Leben ein und kann krankmachen. Es hilft, Tutoren aufzubauen. Sie haben in Ihren Antrag das Silver-, ich glaube, Silver-Telefon, benannt, aber es gibt so Plauderbänke. Als ich für dieses Thema recherchiert habe, habe ich gedacht, mein Gott, was ist eine Plauderbank. Ja, solche Angebote muss es schlicht und einfach geben. Und auch einfach mal reden – Telefon –, einfach mal reden, vielen älteren Menschen fehlt jemand zum Reden. Und, Herr Förster – jetzt ist er leider nicht da –, die Strukturen unserer Gesellschaft sind heute nicht mehr, wie sie waren. Wir alle leben in diesen Strukturen. Ich nehme mal wieder das mir immer gegenwärtige Beispiel meiner 92-jährigen Mutter, die ganz klar im Kopf ist, aber leider sehr krank, auch palliativ betreut wird. Sie hat zwei tolle Kinder – klar, zwei Töchter, dazu gehöre ich – und sieben Enkel, finde ich auch eine ganz stolze Ausbeute heutzutage. Aber die sagt doch eines zu mir, das hat mir ein bisschen wehgetan. Ich versuche, ach, so oft wie möglich auch bei ihr zu sein, sie liebt Stralsund, ist nicht allzu weit. Meine Schwester kümmert sich in anerkennenswerter Art und Weise um meine Mutter, ich bedanke mich dann wieder bei meiner Schwester. Und dann sagt meine Mutter vor 14 Tagen zu mir, Barbara, du musst eigentlich deiner Schwester ganz dankbar sein. Guck ich sie so an, hm, meine kleine Schwester, sechs Jahre jünger als ich, mein Gott, was hat die mich genervt. Aber der nächste Satz war, du verwirklichst dich, du machst das, was du schon immer wolltest. Du hast einen tollen Job gemacht, du hast beschlossen – ich war ja schon in Rente dann –, weil deine Partei es wohl für ganz gut befand, dich dann wirklich der Wahl zu stellen, und jetzt bist du wieder mitten im Leben. Das kannst du doch nur, weil du die Sicherheit hast, dass deine Schwester immer für mich da ist. Habe ich so noch nie gesehen, aber ich denke, auch hier sieht man die Wichtigkeit auch einer Familie. Ihre Enkelkinder sieht meine Mutter eher selten, weil die sind über die ganze Bundesrepublik verstreut, und Sie können mir glauben, mit 92 Jahren strengt das auch manchmal an. Also sie sagt auch, nee, will ich einfach nicht sehen. Und durch meine Mutter kenne ich auch die Probleme, die sie hat. Es ist wirklich auch für ältere Menschen eine Herausforderung, den Weg zum Arzt im dritten Stockwerk – selbst mit Fahrstuhl – zu schaffen, wenn mit dem Rollator erst ein paar Stufen zu überwinden sind. Sie hat aus diesem Grund ihre langjährige Ärztin gewechselt. Aber wie es das Leben so will, die neue junge Ärztin hat es geschafft, mit einer anderen Ansprache ihr wirklich neuen Lebensmut zu geben. Und da sind wir auch bei einem Thema, das fehlt mir, aber wir sehen uns – wir tragen übrigens den Antrag der GRÜNEN mit –, wir sehen uns dann alle am runden Tisch. Es fehlt an baulichen Gegebenheiten, auch altersgerechter zu gestalten. Es gibt genügend Ansätze, aber es fehlt doch manchmal am konsequenten Willen, sie auch durchzusetzen. Und es hängt auch nicht zuletzt an unglaublicher Bürokratie. Wir alle, Innenstädte, Fahrräder, aber denkt auch jemand an ältere Menschen, die eventuell nicht mehr nur mit ÖPNV und dann sich auch noch mal in der Stadt sehen wollen, die Schwierigkeiten haben?! Probieren Sie es mal, nehmen Sie einen Rollator, einen schön schweren, einen von der gesetzlichen Krankenkasse, nicht so einen Porsche, wie meine Mama hat, und fahren Sie damit durch die Gegend! Jedes kleinste Steinchen, jede Straße ist unglaublich schwer zu überwinden. Frau Drese, Sie haben es angesagt, vorgetragen, das ist völlig in Ordnung, viele ältere Menschen engagieren sich im Ehrenamt. Aber hier denke ich, man kann auch darüber nachdenken, die Ehrenamtspauschale zu erhöhen. Das könnte ein wichtiger Schritt zur Anerkennung sein. Und wir brauchen neue Angebote für die Ehrenamtskarte, dass wir hier attraktive Angebote auch für Ältere haben. So nutzen wir ein bestehendes System und erhöhen die Akzeptanz. Wir möchten, so gelangen die Älteren wieder zu mehr Vitalität, indem sie sich als selbstwirksam in der Hinwendung zu anderen erleben. Dieses bürgerschaftliche Engagement von älteren Menschen nimmt sie mit auf, nimmt sie mit im gesellschaftlichen Leben. Ich bin wieder bei einer 92-Jährigen und nicht bei einem jungen Ding, wie ich bezeichnet werde von meiner Mutter mit mittlerweile auch fast 69 Jahren, dass wir wissen, die Bekannten, die Freunde, sie sind nicht mehr da. Und dann ist es durchaus so, dass man einmal schaut, was kann man eigentlich noch machen. Und da finde ich eigentlich gesamtgesellschaftliche Angebote völlig in Ordnung, dass man dort noch mal etwas hat, wo man anknüpfen kann, wo auch von außen noch mal Anregungen da sind. Natürlich, als FDP sehen wir ganz deutlich gerne in Ihrem Antrag positiv die Themen zur digitalen Teilhabe. Sie muss dringend sichergestellt werden. Für eine Alte wie mich überhaupt kein Problem, ich bin mittendrin, aber für meine Mama, die sagt, geh mir weg mit dem Schiet, was soll ich damit, ich kann alles nicht mehr sehen, meine Hände sind zu groß. Und natürlich, ich war jetzt da, nächste Woche haben wir etwas Zeit, da ist mir wirklich die Pistole auf die Brust gesetzt worden: Du bist doch da am Parlament, mach doch mal was, mach mir jetzt die Grundsteuererklärung! Also das werde ich dann nächste Woche machen, mit meiner eigenen habe ich es schon gepackt. Also, meine Damen und Herren, wir alle haben auch fraktionsübergreifend die Ergebnisse der letzten Enquete-Kommission „Alter werden in M-V“ anerkannt und uns zur Umsetzung bekannt. Wir befürworten den Änderungsantrag der GRÜNEN und wir sollten alle für unser Leben im Alter etwas tun. Fangen wir an! Und unsere FDP-Fraktion stimmt Ihrem Antrag zu. – Danke! (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP und Henning Foerster, DIE LINKE)

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