Thore Stein
Ja, sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kollegen, werte Zuschauer, ich will meine standardmäßige Einleitung zum Denkmalschutz wählen und kann Ihnen versichern, Sie werden diese noch viele Male hier im Landtag hören in den kommenden Jahren: Werte Kollegen, in unserem Land zwischen Elbe und Oder stoßen wir allen Ortens auf Relikte einer vergangenen Zeit, sei es in den prächtigen Hansestädten, den Residenzen unserer Herzöge oder eben im ländlichen Raum, der geprägt ist von seinen Gutsanlagen und Herrenhäusern. Dieses Erbe gilt es zu bewahren. Sehr geehrte Damen und Herren, im Rahmen der vergangenen Haushaltsverhandlungen haben wir hier im Landtag über die Aufgabe und Notwendigkeit des Denkmalschutzes, des Erhaltes unserer Baukultur debattiert, und wie so oft wurde mit vielen blumigen Worten viel Zustimmung signalisiert, die Wichtigkeit des Themas von allen hervorgehoben und allerlei Aktionismus skizziert. Die Realität sieht dann bekanntlich leider etwas anders aus, sowohl was die nach wie vor völlig unzureichende Ausstattung des Denkmalschutzes im Land angeht als auch die Bemühungen des Landes selber, seiner Verantwortung als oberster Hüter des materiellen Erbes nachzukommen. Dabei stellt die Wasserburg Divitz, um die es heute geht, zweifelsohne ein ganz besonderes Juwel unter den Herrenhäusern in Mecklenburg-Vorpommern dar. Wie nur noch wenige Häuser erzählt die kleine Burg, gelegen am Flüsschen Barthe, die Geschichte Pommerns von Anbeginn der deutschen Ostkolonisation und seiner kulturellen Blüte im ganzen Ostseeraum bis in das 20. Jahrhundert hinein. Immer wieder wurde die auf einem Fluchtturm aus dem Mittelalter zurückgehende Anlage überformt, wie man es in der Fachsprache nennt, und erneuert. Dabei blieben natürlich stets originale Elemente aus den Vorgängerepochen erhalten. Und genau das macht diese bauliche Anlage so besonders und eben auch wertvoll und darum erhaltenswert. Dabei ist die jüngste Vergangenheit, also die vergangenen zwei bis drei Jahrzehnte – man kann hier wirklich nur von einem Wimpernschlag sprechen in Anbetracht von über 600 Jahren Bestehenszeit –, als eher tragisch zu bezeichnen. Der übliche Nachwendeverfall, der viele prächtige Bauten hierzulande ereilte, ging auch an Divitz nicht vorüber. Umso erfreulicher war es, dass sich im Jahr 2015 offenbar die Rettung anbahnte: Denkmalschützer, Freunde der Baukultur und Anwohner atmeten auf, zeichnete sich doch eine Lösung ab, initiiert durch engagierte Menschen, die es nicht länger mit ansehen wollten, wie dieser kulturelle Schatz vor ihren Augen durch Regen und Wind unwiederbringlich zerstört wird. Ein Verein erwarb dieses Kleinod vom privaten Vorbesitzer und verhinderte wohl in der letzten Minute, dass das Haus in wesentlichen Teilen ein Opfer der unbarmherzigen Witterung wurde. Diesen Enthusiasten muss unser besonderer Dank an dieser Stelle gelten. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Ich bin dann in Vorbereitung auf die Debatte heute am vergangenen Sonntag selber nach Divitz gefahren, von meinem Wohnort aus eine durchaus lange Anreise, aber das war es mir wirklich wert, um mir tatsächlich selber einmal ein Bild der Situation vor Ort zu machen. Und wie es der Zufall wollte oder eben auch nicht Zufall, war auch Kollegin Hegenkötter dann vor Ort, um mit mir gemeinsam einmal einen Blick in die Wasserburg zu werfen. (Enrico Schult, AfD: Sehr gut!) Das hat mich persönlich sehr gefreut, dass Sie sich da auch so engagieren möchten. (Heiterkeit und Unruhe vonseiten der Fraktion der SPD) Ja, davon wird sie sicherlich auch nachher noch berichten. Die Botschaft, die wir von den engagierten Vereinsmitgliedern mit auf den Weg bekommen haben, war jedenfalls sehr eindeutig, und da ist gar kein Zweifel dran. Sehr geehrte Damen und Herren, nun sind erneut einige Jahre seit der Übernahme der Wasserbucht Divitz durch den Verein vergangen und noch immer steht es leider um dieses Kleinod an der Barthe nicht gut. Dabei pilgerte so mancher Landes- und Bundespolitiker nach Divitz und versprach viel Geld. Wie ich vor Ort hörte, sei insbesondere der Andrang von lokalen