Christian Brade
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, das einzig Sportliche an diesem Antrag ist die kurze Redezeit, die wir hier zur Verfügung haben, weil wir haben ja gemerkt, dass es doch reichlich mehr Redezeitbedarf gibt als diese fünf Minuten. Deswegen muss ich mich auch ein wenig sputen. Als leidenschaftlicher Amateursportler freut es mich stets, wenn wir über unseren Sport in Mecklenburg-Vorpommern sprechen, auch wenn es heute aus meiner Sicht mehr um eine Passion geht oder eine Alltagskultur. Dank Ihres Antrags habe ich mich in der letzten Woche sehr intensiv mit dem Thema E-Sports auseinandergesetzt. Das hätte ich ohne diesen Antrag wahrscheinlich nicht, weil ich – das muss ich gestehen – E-Sports eher als Randerscheinung wahrgenommen habe. Doch wenn man, so wie ich, pubertierende Jugendliche zu Hause hat und aus den Kinderzimmern den Sound der Ego-Shooter hört und das Klappern der Spielekonsole, sollte ich in Zukunft fragen, zockst du noch oder ist das schon Sport. (Heiterkeit vonseiten der Fraktionen der SPD, AfD und DIE LINKE) Denn das Problem ist ganz einfach: Es gibt keine allgemeine Definition von E-Sports. Der Deutsche Olympische Sportbund als Dachorganisation des allgemeinen Sports in Deutschland verzichtet gar auf den Begriff des E-Sports, einzig der eSport-Bund Deutschland schafft sich eine Definition an. Darin heißt es: „eSport“ sei „der unmittelbare Wettkampf zwischen menschlichen“ Spielern „unter Nutzung von geeigneten Video- und Computerspielen“. Weiter unten findet man Beispiele von E-Sport-Spielen, die mich teilweise sehr irritierten. Darunter sind etliche Shooterspiele wie Call of Duty vermerkt, die inhaltlich rein gar nichts mit Sport zu tun haben. Na gut, es muss auch gesagt sein, dass der eSport-Bund Deutschland auch die zielgerichtete Bedienung der Eingabegeräte als sportliche Leistung bezeichnet. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) Wenn die Freien Demokraten bei einer solchen Sportdefinition angekommen sind, freue ich mich auf kommende sportpolitische Anträge hier im Landtag. Doch zurück zu Ihrem Antrag, liebe FDP: Zur Vorbereitung auf dieses Thema habe ich mich an unsere Fachverbände in Mecklenburg-Vorpommern gewandt. E-Sports spielen faktisch keine Rolle in der Sport- und Vereinskultur in unserem Bundesland, so die Aussage des Landessportbundes. Jetzt stellen wir uns einmal vor, dass wir E-Sports mit unseren herkömmlichen Bewegungssportarten gleichstellen würden, denn das hätte die Änderung der Sportförderrichtlinie zur Folge. Ich wüsste nicht, wie ich unserem Verein vor Ort erklären sollte, dass wir sie nicht mehr so stark fördern können, weil die Gelder nun auch für Wettbewerbe an der Playstation draufgehen. (Heiterkeit bei Marcel Falk, SPD) Wir müssen uns fragen, aus welchem Grund wir den Bewegungssport fördern. Für mich geht es in erster Linie um die körperliche Betätigung eines jeden Menschen, die sich gesundheitsfördernd auswirkt und Übergewicht im frühen Alter vorbeugt sowie im Alter fit hält. Aber auch ich sehe große Vorteile durch digitale Hilfsmittel im Sport, das wurde auch schon angesprochen, bin also kein Gegner der digitalen Entwicklung, nur sinnvoll eingesetzt sollte sie sein. Ich habe zum Beispiel ein Rennrad im Winter auch in meinem Büro aufgestellt und bin virtuell mit anderen Sportlern aus der ganzen Welt durch Frankreich, Spanien und Südamerika geradelt. (Thore Stein, AfD: Sonnencreme nicht vergessen!) Dabei werden digital der Puls gemessen, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Man kann auch eine Höhensonne aufstellen.) Trittfrequenz gemessen und die umgesetzte Energie ebenfalls. Solche Angebote tragen den ursprünglichen Sinn des Sports weiterhin in sich, und wir können an dieser Stelle überlegen, inwiefern wir die digitale Transformation im Bewegungssport stärker zur Unterstützung verankern können. Da E-Sports nicht zwingend Bewegung beinhalten müssen – lassen wir mal die zielgerichtete Bedienung der Eingabegeräte außen vor –, wird als zentrales Argument die Steigerung der Medien- und Sozialkompetenz zu Rate gezogen, um die positiven Seiten aufzuzeigen. Doch nur, weil es sich um eine digitale Leidenschaft handelt, wird nicht zugleich die eigene Medienkompetenz geschult. Medienkompetent zu sein heißt, sich in der digitalen Welt zu orientieren und digitale Medien bewusst einzusetzen. Dabei haben wir noch einiges zu tun, keine Frage. Da sind wir uns mit der Landesmedienanstalt einig, welche wir ebenfalls zu diesem Thema gefragt haben. Ein weiterer Eckpfeiler in Ihrem Antrag ist die ökonomische Seite. Darin heißt es, das private Nutzen von Computer- und Videospielen stärkt die Wirtschaft. Ich frage mich: Wo soll das denn sein? Wie soll das funktionieren? In Schwerin zum Beispiel kenne ich nur einen Computerspieleinzelhändler und ich kenne vielleicht zwei oder drei Spieleentwickler in M-V. Diese Spiele stehen aber nicht auf der Liste der E-Sports-Ligen, denn das große Geld wird dort verdient. Ich habe mir das mal rausgesucht: Call of Duty wird in einer solchen E-Sports-Liga gespielt und der Hersteller Activision Publishing mit Sitz in Santa Monica ist Teil des Unternehmens Activision Blizzard. Und am 18. Januar 2022 hat Microsoft …
