Bettina Martin
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Die Wasserburg Divitz ist ohne Zweifel ein ganz besonderes Zeugnis unserer Geschichte. Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege stuft sie ganz eindeutig als Baudenkmal von nationaler Bedeutung ein. Da heißt es in einer Beurteilung, und das zitiere ich: „Aufgrund seiner hohen historischen Bedeutung als Wohnsitz wichtiger Persönlichkeiten der pommerschen Landesgeschichte und als künstlerisch bedeutendes Herrenhaus mit für die Architekturgeschichte wichtigen Befunden vom Mittelalter, der Renaissance, der Barockzeit und aus dem 19. Jahrhundert ist die schlossartige Anlage in Divitz als national bedeutend einzustufen.“ Soweit gibt es gar keinen Dissens. Und es gab und gibt bereits seit vielen Jahren von allen Seiten erhebliche Anstrengungen und Versuche, die Wasserbuch Divitz zu bewahren und grundlegend zu erneuern, mit dem Ziel, sie einer touristischen Nutzung zuzuführen. Und ich sage hier auch ganz klar: Auch das Land hat sich in diesen Prozess aktiv und mit aller Offenheit eingebracht. Doch eine ganz grundlegende Voraussetzung für die öffentliche Förderung eines solchen Mammutvorhabens, das mehr als 20 Millionen Euro fordern wird, eine Voraussetzung ist, dass ein förderfähiger Antrag mit einem plausiblen, dauerhaft tragfähigen Finanzierungs- und Nutzungskonzept vorgelegt wird. Das gilt für eine Förderung aus dem Land und das gilt natürlich auch für die Bundesförderung. Und das ist leider bis heute nicht der Fall. Es ist den Akteuren vor Ort bisher leider nicht gelungen, die förderrechtlichen Bedingungen zu erfüllen. Es fehlt an aussagefähigen Antrags- und Bauunterlagen, es fehlt ein schlüssiges Nutzungskonzept, und es fehlt ein Konzept für die spätere Finanzierung des Betriebs und des Unterhalts der Burg. Öffentliches Geld kann also nur dann fließen, wenn schließlich schlüssig dargelegt wird, wie das Ensemble dauerhaft bewirtschaftet wird. Deshalb hat in 2017 das damalige Wirtschaftsministerium dem Förderverein Kulturgüter Wasserburg Divitz e. V. und der Gemeinde Divitz-Spoldershagen 37.500 Euro für eine Machbarkeitsstudie zur Verfügung gestellt. Titel dieser Machbarkeitsstudie war ein Nutzungskonzept für die Wasserburg Divitz. Der Landkreis Vorpommern-Rügen hat dieses Konzept jedoch als nicht tragfähig und nicht umsetzbar bezeichnet. Die Einnahme- und Besucherprognosen waren unrealistisch, die Unterhaltungs- und Bewirtschaftungskosten damit nicht hereinzuholen, so lautete die Bewertung des Landkreises. Parallel wurde im selben Jahr mit allen Beteiligten über eine Notsicherung der Anlage gesprochen. Das damalige Wirtschaftsministerium erklärte sich bereit, finanziell aus EFRE-Mitteln zu unterstützen, doch auch dafür hätte es natürlich eines Antrages bedurft, diesmal vom Landkreis. Dieser blieb leider auch aus. Und auch beim LAKD, dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, liegt bis heute kein Antrag auf Notsicherung vor. Das LAKD hatte erst vor einigen Monaten den Landkreis als zuständige Denkmalschutzbehörde gebeten, hier aktiv zu werden und auf die Verantwortungsträger zuzugehen, doch bisher, wie gesagt, gibt es keinen Antrag, denn wenn auch bisher die Zukunft der Wasserburg Divitz nicht klar ist, so muss wenigstens, muss es ja wenigstens gelingen – und das hatten Sie auch gerade ausgeführt –, die Substanz zu sichern, die erheblich gefährdet ist. Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, die Bemühungen um die Wasserburg Divitz halten an. Der Förderverein der Wasserburg beantragte in 2018 Fördermittel für die Sanierung aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm VII des Bundes. Anfang 2019 stellte dann die Beauftragte, die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, rund 10 Millionen Euro in Aussicht. Aber auch hier war die Voraussetzung die Vorlage eines nachhaltigen und schlüssigen Sanierungs- und Nutzungskonzepts und die gesicherte Kofinanzierung durch das Land. Im vergangenen Jahr hatte dann der Kreistag Vorpommern-Rügen noch einen Versuch unternommen und etwa 200.000 Euro bewilligt. Damit sollten dann Unterlagen zusammengestellt und ein förderfähiges Entwicklungskonzept erstellt werden. Aber ein überzeugendes Ergebnis liegt leider immer noch nicht vor. Dieses Projekt ist eine enorme und schwer zu bewältigende Herausforderung für die Verantwortlichen vor Ort. Das haben wir über diese Jahre gesehen, das ist ein Mammutprojekt, und ich denke, das ist auch aus meinen Ausführungen gerade deutlich geworden, was das für Herausforderungen sind für alle Beteiligten. Das Land ist – und ich habe das bereits betont – offen für eine gemeinsame Lösung. Die verschiedenen Ministerien beteiligen sich seit Jahren konstruktiv an der Lösungsfindung, doch – und ich wiederhole mich – es ist leider den Akteuren bisher nicht gelungen, ein tragfähiges Konzept und ein realistisches Ziel für die touristische Nutzung zu formulieren. Dieses Defizit kann das Land nicht alleine ausgleichen. In unserem schönen Bundesland gibt es fast 2.000 Schlösser, Herrenhäuser und Burgen. Ja, dieses Erbe gilt es zu bewahren, Sie haben es gesagt, gemeinsam und wir als Land investieren und unterstützen vielerorts. Das wollen wir natürlich auch weiter tun. Das gilt auch für die Wasserburg Divitz, wenn alle Beteiligten die Voraussetzungen erfüllen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
