Christian Albrecht
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich muss sagen, ich muss jetzt gleich ein bisschen in den Turbomodus schalten. Ich war noch in der irrigen Annahme, dass ich zehn Minuten Redezeit hätte, muss jetzt ein Stück weit improvisieren. Sehen Sie es mir also bitte nach! (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Ich möchte vielleicht mal so einsteigen: Ich selbst bin wirklich passionierter Gamer, habe auch sehr viel Zeit reingesteckt, und als Herr Waldmüller gerade sprach von bis zu acht Stunden, da musste ich schon ein bisschen in mich hineinschmunzeln. Also das sind Zeiten, da fängt man in aller Regel erst mal an mit so einer Gaming Session, wenn man es wirklich ernst meint. (Heiterkeit vonseiten der Fraktionen der AfD, CDU und DIE LINKE) So, da gibt es durchaus Zeiten, die da lang sind. Ich kann mal so sagen, ich bin ganz froh, dass meine Mutter mit ihrer Einschätzung, man würde vom Spielen viereckige Augen bekommen, nicht recht hatte, weil ich würde die heute dann haben. Ich freue mich, dass dieser Antrag vorliegt, denn er bietet mir die Möglichkeit, mich endlich mal auch politisch mit meiner Passion auseinanderzusetzen, denn wir haben hier die Situation in Deutschland, dass Gaming, obwohl es mittlerweile einen festen Platz in unserer Gesellschaft hat, diese Industrie seit Jahren umsatzstärker als die komplette Filmindustrie und dabei ja noch immer in einem stetigen Wachstum begriffen ist und popkulturelle Ikonen wie Super Mario oder Pikachu in Sachen Bekanntheit maximal noch von Jesus geschlagen werden, (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der SPD) wir in Deutschland die schizophrene Situation haben, dass immer noch weite Teile der Bevölkerung mit dem Thema Gaming im Allgemeinen und E-Sport im Speziellen so gar nichts anfangen können und da immer wieder einen gewissen Argwohn hegen. Das finde ich schade, denn viele sind leider irgendwo bei den Killerspiel-Debatten der Nullerjahre hängengeblieben und sehen nach wie vor vor allem die Risiken des Spielens – das klang ja hier in Teilen auch an –, und dann bekommt die Debatte relativ schnell so einen negativen Touch. Und dann geht es um Sachen wie Suchtprävention oder die Frage, ob Gaming irgendwie schädlich für Kinder ist, und die sollten doch lieber raus an die frische Luft gehen et cetera. Und um die Potenziale von Videospielen geht es dann relativ häufig nicht. (Unruhe vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Stephan J. Reuken, AfD) Ich persönlich fände es richtig, sich neben der Frage, ob E-Sport Sport ist, auch mal damit zu beschäftigen, ob Videospiele Kunst beziehungsweise Kultur sind, die auch förderfähig sein könnten. Da gibt es einen relativ großen Kreativbereich, etwa in der Modding-, HomePure- oder Chiptune-Szene, um mal so exemplarisch einige zu nennen. Und da müsste man sich auch mal mit auseinandersetzen, statt die Debatte dann immer gleich auf den E-Sport zu verkürzen, der zwar relativ groß ist, im Gesamtbereich Gaming aber nur eine von vielen Facetten darstellt. Das soll jetzt aber kein Totschlagargument gegen Ihren Antrag sein, irgendwo muss man ja auch mal anfangen. Ich wollte es nur einmal hier platziert haben, weil so schnell werde ich wahrscheinlich die Möglichkeit nicht bekommen, darüber zu sprechen. