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Stefanie Drese

05.10.2022 Sitzungen 8/32

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Seit Beginn der Corona-Pandemie in den Jahren 2019/2020 sind viele Menschen an der einen oder anderen Variante des Virus akut erkrankt. Der Verlauf der Corona-Pandemie ist geprägt von Wellen, in denen sich immer neue Virusvarianten weltweit ausgebreitet haben. Die Landesregierung ist dieser Bedrohung der individuellen und öffentlichen Gesundheit entschieden entgegengetreten. Von Anfang an hat die Landesregierung zahlreiche Maßnahmen auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse getroffen. Dabei haben Maske, Abstand, ein Testmanagement und insbesondere die Impfung geholfen, die Pandemie einzudämmen. Darüber hinaus fördert die Landesregierung auch zahlreiche Studien zur Erforschung und Therapie der Corona-Erkrankung. Mithilfe der Wissenschaft ist es gelungen, in kurzer Zeit Impfungen und erste Leitlinien für die Diagnostik und Therapie von Corona zu entwickeln. Aber nicht immer gelingt es mit diesen Maßnahmen, alle Menschen vor einem schweren Verlauf einer Corona-Infektion zu schützen. Zwar wird ein Großteil der Erkrankten wieder gesund, insbesondere dank der Impfung, manche spüren nicht einmal Symptome, ein kleinerer Teil der Menschen, die erkrankt sind, muss jedoch im Krankenhaus stationär versorgt und manche sogar beatmet werden. Sie werden leider nicht wieder einfach so gesund, schlimmer noch, die Symptome verdichten sich bei manchen Menschen in unterschiedlichen Ausprägungen. Etwa 200 Symptome wurden schon registriert, teilweise sind auch schwere und nachhaltige Organschäden festgestellt worden. Mittlerweile sind dafür die Begriffe „Post Covid“ und „Long Covid“ geprägt worden. Mindestens vier Prozent der Akuterkrankten leiden an anhaltenden oder später wiederkehrenden Symptomen. Neben einer allgemeinen Erschöpfung werden auch anhaltende organische Schäden festgestellt. Besonders bekannt ist die sogenannte Fatigue. Die genauen Krankheitsmechanismen sind jedoch erst wenig erforscht und scheinen symptomatisch ähnlich zur bereits bekannten ME/CFS-Erkrankung zu sein. Die Auswirkungen auf das individuelle Leben, den Arbeitsmarkt und das Gesundheitssystem sind enorm. Ich bin daher allen Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialsystem dankbar, die diese betroffenen Menschen versorgen. Mit großem Respekt und einigem Stolz kann ich sagen, dass Mecklenburg-Vorpommern durch hervorragende Ärztinnen und Ärzte und erste Anlaufstellen für Betroffene hier eine bundesweite Vorreiterrolle innehat. Forschung und Versorgung müssen bei der neuartigen Erkrankung Hand in Hand gehen, um mehr zu erreichen als eine Behandlung der Symptome. Der Ansatz der Translationalen Medizin besagt, dass Forschung und Therapie sich gegenseitig befruchten müssen. Leitlinien der Behandlung müssen entwickelt und die Krankheitsmechanismen entschlüsselt werden. Anlaufstellen mit diesem integrierten Ansatz gibt es bundesweit nur wenige und sie sind auf viele Monate im Voraus ausgebucht. Deshalb geht die Landesregierung nun einen weiteren Schritt vorwärts. Mein Haus hat in Abstimmung mit dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur von meiner Vorrednerin die erwähnten zwei Anträge für den MV-Schutzfonds erarbeitet. Mithilfe dieser sollen die vorhandenen Ambulanzen der Universitätsmedizin ausgebaut und drei Forschungsprojekte durchgeführt werden. Weiterhin wollen wir in Rostock ein Institut für Long Covid unterstützen. Die Anträge wurden bereits von den Gremien zum MV-Schutzfonds positiv votiert und sollen wie erwähnt im November dem Landtag zur Entscheidung vorgelegt werden. Im Land haben wir an den Universitätsmedizinen Greifswald und Rostock bereits Sprechstunden für Post- und Long-Covid-Betroffene. Diese Sprechstunden werden wir bis 2024 kapazitativ ausbauen und damit die nötige umfangreiche Diagnostik ermöglichen, die bislang noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert wird. Zugleich fördert die Landesregierung drei innovative Forschungsprojekte, um neue Therapieansätze mithilfe der Forschung zu entwickeln. Dabei sollen auch die bereits vorhandenen Projekte hinsichtlich ihrer Erkenntnisse zusammengeführt werden. Auf dieser Basis werden auch übertragbare Erkenntnisse zu Fatigue und ME/CFS erwartet. Ich bin Herrn Professor Reisinger in Rostock und Frau Professorin Steinmetz in Greifswald dankbar, im Falle einer Bewilligung die Leitung für das Projekt übernehmen zu wollen. Weiterhin freue ich mich sehr, dass die bundesweit bekannte und anerkannte Expertin Frau Dr. Frommhold in Rostock am 1. Oktober ein bisher einzigartiges Institut für Long Covid gegründet hat. Frau Dr. Frommhold, unsere Frau des Jahres 2021, ist eine der wenigen Expert/-innen, die Menschen, die unter Long Covid leiden, nach ständig aktualisierten wissenschaftlichen Erkenntnissen gezielt helfen. Mit den Mitteln aus dem MV-Corona-Schutzfonds soll dem Institut ermöglicht werden, bereits jetzt erkrankte Menschen zu behandeln. Das Institut wird interdisziplinär arbeiten und mit den Universitätsmedizinen kooperieren. Darüber hinaus wird das Institut auch öffentlichkeitswirksam für die von Ihnen zu Recht eingeforderte Akzeptanz der Erkrankung werben, Behörden beraten und medizinische Apps entwickeln. Ein weiteres Zeichen der hohen Wertschätzung seitens der Landesregierung für die Arbeit von Frau Dr. Frommhold und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist, dass unsere Ministerpräsidentin Manuela Schwesig die Schirmherrschaft des Instituts übernommen hat. Meine sehr geehrten Damen und Herren, die von mir aufgezählten Projekte sind auf eine Laufzeit bis 2024 begrenzt und sollen ein Fördervolumen von 2,85 Millionen Euro haben. Das Land kann hier nur einen Anschub leisten, um die engen gesetzlichen Grenzen der getrennten Finanzierung von Forschung und Versorgung zu überwinden. In den Projekten sollen daher Abrechnungsmodelle entwickelt werden, um die Therapie von Long Covid in die Regelfinanzierung der gesetzlichen Krankenkassen zu überführen. Damit bereiten die Projekte den Weg für eine regelhafte Versorgung der Betroffenen – ein sehr wichtiges Anliegen, wie ich finde. Meine sehr geehrten Damen und Herren Kollegen, beide Projekte zu Long Covid sind Leuchttürme mit einer Strahlkraft weit über das Land Mecklenburg-Vorpommern hinaus. Sie können als Modellprojekte für den Aufbau translational arbeitender Ambulanzen und Institute dienen. Ich bin beeindruckt von dem Innovationsgeist und dem starken Willen zur Unterstützung der Long-Covid-Erkrankten im Land. Deshalb will ich heute schon für eine Zustimmung zu diesen Anträgen werben und hoffe auf eine baldige Verbesserung der Situation aller an Long Covid Erkrankten, besonders aber derjenigen in Mecklenburg-Vorpommern, und ich danke für die Möglichkeit, in dieser Aussprache dazu Stellung zu beziehen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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