Hannes Damm
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Mitglieder des Landtags der demokratischen Fraktionen! Werte Mitglieder der AfD! Zu 1. bis 3. prinzipiell Zustimmung am Feststellungsteil, das ist ja sehr allgemein gehalten. Tierversuche sind natürlich, wo immer möglich, zu vermeiden, um grundloses Leid, Schmerzen, Schäden für die Tiere zu verhindern. Das ist aber laut Tierschutzgesetz selbstverständlich auch schon geregelt und für uns grundsätzlich natürlich genauso ausgeschlossen. Versuche finden aber, anders, als unter I Nummer 6 und II Nummer 2 suggeriert wird, ohnehin dann nur statt, wenn sie ethisch vertretbar sind, und das wird immer geprüft, wurde schon ausgeführt, (Enrico Schult, AfD: Das ist ein Dilemma, Herr Damm.) allerdings von Fachpersonal in den rechtsstaatlich dafür zuständigen Ämtern und nicht von einem so wenig qualifizierten Verein wie ausgerechnet dem, den Sie in Ihrem Antrag zitieren und wo Sie ungeprüft einfach alle Aussagen, auch wenn sie nicht fachlich richtig sind, übernommen haben. Ein vollständiges Verbot, auch von vertretbaren oder notwendigen Tierversuchen, in Deutschland würde schlicht dazu führen, dass die dann ins Ausland abwandern und dort durchgeführt werden, wo die ethischen Standards in der Regel niedriger sind als bei uns. Und das kann ja wohl nicht das Anliegen Ihres Antrags sein, (Horst Förster, AfD: Ist es auch nicht.) jedenfalls, wenn er ernst gemeint gewesen wäre. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Feststellung, dass die Tierversuche, insbesondere zur Validierung von bestimmten Arzneimitteln, heute nach Aussage verschiedener Expert/-innen nicht mehr zeitgemäß sind unbedingt, das ist allerdings dann eine bundesgesetzliche Regelung, und da würde ich Sie bitten, dann das auch dort mit der Initiative zu versuchen. Und zu Punkt 4: Da bleibt Ihr Antrag dann tatsächlich – der sich eigentlich ansonsten versucht, in so ein Hightech-Gewand zu kleiden an verschiedenen Stellen – weit hinter dem aktuellen Stand der Forschung zurück. Die Forschung hat früher strikt zwischen Tier und Mensch getrennt. Heute ist da Einigkeit, dass der Mensch ja auch nur ein Säugetier ist und sich physiologisch die Mechanismen zwischen Tier und Mensch nicht wesentlich anders unterscheiden als zwischen zwei verschiedenen Tierarten. Insofern hat die Forschergemeinde verstanden, dass sie den sogenannten One-Health-Ansatz verfolgen sollte. Den jetzt hier auszuführen in seiner Breite, würde meine Redezeit sprengen, aber grundsätzlich geht es darum, dass die Gesundheit aller Lebewesen des Planeten in sich gekoppelt ist. Krankheiten wie Bakterien, Viren, Pilze springen – bedingt durch den Klimawandel zum Beispiel, die Klimakrise, industrielle Landwirtschaft und den rasanten Anstieg der Weltbevölkerung – immer häufiger zwischen Mensch und Tier über. Corona, Affenpocken, Schweinepest, Geflügelpest, Vogelgrippe, Tollwut, BSE – die Liste kann man jetzt endlos lang ausführen. Von daher ist es nur logisch, diese Krankheiten hier gemeinsam zu erforschen für Tier und Mensch. Mecklenburg-Vorpommern ist bei dieser Forschung nicht nur deutschlandweit, sondern global auch führend, unter anderem mit dem traditionsreichen Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit auf der Insel Riems oder dem gerade frisch angesiedelten – übrigens ein großer Erfolg – Helmholtz-Institut für One Health in Greifswald. Bevor Sie also einen solchen Antrag stellen, bringen Sie sich besser beim nächsten Mal auf den allerneuesten Stand! Wir werden Ihre Initiative aus den genannten Gründen aber ablehnen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
