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Stefanie Drese

06.10.2022 Sitzungen 8/33

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ich freue mich, dass dieser Antrag die größte Gruppe in unserem Land, die Seniorinnen und Senioren, in den Fokus nimmt. Ich erzähle Ihnen sicher nichts Neues, wenn ich Ihnen mitteile, dass wir in Mecklenburg-Vorpommern im Bundesvergleich besonders alt sind – alt sind, aber nicht alt aussehen, das ist ein wichtiger Unterschied. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Mecklenburg-Vorpommern hat mit 47,4 Jahren das dritthöchste Durchschnittsalter in Deutschland. Der viel zitierte demografische Wandel ist also in unserem Land schon weiter vorangeschritten, und 565.000 Einwohnerinnen und Einwohner in Mecklenburg-Vorpommern sind 60 Jahre oder älter. Das entspricht einem Anteil von mehr als 35 Prozent der Gesamtbevölkerung. Da, wo andere Länder hinkommen, sind wir also schon. (Thore Stein, AfD: Das ist ja eine Erfolgsleistung!) Umso wichtiger ist es, dass wir uns noch intensiver um die jetzt schon größte Bevölkerungsgruppe in unserem Land kümmern. Dass die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern älter werden, ist doch auch eine gute Nachricht, vor allem deshalb, weil viele Seniorinnen und Senioren aktiv bleiben und sich bürgerschaftlich engagieren. Von deren Wissen, Erfahrung und Engagement profitiert unsere Gesellschaft enorm, in der Familie, im Verein, im sozialen Bereich oder als helfender Angehöriger. Das weiterhin zu ermöglichen und zu unterstützen, ist unsere Aufgabe, und diese Aufgabe erfüllen wir auf verschiedenen Ebenen mit großem Engagement. So ist die Landesregierung im Bereich der Seniorenförderung schon seit Jahren sehr aktiv, zum Beispiel mit der Finanzierung der Ausbildung zur seniorTrainerin beziehungsweise zum seniorTrainer. Es ist schon angeklungen in der Einbringung, aktuell haben wir fast 800 Seniorinnen und Senioren, die diese Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben und nun sich zum Beispiel als Vorleser in Kindertagesstätten, als Job- und Familienpate, als Flüchtlingshelfer, als Wunschoma oder in Seniorenbeiräten engagieren. Mit dieser Ausbildung fördern wir das ehrenamtliche Engagement, aber tragen auch dazu bei, Aspekten wie Einsamkeit entgegenzutreten, denn so können sich Seniorinnen und Senioren sinnstiftend einbringen und sind durch diese Arbeit zeitgleich gemeinschaftlich eingebunden. In der Welt, in der wir heute leben, spielt aber auch die digitale Teilhabe eine wichtige Rolle. Sie ermöglicht es uns allen, miteinander verbunden zu bleiben, und ist auch deswegen für Seniorinnen und Senioren wichtig. Deshalb fördert die Landesregierung auch die Ausbildung zum SilverSurfer an zwei Standorten im Land, in Schwerin und in Greifswald. Aktuell sind circa 60 SilverSurfer aktiv. (Der Abgeordnete Thore Stein pfeift.) Sie unterstützen ehrenamtlich Seniorinnen und Senioren (Thore Stein, AfD: SilverSurfer!) beim Umgang mit einem Smartphone, einem Tablet oder einem Computer. Dabei animieren die SilverSurfer mit ihrer Arbeit auch weitere Seniorinnen und Senioren dazu, sich ebenfalls zum SilverSurfer ausbilden zu lassen. Über diese Ausbildung hinweg fördert die Landesregierung auch den Landesseniorenbeirat institutionell. Er setzt sich an breiter Front für die Belange der Seniorinnen und Senioren ein und ist deshalb ein geschätzter Partner. In Kürze haben wir das 12. Altenparlament, das maßgeblich vom Vorstand des Landesseniorenbeirats vorbereitet wird. Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete, Seniorenpolitik spielt sich zum Großteil auf kommunaler Ebene ab. Die kreisfreien Städte und Landkreise entscheiden vor Ort selbstständig über die Gestaltung ihrer Seniorenpolitik, viele von ihnen haben seniorenpolitische Gesamtkonzepte entwickelt. Die Landesregierung steht der kommunalen Ebene hierbei unterstützend zur Seite. Das tun wir zum Beispiel mit einem Handwerkskasten, den wir ihnen in Form eines Handlungsleitfadens als Broschüre an die Hand geben. Sie unterstützt sowohl die Landkreise und kreisfreien Städte bei der Entwicklung eines seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes als auch die kreisangehörigen Städte, Ämter und Gemeinden bei der Umsetzung eben dieser. Angesprochen werden in der Broschüre ganz vielfältige Themenbereiche, wie zum Beispiel das Wohnen im Alter, die integrierte Orts- und Entwicklungsplanung, das bürgerschaftliche Engagement und die gesellschaftliche Teilhabe, um nur einige zu nennen. Ausgestattet ist der Leitfaden zusätzlich mit detaillierten Arbeitsschritten zur Erarbeitung eines Konzepts, das sämtliche Schritte von der Istanalyse bis zur Analyse der Ressourcen und Defizite enthält. Mit diesem Handwerkskasten kann die Landesregierung die kommunale Ebene also entlasten, unterstützen und durch diesen Prozess begleiten. