Dr. Till Backhaus
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Am Freitagnachmittag und dann mit dem Schulbeginn so ein Thema, das ja wirklich nicht einfach ist, hier zu bereden, ringt mir schon auch die Aussage ab – das ist auch meine eigene Grundauffassung –, wer mit Tieren und Pflanzen umzugehen im Kindesalter gelernt hat, der geht dann auch irgendwann, wenn er reifer geworden ist, mit Menschen gut um. (Beifall Jens-Holger Schneider, AfD) Das ist meine innere Überzeugung. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Und insofern möchte ich Ihnen ausdrücklich sagen, das Ziel, was wir verfolgen, und ich sage noch mal, wenn man Tiere liebt und selber Tiere hält, dann ist vollkommen klar, das Ziel von uns allen gemeinsam muss sein, Tierversuche, soweit es geht, zu reduzieren und auszuschließen. Und ich will Ihnen jetzt mal eine Zahl mit an die Hand geben. Ich habe das der Sozial- und Gesundheitsministerin auch gerade noch mal gesagt. Wenn ich mir überlege, meine sehr geehrten Damen und Herren – ich weiß nicht jetzt, wer von Ihnen, auch wenn ich die Frage stellen würde, wer von Ihnen ist geimpft, ich bin geimpft, ich gebe das freiwillig zu –, (Thomas Krüger, SPD: Ich auch.) aber wenn wir uns einfach mal überlegen, warum ist es zu diesem schnellen Prozess des Impfstoffes gekommen, dann will ich Ihnen mal eine Zahl mit auf den Weg geben. Innerhalb der letzten 17 Monate – 17 Monate! – hat es Deutschland oder die Weltgemeinschaft, im Übrigen auch in Zusammenarbeit über alle Landesgrenzen hinweg, sind insgesamt 61.339 Tiere in 109 Forschungsprojekte eingebunden gewesen, sonst hätten wir diesen Impfstoff heute nicht, der im Übrigen hervorragend weitestgehend auch Menschen vor dem Tod bewahrt hat. (Zuruf von Jens-Holger Schneider, AfD) Und wenn man das alles weiß – ich habe ein exemplarisches Beispiel genommen –, dann muss ich Ihnen auch sagen: Kennen Sie Professor Hensel? Ich kenne ihn persönlich sehr, sehr gut, ich glaube, Herr Terpe kennt ihn auch aus seiner damaligen Tätigkeit, und für mich war es damals ein Segen im Übrigen, dass ein unabhängiges – unabhängiges! – Institut eingerichtet worden ist, nämlich das Bundesinstitut für Risikobewertung. Und dieses Institut im Übrigen trägt ja auch den Namen BfR, Bf3R, nämlich die 3 steht für das, was Sie selber angedeutet haben. Und im Übrigen, das Bf3R, nämlich das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren, ist unter dem Dach des Bundesamtes als unabhängige, absolut unabhängige Behörde. Und ich schätze diese Einrichtung wirklich außerordentlich, weil es auch da unter anderem darum geht, Tierversuche auf das unerlässliche Maß zu beschränken und Versuchstieren einen bestmöglichen Schutz und auch das Leben zu gewähren. Und ich kenne persönlich Leute, im Übrigen auch in meinem persönlichen Umfeld, die auch Versuchstiere aufgenommen haben. Und Sie haben ja Zahlen genannt und die will ich dann auch unterstreichen, denn wenn wir unabhängige Forschung wollen und letzten Endes auch mit der Künstlichen Intelligenz, das haben Sie ja indirekt auch angedeutet, dass es eine Riesenchance ist, auch in diesem Sektor Tierversuche, soweit es geht, zurückzudrängen, dann es ist aber auch so, dass 58 Prozent im Übrigen der Tierversuche auch in der Grundlagenforschung zum Wohle der Humanmedizin eingesetzt worden sind. Und Sie kennen die Kategorien der Hauptthemen, im Übrigen Onkologie, also Krebsbekämpfung, Diabetes und all diese Fragen und auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer denn sich – ich habe das nicht so verstanden, ich will das auch ausdrücklich sagen –, man kann sich hier jetzt nicht hinstellen und sagen, morgen, ab morgen ist Schluss damit und dann wird das schon irgendwie funktionieren. Da müssen wir uns einig sein. Und deswegen, auch die neuartigen zivilen Krankheiten, was Demenz anbetrifft oder auch Infektionen oder Immunkrankheiten, darf man in dieser Frage nicht, auf keinen Fall außer Acht lassen. Die Gesamtzahlen, die ich ja auch angedeutet habe, und wenn man, ich sage jetzt nur die runden Zahlen, wenn wir 2019 2,1/2,2 Millionen Tiere in Deutschland und tatsächlich auch in diesem Bereich in diese Situation gebracht haben, dann haben wir aber tatsächlich auch 2020 eine Reduktion von über 14 Prozent erreicht. Das darf man auch nicht vergessen. Also wir sind auf einem Weg, nämlich Reduktion, Reduktion, Reduktion. Und insofern ist es ja auch wichtig, dass die Gesamtzahl natürlich auch beinhaltet, dass auch die wissenschaftliche Umsetzung dabei eine richtige und wichtige Rolle spielt. Zu den Hochburgen der Tierversuche, auch das möchte ich hier noch mal ausdrücklich sagen, Frau Präsidentin, gehören München oder Berlin, Göttingen, Hannover und wir in Rostock mit 42 Tieren, auf dem Riems mit 32 oder Greifswald, in diesen bundes- und universitären Forschungsbereichen, mit 15 Tieren. Insofern, bei aller Einsicht auch in die Notwendigkeit von Tierversuchen, für jedes Tier gilt der Grundsatz, wer Tiere zu Hause hat, wir haben Hochachtung vor der Schöpfung und vor den Tieren. Ich habe auch mal gesagt, im Darwineum, als ich vor den Affen im Übrigen gestanden habe, in der Verbraucherschutzministerkonferenz, stellen Sie sich bitte mal vor, die Evolution wäre andersrum gelaufen. (Zuruf von Jens-Holger Schneider, AfD) So! Und dazu stehe ich persönlich auch, und deswegen ist es sicherlich ein hoch, hochbrisantes, in der Sache orientiertes Thema, um neue Wirkstoffe zu entwickeln, die der Zivilisation, der Zivilisation helfen, aber auch den Menschen helfen, diesen Planeten zu retten, aber auch mit den Tieren und Pflanzen gut umzugehen. Ich denke, das ist deutlich, immer deutlich geworden. Und insofern hoffe ich, dass wir möglichst schnell auch in diese Frage weiter Bewegung hineinbekommen. Aber auf Bundesebene und Landesebene, das will ich abschließend sagen, die Kommission, die über Tierversuche entscheidet, auch in Mecklenburg-Vorpommern, das sind Wissenschaftler höchsten Maßes, (Zuruf von Jens-Holger Schneider, AfD) zu denen ich ganz hohes Vertrauen habe. Gucken Sie sich Professor Mettenleiter an oder natürlich auch die humanmedizinischen Bereiche, Professor Schareck, oder ausdrücklich sind auch die Tierschützer mit dabei. Bevor wir eine solche Entscheidung treffen, ist die Tierversuchskommission, die bei uns im LALLF angesiedelt ist – also im Landesamt, wir haben ja insgesamt drei in der Verantwortung –, unter anderem wird das wirklich sehr, sehr deutlich abgewogen. – Vielen Dank! (Befall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