Wahlbewerbern, insbesondere vor der Landtagswahl, sehr groß gewesen. Also da musste jeder hin und einmal was versprechen. (Zuruf vonseiten der Fraktion der SPD) Seit nach der Wahl war dann offenbar nicht mehr viel zu hören. Aber Sie haben ja jetzt die Möglichkeit, das zu ändern. Bereits im Jahr 2018 jubelte unter anderem die SPD-Bundestagsabgeordnete Sonja Steffen, das Wasserschloss Divitz ist gerettet. Seinerzeit ging es wohl um die vom Bund zur Verfügung gestellten 10 Millionen Euro, und auch das Land wollte kräftig mit anpacken, ebenfalls 10 Millionen Euro wurden versprochen. Was sollte denn da jetzt noch schiefgehen? Noch dazu, dass das Herrenhaus zwischenzeitlich zum Denkmal von nationaler Bedeutung erklärt wurde, aber gerettet ist die Burg bis heute nicht, ganz im Gegenteil. Ja, vielleicht erzählt uns ja die Ministerin gleich, dass alles schon im Werden ist und niemand den Antrag der AfD hier heute bräuchte. Ich bin jedenfalls sehr gespannt. Die Menschen vor Ort, die sich sehr engagieren, diese Burg zu retten, die sind übrigens auch sehr gespannt auf die Ausführungen der Ministerin heute, denn dann können wir, können die Menschen vor Ort sie wenigstens beim Wort nehmen, denn daran scheint es ja wohl bei den zugesagten Kofinanzierungsmitteln des Landes zu fehlen. (Zuruf von Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD) Die Damen der SPD haben auch noch gleich ausreichend Möglichkeit, sich hier zu äußern. Also darauf freue ich mich. Die seinerzeit zugesagte Fördersumme verschwand plötzlich aus dem Gedächtnis. Die sozialdemokratische Amnesie ereilte offenbar nicht nur den Bundeskanzler, sondern auch Landtagsabgeordnete. Ich bin mir aber sicher, (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) ich bin mir aber sicher, dass die Kollegen der CDU diesen Ball gleich noch aufgreifen werden, denn sie waren offenbar bei den Verhandlungen auch dabei. Und ich hoffe, dass es um ihr Gedächtnis etwas besser steht. (Torsten Renz, CDU: Meinen Sie die im Bund oder im Land?) Somit freuen wir uns gleich auf die Ausführungen. Lassen Sie uns zurückkommen zum eigentlichen Gegenstand des Antrages, der Sicherung und Rettung der Wasserburg Divitz. Und ich möchte hier noch mal für alle weniger im Bereich der Denkmalpflege versierten Kollegen darlegen, worum es hier eigentlich geht: Gebaut wurde diese Burg wohl auf den Grundpfeilern einer slawischen Wehranlage. Die ältesten heute noch erhaltenen Teile stammen aus dem 13. Jahrhundert. Weitere prägende Umbauten erfolgten im 16. Jahrhundert und im 18. Jahrhundert. Und das ist eben für die Bauforschung so spannend, dass diese Burg ständig erweitert und umgebaut worden ist, aber immer unter Einbeziehung älterer Bauteile. Die Wasserburg Divitz stellt somit ein Nachschlagewerk für rund 800 Jahre Baugeschichte in Pommern dar. Doch die Zeit läuft trotz 800 Jahren Bestehens unerbittlich ab. Erst vor Kurzem haben Untersuchungen des Baugrundes alarmierende Erkenntnisse gebracht, denn durch die Grundwasserabsenkung durch wasserbauliche Maßnahmen zu DDR-Zeiten und ausbleibende Niederschläge, insbesondere auch wieder in diesem Sommer, liegen weite Teile der Pfahlgründung trocken und fangen an, sich zu zersetzen, ein Problem, das ja nun auch aus dem Schloss hier in Schwerin nicht ganz unbekannt ist, wie wir die letzten Tage lesen konnten in der Zeitung. Die Wasserburg Divitz droht aktuell regelrecht in sich zusammenzustürzen. Ich empfehle jedem, mal selber sich ein Bild der Lage zu machen. Am kommenden Sonntag ist der Tag des offenen Denkmals. Da besteht dann wieder die Möglichkeit, sich die Burg anzuschauen. Dann sieht man auch, wie dramatisch die Substanzverluste und die Schäden mittlerweile sind. Ich appelliere daher vor diesem Hintergrund an die Verantwortlichen: Zögern Sie die dringend notwendige Hilfe nicht weiter hinaus, sondern verschaffen Sie diesem baukulturellen Kleinod mehr Zeit, mehr Zeit für ausreichende Untersuchungen, mehr Zeit für die Abstimmung von Sanierungs- und Nutzungskonzepten und mehr Zeit für eine einvernehmliche Lösung zwischen Bund, Land und Eigentümern! – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)