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wo die Landesregierung allerdings federführend aktiv werden kann, das ist die Einberufung eines runden Tisches gegen Einsamkeit im Alter. So ist Einsamkeit ein Schwerpunkt des zuständigen Fachreferats in meinem Haus und wir stehen im regelmäßigen und festen Austausch mit dem Landesseniorenbeirat auch zu diesem Thema. Einsamkeit kann auch entgegengewirkt werden, indem man Räume und Möglichkeiten für Begegnung, sinnstiftende Arbeit und Austausch schafft, indem man einen Anlass für Gesellschaft bietet und so Menschen zusammenbringt. Die von mir erwähnten Angebote wie die Ausbildung zum seniorTrainer oder SilverSurfer sind nur Beispiele dafür. Natürlich erreichen wir mit dieser Ausbildung bei Weitem nicht alle Seniorinnen und Senioren im Land. Daher ist ein runder Tisch unter der Beteiligung von vielfältigen Verbänden, Vereinen und Akteuren zur Erarbeitung von Lösungsansätzen wirklich sehr zu begrüßen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, abschließend möchte ich zum ehrenamtlichen Engagement im Land noch einige Dinge ausführen. Zahlreiche Studien belegen, dass ältere Menschen überdurchschnittlich häufig ein Ehrenamt aufnehmen, aber die Zahlen zeigen auch, dass sich Mecklenburg-Vorpommern insgesamt mehr engagiert. Zeigte der erste Freiwilligensurvey im Jahr 1999 noch eine Engagementquote von 28 Prozent in M-V, so waren es 2019 bereits fast 38 Prozent. Wir sehen hier also eine deutliche Steigerung, die mich immens freut. Freiwilliges Engagement fördern wir dabei auf eine ganz vielfältige Weise, ob mit Ehrungen wie dem Tag des Ehrenamts, der Verleihung des Landesordens für besonders herausragendes Engagement für unser Land, ob mit der Ehrenamtsnadel oder dem Ehrenamtsdiplom. Seit 2020 gibt es zusätzlich noch die Ehrenamtskarte. Mit ihr dankt die Landesregierung Menschen, die sich besonders ehrenamtlich verdient gemacht haben. Bisher wurden rund 5.400 Ehrenamtskarten vergeben. Wir haben mit etwa 260 Partnern, die Vergünstigungen anbieten, einiges in diesem Bereich zu bieten. Das sind beachtliche Zahlen, wie ich finde. Auch die Ehrenamtsstiftung in M-V leistet wichtige Arbeit in diesem Bereich. Darauf können wir aufbauen. Ihren Auftrag an die Landesregierung, eine Engagementstrategie zu entwickeln, begrüße ich daher ausdrücklich, denn um die Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement zu verbessern und um weitere Bürgerinnen und Bürger für ein Engagement zu begeistern, ist ein strategisches und gemeinsames Vorgehen der richtige Weg. Ich erlaube mir aber, auch darauf hinzuweisen, dass die Entwicklung einer Ehrenamtsstrategie für unser Land in meinem Haus personelle und zeitliche Ressourcen binden und eine Prioritätensetzung unerlässlich sein wird, denn ein Blick auf die Erfahrungen der Länder, die eine solche Strategie bereits entwickelt haben oder im Falle von Sachsen-Anhalt beispielsweise momentan entwickeln, zeigt, die Entwicklung der Ehrenamtsstrategie nimmt einen Zeitraum von anderthalb bis zwei Jahren in Anspruch, um Ziele und Handlungsfelder festzustecken, eine interministerielle Arbeitsgruppe zu bilden und die Zivilgesellschaft eben mit einzubeziehen. Aber diese Zeit müssen wir uns nehmen, denn Ehrenamt leistet so viel für unser Land, ob für die Seniorinnen und Senioren, die eine sinnstiftende Tätigkeit und Gemeinschaft finden, ob kleinere Vereine und Verbände, die nur mithilfe von ehrenamtlicher Arbeit ihr Potenzial vollends ausschöpfen können, und selbst die, die selbst nicht im Ehrenamt tätig sind, aber von dieser Arbeit zum Beispiel in Form von Angeboten profitieren, für all diejenigen lohnt es sich, hier gemeinsam voranzuschreiten. – Danke! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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