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Hannes Damm

GRÜNE 09.09.2022 Sitzungen 8/31

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete! Die Wasserburg Divitz ist eines der kulturhistorisch bedeutendsten und leider auch eines der am meisten bedrohten Bau- und Gartendenkmäler in unserem Bundesland, und nicht nur in unserem Bundesland, sondern in Europa. Seit vielen Jahren bemühen sich ehrenamtlich tätige Denkmalschützer/-innen des dortigen Fördervereins Kulturgüter Wasserburg Divitz e. V. und dessen Vorsitzender Dr. Gerd Albrecht mit großem Engagement um den Erhalt der Burg. Diese Arbeit verdient allerhöchste Anerkennung und Dank, die ich an dieser Stelle ausdrücklich auch im Namen unserer Fraktion ausrichten möchte. Vielen Dank, dass Sie sich derartig engagiert in Ihrer Freizeit für die Wasserburg Divitz einsetzen! Herr Dr. Albrecht ist ein Visionär mit großartigen Ideen für die Zukunft der Wasserburg und für die Kulturlandschaft zwischen Darß-Fischland und Pommersche Boddenlandschaft. Wer ihn kennt, weiß, dass da jemand ist, der für die Sache brennt. Dem Förderverein, dem er vorsteht, geht es nicht nur – „nur“ in Anführungszeichen – darum, alte Steine zu erhalten. Nein, der Verein will einen lebendigen Ort schaffen, der ausstrahlt, der das aufnimmt, was an Gutem von früheren Bewohner/-innen der Burg ausging, und der das anpackt, was im ländlichen Raum heute dringend notwendig ist: Perspektiven schaffen. Der schönste Lohn für dieses weitgehend ehrenamtliche Engagement wäre natürlich, wenn es tatsächlich gelänge, die Wasserburg nebst Park für die Zukunft zu sichern und mit neuem Leben zu füllen. Doch diese Bauwerke am Leben zu erhalten und wieder zu erwecken, ist eine gewaltige Aufgabe, die nur mit einem Etat gelingt, der auch die professionelle, also hauptamtliche Bewältigung der dort anstehenden Aufgaben absichert. Dies betrifft zum einen die notwendige Bewirtschaftung der Finanzen als auch die Organisation und Durchführung der notwendigen Sanierungs- und Rekonstruktionsmaßnahmen sowie das künftige Betreiben der Häuser. Im Gespräch mit den Aktiven vor Ort war es für uns beeindruckend zu sehen, wie weit Dr. Albrecht mit seinen Mitstreiter/-innen schon war, als es darum ging, finanzielle Mittel für den Erhalt der Wasserburg einzuwerben. Schon 2009 wurde die Erstellung eines Gut-Nutzungskonzepts von dem damaligen Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gefördert. Zahlreiche Spezialgutachten wurden in diesem Zusammenhang angefertigt, auch die notwendigen finanziellen Aufwendungen bilanziert. Es ist also nicht richtig, wenn im Zusammenhang mit dem Erhalt der Wasserburg immer wieder zu lesen ist, es gäbe kein Nutzungskonzept. Dass dieses damalige Konzept einigen Beteiligten nicht ausreichte, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Als 2015 die Eigentumsverhältnisse neu geordnet und der Förderverein Eigentümer der Wasserburg wurde, kam es zu einem neuen Nutzungs- beziehungsweise Betreiberkonzept. Und aktuell wird ein weiteres erarbeitet, das wohl Ende des Jahres vorliegen soll. Es sind also zahlreiche Gutachten, Konzepte, Expertisen und auch Finanzplanungen vorhanden, die es ermöglichen sollten, weitere Schritte zu gehen. Einzig fehlen – das sagte die Ministerin – formale Schritte und nicht der Wille der Landesregierung. Sehr geehrte Damen und Herren, die Wasserburg Divitz ist kein Baudenkmal wie viele andere, sondern ist sehr eng verwoben mit der Flusslandschaft der Barthe, in der die Vorgängerbauten der Burg wahrscheinlich schon vor 700/800 Jahren oder vielleicht schon weit früher errichtet wurden. Die Holzkonstruktion, die das Schloss im Untergrund trägt, so berichten uns Denkmalpfleger/-innen und Standortkundige, ist an die früheren hydrologischen Verhältnisse in der Barthe-Niederung angepasst. Doch die Veränderungen der hydrologischen Verhältnisse in den letzten 150 Jahren haben auch die Standortbedingungen entscheidend verändert. Die niedrigen Wasserstände, verursacht nicht zuletzt durch die menschgemachte Klimakrise, die die AfD wiederum ja leugnet, und all das allein ist schon wieder sinnbildlich für die Heuchelei und undurchdachten Anträge ihrer Fraktion. Es sind jedenfalls schon im Bereich der Standsicherung umfangreiche Investitionen nötig, um die Bauten zu erhalten. Die Moorlandschaft müsste wiedervernässt werden – auch da habe ich schon ganz viele Gegenpositionen gehört von der rechten Seite – und der alte Arm der Barthe wieder an den Hauptfluss angeschlossen werden. Ja, wir GRÜNE können uns ein solch komplexes Sanierungs- und Renaturierungsvorhaben gut vorstellen. Hier ließen sich dann Klimaschutz und Denkmalschutz vortrefflich verbinden, denn schon jetzt zeigt sich, die Wasserburg Divitz ist ein hervorragender Lernort. Jugendliche treffen sich bei Workcamps und junge Wissenschaftler/-innen aus unserem Land erforschen vor Ort landschaftsgeschichtliche Techniken der Standorterkundung. Die Wasserburg als ein Nachhaltigkeitszentrum – diese Vision teilen wir mit dem Förderverein. In anderen Bundesländern sind derartige Zentren bereits verwirklicht, zum Beispiel in Thüringen, wo ich herkomme. Sehr geehrte Damen und Herren, die Organisation und Durchführung aller Maßnahmen zur Sicherung der Wasserburg Divitz können nur gelingen, wenn das Ganze über Jahre funktionell geleitet wird und wenn Bund, Land und Landkreise an einem Strang ziehen. Es ist jedoch nicht, wie von der AfD dargestellt, so, dass der Verein ohne Unterstützer/-innen und völlig mittellos dastehen würde. Die Fördermittel des Bundes stehen nach Aussage des Fördervereins noch bis 2025 zur Verfügung. Das Amt Barthe kann – ebenfalls nach Aussage des Fördervereins – bei der finanziellen organisatorischen Abdeckung des Vorhabens Hilfe leisten. Viele weitere Kooperationspartner/-innen stehen bereit. Wir werden den Antrag daher ablehnen. Die Rahmenbedingungen sind insgesamt gut, was jedoch nicht heißt, dass weitere Unterstützung nicht immer gern gesehen ist. Unsere Fraktion unterstützt die Rettung der Wasserburg jedenfalls gern. Dafür sind und bleiben wir mit den Aktiven vor Ort im Gespräch. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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