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Christine Klingohr

SPD 06.10.2022 Sitzungen 8/33

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich glaube, ich darf jetzt ein leichtes, ein schönes Thema heute hier einbringen, und freue mich darauf, genau das mit Ihnen jetzt hier in diesem Rahmen zu diskutieren. In Mecklenburg-Vorpommern möchten wir, dass Menschen jeden Alters gut und gerne hier leben und an der Gesellschaft teilhaben können. Dafür braucht es, abgestimmt auf die unterschiedlichen Lebensphasen, differenzierte Strukturen und Angebote. Mit dem vorliegenden Antrag nehmen wir besonders die Bedürfnisse und Belange älterer Menschen in den Blick. Ein Punkt, der uns besonders am Herzen liegt und den die Seniorenpolitik in den Blick nehmen muss, ist die Gefahr von Vereinsamung. Mit fortschreitendem Alter geht die gesellschaftliche Einbindung durch das Berufsleben zurück. Oftmals nehmen auch Aktivitäten im Rahmen von Sport- oder Vereinsaktivitäten ab und soziale Kontakte verringern sich durch eingeschränkte Mobilität oder mangelnde Vernetzung. Partizipation und Teilhabe sind sowohl für die Lebenszufriedenheit als auch für die Gesundheit entscheidend. Wird Einsamkeit chronisch, erhöht sich für Betroffene das Risiko für geistige und körperliche Erkrankungen und wirkt sich weiter negativ auf ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aus. Die Stärkung gesellschaftlicher Teilhabe und Vermeidung von Isolation ist daher eine zentrale Maßnahme, um die Lebensqualität und Gesundheit älterer Menschen zu fördern. Um Einsamkeit im Leben entgegenzutreten, möchten wir eine Reihe von Initiativen anstoßen, die für sich allein jeweils zentrale seniorenpolitische Themen berühren und als Gesamtes die Einbindung und Teilhabe von Seniorinnen und Senioren von unterschiedlichen Seiten verstärken. Folgendes haben wir uns daher vorgenommen: Erstens. Wir möchten einen runden Tisch gegen Einsamkeit im Alter auf den Weg bringen. Zweitens. Wir möchten die digitale Kompetenz von Seniorinnen und Senioren stärker schulen. Und drittens. Wir möchten ehrenamtliche Beteiligung im ganzen Land strukturierter organisieren. Lassen Sie mich auf die einzelnen Punkte etwas ausführlicher eingehen: Ja, wir möchten die Kräfte zur Prävention von Einsamkeit und zur Unterstützung im Falle von Einsamkeit bündeln und so den Grundstein für ein landesweites Bündnis legen, das gezielt Lösungsansätze gegen Vereinsamung im Alter entwickelt. Zu diesem Zweck wollen wir einen runden Tisch ins Leben rufen, an dem sich verschiedene gesellschaftliche Akteure wie beispielsweise die Vereine und Verbände der Freien Wohlfahrtspflege, der Landesseniorenbeirat, der Seniorenring und viele weitere versammeln. Neben der analogen Teilhabe von Angesicht zu Angesicht kommt außerdem der digitalen Teilhabe eine immer größere Bedeutung zu. Das Internet bietet zahlreiche Chancen, die vielen älteren Menschen jedoch nicht so einfach zugänglich sind. Daher ist die Stärkung digitaler Kompetenzen besonders für Ältere wichtig. Der sichere Umgang mit appbasierten Anwendungen wird zukünftig immer wichtiger werden, sei es im Gesundheitswesen, um elektronische Akten und telemedizinische Angebote nutzen zu können, oder sei es im privaten Kontext, um Kontakte aufrechtzuerhalten oder um auf Informationen und Unterhaltungsangebote zugreifen zu können. Die Befähigung älterer Menschen, digitale Medien zu nutzen, bietet sowohl für die älteren Menschen selbst als auch für die Gesellschaft Chancen. Mithilfe digitaler Medien haben ältere Menschen die Möglichkeit, auch bei eingeschränkter Mobilität zu kommunizieren und sich zu informieren. Sie können mit medialem Wissen noch besser aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Jedoch ist zu beachten, dass mit Blick auf Falschmeldungen, die über soziale Netzwerke und Onlineforen verbreitet werden, eine souveräne Beherrschung digitaler Medien und Endgeräte bereits heute eine entscheidende Fähigkeit für die unabhängige Meinungsbildung darstellt. Auf dem Weg zu einem eigenständigen Umgang mit digitalen Medien können ältere Menschen gut von ehrenamtlichen Initiativen profitieren, in denen Schulungen und Angebote zum gemeinsamen Lernen stattfinden. Das Gleiche gilt aber auch für viele andere Lebensbereiche. Ehrenamtliche Initiativen, in die sich ältere Menschen einbringen, aber auch Hilfe und Unterstützung erhalten, können daher einen wichtigen Beitrag für eine gute Lebensqualität im Alter leisten. Ein tolles Beispiel hierfür ist die Initiative seniorTrainer des Seniorenrings. Dabei werden ältere Menschen geschult, sich ehrenamtlich einzubringen und auch eigene Projekte auf die Beine zu stellen. Im Ergebnis haben wir inzwischen fast 800 Seniorinnen und Senioren als ausgebildete seniorTrainer, die sich mit ihren über viele Jahre erworbenen Fähigkeiten und Erfahrungen in unserem Land einbringen und mit ihren selbstentwickelten Projekten und Ideen andere einbinden und mitreißen – ich finde, sehr anerkennenswert. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Zuruf von Harry Glawe, CDU) So sind sie selbst Teil einer großen Gemeinschaft und sorgen gleichzeitig dafür, dass anderen Möglichkeiten und Chancen für ein Miteinander eröffnet werden. Daran wird deutlich, dass Mecklenburg-Vorpommern bereits jetzt über eine beeindruckende Vielfalt an Vereinen, Initiativen und Gruppen verfügt, in die sich Menschen ehrenamtlich einbringen und damit einen unschätzbar wertvollen Beitrag für die gesamte Gesellschaft leisten. Hier wird bürgerschaftliches Engagement gelebt und weiterentwickelt. Auf diesen Erfahrungsschatz bereits bestehender Strukturen, Ideen und Projekte soll und kann zurückgegriffen werden. Daher möchten wir das Ehrenamt weiter stärken, indem eine landesweite Engagementstrategie erarbeitet werden soll. Gut aufeinander abgestimmte und ressortübergreifende Ehrenamtspolitik soll zu einer besseren Vernetzung und einer effizienteren Nutzung von Ressourcen führen. Eine solche Strategie wird nicht nur für Seniorinnen und Senioren ein Zugewinn sein. Bürgerschaftliches Engagement wird dadurch besser organisiert und Menschen jeden Alters erhalten mehr Zugangs- und Beteiligungschancen. Wie bereits dargelegt, wird auch der runde Tisch gegen Einsamkeit im Alter an dieser Stelle einen Beitrag leisten. Daher freue ich mich besonders, diesen mit auf den Weg zu bringen. Hier können alle Beteiligten gemeinsam ins Arbeiten kommen und Strategien für Prävention und Behebung von Vereinsamung entwickeln. Als Regierungsfraktionen werden wir diese Arbeit begleiten und die Ergebnisse ins Land tragen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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