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Dr. Harald Terpe

GRÜNE 05.10.2022 Sitzungen 8/32

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte an den Beginn meiner Rede stellen: Was gar nicht geht, ist, Patientengruppen gegeneinander auszuspielen. Das geht gar nicht! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es ist über die Definition, über die vielen Symptome von den Vorrednern viel gesagt worden, auch über die vermutliche Häufigkeit. Trotzdem müssen wir sagen, dass wir bei Long Covid oder Post Covid natürlich am Anfang der Erforschung sind. Das ist ja auch kein Wunder. Covid-Erkrankungen gibt es jetzt zwei Jahre oder ein bisschen mehr als zwei Jahre. Und wir haben ja viele Erfahrungsberichte gehört, aber das ist noch nicht das, was nachher gesichertes und erforschtes Wissen ist. Und deswegen ist es natürlich gut, dass schon in dieser frühen Zeit Forschungsmittel dafür bereitgestellt werden und dass wir Menschen gefunden haben, Personen, die mit Herz und Verstand sich der Sache annehmen. Und das ist ganz wichtig. Man muss dafür brennen, für so eine Erforschung, auch für so eine Behandlung. Und ich denke, dass Jördis, also Jördis Frommhold, da die richtige Person auch ist, wer sie erlebt hat – und ich kenne sie auch so schon länger –, mit Herz und Verstand. Das ist gut. Ich möchte auf einen anderen Aspekt hinweisen, und zwar auf den, dass wir natürlich in unserem Gesundheitswesen auch im Rahmen der gesetzlich Versicherten – und die meisten in unserem Lande sind ja gesetzlich versichert –, natürlich auch mit unserem ambulanten System der Haus- und Fachärzte eine Anlaufstelle haben für Leute, die erkrankt sind. Und natürlich wird es auch so gewesen sein und es wird auch in Zukunft so sein, dass sich Menschen mit den unterschiedlichsten Symptomen, die bei Long Covid auch vorkommen können, sich natürlich an dieses Gesundheitssystem wenden und dort auch Hilfe finden. Nun ist es aber so – und das wissen wir eben auch von der 50 Jahre bekannten ME/CFS-Erkrankung, also Fatigue-Syndrom oder Myalgische Enzephalomyelitis, das ist dieser Begriff, der gesucht wurde, die damals als eine seltene Erkrankung galt –, dass bei den Patienten, die viele Odysseen durch das Gesundheitssystem der verschiedenen Länder hinter sich haben, und damit, weil eben die Forschung für diese Erkrankung lange Zeit hat auf sich warten lassen – inzwischen gibt es ja Forschungszentren in ganz Europa, die daran forschen –, es dazu geführt hat, dass durch diese Odyssee durch das Gesundheitswesen, wenn man es jetzt volkswirtschaftlich sieht, sehr viel höhere Kosten auftreten, als wenn man so eine Erkrankung erforscht und genau weiß, welchen Weg diese erkrankten Patientinnen und Patienten am sinnvollsten nehmen, damit den Patientinnen und Patienten am meisten geholfen wird, aber damit auch die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Und das ist der Ansatzpunkt, der hier auch richtig ist. Und es ist, finde ich, schon dramatisch, wie hoch der Prozentsatz von Long-Covid-Erkrankungen im Rahmen der Covid-Infektionen ist. Aber manchmal hat so was auch einen Vorteil, nämlich, dass das mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerät als beispielsweise die kleineren Gruppen von Patientinnen und Patienten, die auch mit dem Fatigue-Syndrom erkranken oder mit Angststörungen oder mit Depressionen, die infolge von Virusinfektionen aufgetreten sind. Und ich habe Erfahrung, weil ich lange Zeit in einer Gutachtergruppe mitgearbeitet habe, mit dieser kleinen Gruppe. Ich weiß nicht, ob das den meisten bekannt ist hier im Hause, wir haben eine Gruppe, die an Hepatitis C erkrankt sind, weil sie in den 70er-Jahren mit einer falschen Charge, damals zu DDR-Zeiten, behandelt worden sind als Schwangere, die sich da mit Hepatitis C, die war ja damals als Hepatitis C gar nicht bekannt, infiziert haben und die auch über solche Symptome zum Teil geklagt haben. Eine relativ kleine Gruppe ist das. Das sind ja nur 250 oder 300 Frauen in Mecklenburg-Vorpommern, die auch jahrelang immer wieder ein Gutachten brauchten für die Versorgungsämter wegen Anerkennung auf Minderung der Erwerbstätigkeit. Und dort war es eben auch so, dass dieses Fatigue-Syndrom zunächst überhaupt nicht anerkannt wurde. Kleine Gruppe, wenig Öffentlichkeit, die haben es aber dann trotzdem auch geschafft, eine gewisse Öffentlichkeit herzustellen. Es hat aber immer Probleme gegeben, tatsächlich dieses Syndrom auch als Teil einer postviralen Erkrankung bei den Patientinnen anzuerkennen. Und diese Long-Covid-Gruppe ist so groß, dass natürlich die öffentliche sozusagen Wahrnehmung größer ist. Und da kann man sich sehr wohl erhoffen, dass sozusagen die Anschubfinanzierung für Forschung – und das, genau das ist es ja, was uns gemeinsam als Gesundheitspolitiker der verschiedenen Fraktionen vorangetrieben hat oder getrieben hat, dort etwas zu machen – helfen wird, einen Forschungsanstoß zu geben, hoffentlich mit all dem, was wir erwarten. Aber ich denke, wir müssen auch sehen, dass wir möglichst in der nächsten Zeit, in den nächsten Jahren weitere Finanzmittel sozusagen organisieren. Und wir wissen alle, es gibt zum Beispiel bundesweit einen Innovationsfonds, wo Krankenkassen mit bestimmten Forschungseinrichtungen und anderen gemeinsam Anträge stellen können. Und möglicherweise ergibt sich da eine weitere Chance, sozusagen die Forschung voranzutreiben – hoffentlich mit dem von uns erwarteten Erfolg. Und mit diesem Abschluss möchte ich natürlich ankündigen, dass wir das alles unterstützen. Ihr habt es ja auch schon gehört, dass wir da gemeinsam vorangegangen sind. – Und danke für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)

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