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Thore Stein

AfD 09.09.2022 Sitzungen 8/31

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Kollege Würdisch, Ihre Begleitung war wohl eher eine Sterbebegleitung, wenn ich mir die Burg heute angucke, aber herzlichen Dank für die warmen Worte! (Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD: Wo waren Sie denn?) Wie es eben angesprochen wurde, ich glaube, Herr Damm hatte es erwähnt, selbst auf europäischer Ebene ist diese Wasserburg mittlerweile zu einem der bedrohtesten Denkmäler überhaupt in ganz Europa erklärt worden, und zwar bereits im Jahr 2015 durch die Vereinigung Europa Nostra. Und das heißt schon was. Und wenn wir europaweit viele, viele, viele Tausend Denkmäler haben, und sieben davon werden ausgesucht und eins davon steht in Vorpommern, das sollte uns zu denken geben. Und wir haben es ja jetzt gehört, alle waren schon fleißig da. Ich weiß nicht, wie tief Sie in dieses Bauwerk noch vorgedrungen sind, abseits der üblichen Pfade der Tourismusführungen. Ich kann es Ihnen nur empfehlen. Also ich war mal bis oben im Dachstuhl drin. Frau Hegenkötter war an dem Tag nicht dabei, hatte aber auch die falschen Schuhe dafür an, wenn ich das mal so feststellen darf, (Zurufe von Beatrix Hegenkötter, SPD, Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD, und Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) also um da oben auf den völlig verfaulten Balkenköpfen rumzuturnen. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) es war jedenfalls sehr dramatisch, was man oben im Dachstuhl sieht, wie da ganze Balkenköpfe fehlen, die Zwischendecken kurz vorm Zusammenbruch stehen, der Hausschwamm sich unaufhaltsam durch die Holzbauteile durchfrisst und diese Burg letztlich einfach kurz davorsteht, in sich zusammenzusacken. Und es ist bereits ja noch mal oder mehrfach kritisiert worden die Frage nach dem Nutzungskonzept. Alles muss ein Nutzungskonzept haben und wirtschaftlich tragfähig sein. Also der Erhalt unserer Kulturgüter funktioniert nur dann, wenn am Ende eine schwarze Null steht. (Zuruf von Eva-Maria Kröger, DIE LINKE) Das lässt tief blicken. Ich bezweifle, dass all Ihre Kultur- und Theaterveranstaltungen in diesem Land wirtschaftlich tragfähig sind, und trotzdem werden sie ja offenbar finanziert. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Also das Argument möchte ich nicht zählen lassen, Frau Martin. Und es wäre auch, es wäre, (Zuruf von Torsten Renz, CDU) es wäre auch sehr schwierig bei den eben benannten 2.000 Herrenhäusern und Schlössern, wovon immerhin nur 1.000 unter Denkmalschutz stehen, dass in jedes dieser Häuser eben ein Hotel, ein Wellnesstempel oder eine Seminarstätte hineinkommt, die eben einen auskömmlichen Wirtschaftsbetrieb hat. Und gerade diese herausragenden einzigartigen Bauten müssen schlichtweg auch öffentliche Funktionen erfüllen können als Museum, Bildungsstätte oder Tourismusziel. Und da muss nicht immer am Ende eine schwarze Null stehen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Davon müssen wir uns auch verabschieden, sonst können wir uns das gleich schenken, so etwas zu erhalten. (Torsten Renz, CDU: Das verstehe ich nicht.) Und wenn wir uns mal angucken, weltweit bemühen sich Staaten darum, ihre Kulturdenkmäler zu erhalten und somit auch ihre Geschichte zu erzählen, und das sollte auch für uns Anlass genug sein, hier in Divitz eben nicht immer alles auf dieses Nutzungskonzept zu schieben. Und wenn wir uns einmal anschauen, was wir heute an baukultureller Leistung ja jetzt und hier vorfinden, dann müssten wir noch viel engagierter und motivierter sein, das zu erhalten, was hier mal vor 100 Jahren oder vor 500 Jahren entstanden ist, denn es ist doch ein ziemlicher starker Kontrast zum langweiligen Einheitsbrei heutiger Vorstadtsiedlungen, die ziemlich seelenlos und austauschbar sind, egal, wo sie in Deutschland sind, es sieht ja alles gleich aus mittlerweile, oder die Sterilität, mit der auch wir im Land unsere Verwaltungsgebäude bauen, nur nach Nutzen und Funktionalität angelegt. Die Landeshauptstadt Schwerin bewirbt sich dieser Tage oder Jahre immer wieder erneut als UNESCO-Weltkulturerbe, und zwar eben mit den prägenden historischen Bauten (Zuruf von Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD) und nicht mit seinen modernen Funktionskästen. (Enrico Schult, AfD: Sehr richtig!) Und Mecklenburg-Vorpommern ist eben mehr als nur