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der FDP – Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das können Sie ja heute machen. Stimmen Sie der Überweisung zu, dann können wir anfangen! – Sebastian Ehlers, CDU: Überweisen Sie! – Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ja, ganz klar!) So, wichtiger ist da schon die Frage, ja, der Unterscheidung oder der Klarheit in den definitorischen Fragen. Man muss ja zwischen E-Sport, also der Simulation realer Sportarten, und dem E-Gaming, dem ganzen Rest, also Fundraiser, Strategiespiele, Shooter, Joe name it und wo dann tatsächlich auch in aller Regel die wirklich großen populären Spiele sitzen, unterscheiden. Das machen Sie in Ihrem Antrag aber nicht, und ich würde mich jetzt an der Stelle auch gern mit einigen anderen Punkten Ihres Antrags auseinandersetzen. Ich habe mir hier aufgeschrieben, Medienkompetenz, ja, Fragen zur Aufstellung der Games-Branche oder, ja, Kommerz, da wirklich was sagen zu wollen, muss ich jetzt aber, na ja, da ich ja doch weniger Zeit als gedacht habe, weglassen. Aber ich lade Sie herzlich ein, vielleicht mal eine Kurzintervention zu starten, da kann ich ja vielleicht dazu noch was sagen. (Heiterkeit vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU) Die zentrale Frage ist und bleibt aber: Ist E-Sport Sport? Auch hier würde ich persönlich sagen aus meiner Affinität, ja, klar, warum nicht. Aber das muss man irgendwann auch fachlich untersetzen und da wird es dann eben regelmäßig schwierig, und das wurde hier auch schon mehrfach zitiert. Eine einheitliche rechtsverbindliche Definition von Sport existiert eben nicht und man orientiert sich dann ganz oft an der Aufnahmeordnung des DOSB, das wurde ja gerade auch schon alles ausgeführt. Es gibt dann weiter dieses Rechtsgutachten, das der Frage nachgeht, passt E-Sport in seiner Gesamtheit unter das Dach des organisierten Sports. Die Antwort da war, nein, nur die virtuellen Sportarten, also Fußball, Basketball, Tennis und Ähnliches sind anschlussfähig an Vereine und Verbände des organisierten Sports und der Rest – und der ist eben sehr groß – nicht. Von der fachlichen Seite kommt man da also schwer ran, und das ist sicherlich auch ein wesentlicher Grund, warum das Thema insgesamt politisch nicht so wirklich vorankommt. Manche Bundesländer benutzen dann den Trick, E-Sport irgendwie in der Jugendhilfe firmieren zu lassen. Da gibt es dann aber auch diverse Probleme. Also einerseits tritt dann der E-Sport auch unter die Belange der Jugendhilfe zurück, auf der anderen Seite schließt man dann alle über 27 – und die machen ja einen ganz maßgeblichen Teil der Community aus – von vornherein aus. Das ist also auch keine optimale Lösung, maximal eine Hilfe. Der Landessportbund teilt hier die Einschätzung des DOSB und schlägt halt vor, dass man lieber E-Sport-Abteilungen bei den normalen Sportvereinen ansiedelt, und da reden wir ja noch nicht mal darüber, dass man auch potenziell eine Konkurrenzsituation zwischen E-Sport und traditionellem Sport etwa bei Fragen von Sportförderung am Horizont dann hätte. Aber auch da muss man eben sensibel vorgehen, um hier keine Konkurrenzsituation entstehen zu lassen. Ich persönlich wäre auch dafür, die Fachdebatten erst mal im Ausschuss dazu zu führen. Ich glaube, da gibt es nämlich noch ganz erhebliche, dicke Bretter zu bohren, und ich zumindest hätte da auch wirklich große Lust zu. Und es steht Ihnen ja auch frei, im Rahmen der Selbstbeschäftigung oder Selbstbefassung im Ausschuss, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Letztes, nicht unwichtiges Wort dazu: Der Antrag an sich ist aber eigentlich überflüssig. Ich zitiere den Koalitionsvertrag der Ampel: „Wir schaffen Rechtssicherheit für gemeinnützigen Journalismus und machen E-Sport gemeinnützig.“ Wir wollten prüfen, im Bund steht es, und wenn Sie eine Bundesratsinitiative wollen, dann wahrscheinlich unter der Prämisse oder macht das nur Sinn, wenn Sie sagen oder die Befürchtung haben, die Ampel im Bund würde nicht abliefern. Deswegen würde ich sagen, lassen Sie uns das hier noch mal debattieren. Warten wir auf das, was der Bund uns dann anbietet, und dann können wir uns landesseitig damit auseinandersetzen und gucken, ob wir im Einklang oder vielleicht aber auch in Abgrenzung zu der Regelung uns damit auseinandersetzen. Jetzt aber parallel …