seine Weltkulturerbestädte Stralsund und Wismar und hoffentlich auch bald Schwerin. Unser Bundesland ist eben vor allem geprägt durch seinen ländlichen Raum, der über Jahrhunderte auch Kraftquell dieses Landes war und auch wieder werden muss. In einer Zeit, in der die Globalisierung – das haben wir, glaube ich, alle erschreckend festgestellt – sich mittlerweile selber erstickt, gilt es eben, auch wieder regionale Wirtschaftszentren zu etablieren, Lieferketten zu verkürzen, Wirtschafts- und Lebensraum auch wieder mit zu verbinden, (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Jan-Phillip Tadsen, AfD: Das ist nachhaltige Politik, genau.) was Sie gerne als Nachhaltigkeit bezeichnen. Und da gilt es eben auch schlichtweg, die Herzen unserer vielen Dörfer – und das sind nun mal die Schlösser und Gutshäuser – am Leben zu erhalten. Nicht von ungefähr kommt in der Gutshausszene der Spruch, wenn das Gutshaus stirbt, dann stirbt auch das Dorf, und da ist leider einiges dran. (Andreas Butzki, SPD: Das stimmt nicht! – Zuruf von Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD) Hinzu kommt, dass der Erhalt dieser historischen Bauwerke auch regional vor Ort immer große Chancen birgt, denn das müssen Handwerksbetriebe machen. Und diese Handwerksbetriebe, denen fehlt häufig auch letztlich die Auftragslage, wirkliches Handwerk zu betreiben. Damit meine ich nicht das Aufstellen von einem fertig abgebundenen Carport mit Nagelbindern, sondern eben auch mal traditionelles Handwerk. (Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD: Oh, jetzt sprich zur Sache, Mann!) Das können immer, immer weniger können das. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Frau Schröder, Sie haben noch Redezeit, kommen Sie gern nach vorne, lassen Sie uns auch teilhaben an Ihren Gedanken! (Andreas Butzki, SPD: Ja, sie hat wenigstens Ahnung! – Eva-Maria Kröger, DIE LINKE: Das stimmt allerdings. – Heiterkeit bei Beatrix Hegenkötter, SPD) Sehr geehrte Damen und Herren, die Gutshäuser stellen in diesem Gesamtwerk, was Mecklenburg-Vorpommern ausmacht, nur den zentralen Kreuzungspunkt einer quasi komponierten Kulturlandschaft dar. Keine Allee, kaum ein Landschaftselement ist aber nicht ohne Grund angelegt worden. Sie alle laufen auf der Weite der Landschaft auf die Gutsanlagen zu. Häufig waren aufwendig gestaltete Landschaftsparks dabei die Krönung dieser hohen Kunst der Garten- und Landschaftsgestaltung. Frau Hegenkötter sprach eben schon Herrn Gustav Meyer an, aber auch Namen wie Peter Joseph Lenné oder Christian Schaumburg sind untrennbar mit Mecklenburg-Vorpommern verbunden. (Zuruf von Andreas Butzki, SPD) Und, Frau Hegenkötter, wenn es Sie interessiert, ich habe das „Lehrbuch der schönen Gartenkunst“ von Herrn Meyer zu Hause. Ich würde es Ihnen mal ausleihen, wenn Sie mal reingucken möchten, wenn es Sie wirklich interessiert. Sie haben mir ja vorgeworfen, ich würde mich nicht dafür interessieren. Also ich interessiere mich durchaus für diese Thematik und lasse Sie auch gerne daran teilhaben. (Zuruf von Andreas Butzki, SPD) Und wer heute Nachmittag vielleicht oder zur Mittagspause – nee, gibt es ja nicht, aber vielleicht im Anschluss an die Sitzung – heute noch mal durch den Schlossgarten spaziert, dem soll gesagt sein, auch dieser Park stammt aus der Feder von Lenné. Und ich wiederhole es noch mal, was ich eben sagte zur heutigen Baukultur und weshalb es eben so wichtig ist, das zu erhalten, was uns unsere Vorfahren hier überliefert lassen haben, denn es beschleicht einen manchmal das Gefühl, dass der kulturelle Höhepunkt Mitteleuropas offenbar seit Langem überschritten ist. Umso wichtiger ist es eben auch, genau das zu erhalten, was uns unsere Vorfahren hinterlassen haben an Baukunst, an Literatur und auch an immateriellem Erbe. Und ich will damit noch mal aufzeigen, dass es eben nicht nur um den Erhalt eines durch Kalkmörtel zusammengehaltenen Haufens von Backstein geht. Es handelt sich vielmehr – und so auch bei der Wasserburg Divitz – um ein Stück unserer Geschichte, unserer Kultur, unserer Heimat. Und ich denke, da dürften wir uns einig sein, dass es diese zu erhalten gilt. Und was anderes habe ich hier heute auch gar nicht vernommen. Und deswegen bin ich sehr optimistisch, was jetzt auch Divitz angeht und auch viele weitere Denkmäler in unserem Land. – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)

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