Enrico Schult
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Liebe Bürger! Im Juni lud das Bildungsministerium zu einem großen Pressegespräch ein. Ich habe leider auch nur aus der Zeitung davon erfahren, denn wie Sie hörten, waren wir ja nicht dabei, bei der Erarbeitung dieses Schwimmkonzepts, obwohl ich eigentlich als Mitglied im Bildungsausschuss – und Herr Brade sagte es, die Rahmenpläne werden hier tangiert –, natürlich sollten die Bildungsausschussmitglieder auch darüber in Kenntnis gesetzt werden. Aber leider kennen wir das so von Frau Oldenburg, dass wir unsere Informationen oftmals aus der Presse entnehmen müssen. Das ist insofern ärgerlich und schade, weil wir eigentlich das Fachgremium sind, das sich mit diesen Dingen befassen muss. Ich möchte jetzt noch mal kurz zum Inhalt dieser Initiative kommen. Da heißt es – es geht mit vielen Allgemeinplätzen los –, da heißt es: „Der Landtag stellt fest, dass weitere Anstrengungen notwendig sind, um zukünftig allen Kindern das Schwimmenlernen zu ermöglichen.“ Ja, das ist richtig, das ist klar, das ist aber auch schon die ganze Zeit lang so. Und da frage ich mich, Mensch, da fehlen mir jetzt auch diese konkreten Vorschläge – und ich komme gleich noch mal darauf, was Sie da anführen –, die sind meines Erachtens nämlich nicht dazu geeignet, da tatsächlich Abhilfe zu schaffen. Zum einen, und diesen Punkt begrüße ich, es sollen mehr Lehrer zu Schwimmlehrkräften ausgebildet werden. Der Punkt, dass die Lehramtsstudenten auch aus anderen, also die nicht Sport studieren, dazu diese Ausbildung bekommen, diese Rettungsschwimmerausbildung, ist gut, ist richtig. Ich frage mich natürlich, ob bei dieser hohen Abbrecherquote, die wir derzeit haben, in Greifswald und auch in Rostock – Frau Wegner sprach es gestern an –, ob das einfach so möglich ist, ob sich das realisieren lässt, ob man sagen kann, jetzt macht ihr hier einfach eine Rettungsschwimmerausbildung. Das wage ich zu bezweifeln, aber ich lass mich da eines Besseren belehren gerne. Das Konzept zur Verbesserung des Schulschwimmens wurde ja angesprochen und ein Konzept hört sich immer sehr gut an, letztlich ist die Frage, was kann man davon umsetzen. Wir haben gestern schon einen ersten Vorschlag gemacht. Mit einer zusätzlichen Sportstunde hätte man natürlich auch den Schwimmunterricht stärken können – der Schwimmunterricht ist nicht Bestandteil des Sportunterrichts –, und da haben Sie ja leider abgelehnt. Insofern frage ich mich, ob das Konzept denn jetzt wirklich da eine Verbesserung herbeiführt, für die Schwimmfähigkeit unserer Kinder. Dann heißt es weiter in Ihrem Antrag, die Kinder sollen schon in den Kitas ans Wasser gewöhnt werden. Nun gut, wir wissen alle, wie das in den Kitas ist, die Erzieher sind heillos überlastet, wir haben die Fachkraft-Kind-Relation. Da haben wir schon hinlänglich hier drüber debattiert. Ich frage mich, ob das so einfach möglich ist, zu sagen, jetzt geht man mal bitte ans Wasser, geht mal bitte an den See, weil es ja auch mit der großen Verantwortung einhergeht. Meine Forderung ist da, dass tatsächlich die Eltern in erster Linie das übernehmen müssten, in den Elternhäusern, die Gewöhnung ans Wasser. Das können wir nicht alles auf die Kitas und Schulen abschieben. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) In Ihrem Pressegespräch sagten Sie – und das ist jetzt, im Antrag wird das leider gar nicht mehr aufgeführt –, dass Kooperationen eingegangen werden sollen mit Hotels und Kurkliniken, denn es ist in der Tat so, Herr Brade hat es leider nicht angesprochen, und es ist aber das Hauptproblem, dass wir in diesem Land zu wenig Schwimmfläche haben. Also wir haben einfach, wir haben 18 Schwimmhallen hier in Mecklenburg-Vorpommern, wir haben 26 geeignete Hotelbecken, so sagte uns das Frau Oldenburg im Ausschuss, und zehn Prozent der Schulen nutzen schon die Möglichkeit einer Kooperation. Aber glauben Sie mir, es ist doch nicht einfach zu sagen, jetzt zum Hotel zu gehen, und zu sagen, geben Sie mir mal Ihren Pool, ich komme jetzt hier mit der Klasse und möchte Schwimmunterricht nehmen, weil die haben natürlich auch ihre Gäste und werden ihren Wellnessbereich nicht einfach so zur Verfügung stellen. Dieser Punkt taucht auch in Ihrem Antrag jetzt gar nicht mehr auf. Insofern haben Sie wahrscheinlich eingesehen, dass es nicht einfach umsetzbar ist. Das ist aber das Grundproblem, die fehlenden Schwimmstätten, mit denen wir einfach die Schwimmfähigkeit unserer Kinder verbessern müssen. Und wir als AfD haben da auch schon einen Antrag eingebracht in die Haushaltsberatungen, die Kommunen so auszustatten oder ein Förderprogramm aufzulegen für die Sanierung und den Bau von Schwimmhallen und Freibädern. 20 Millionen Euro hatten wir dafür eingestellt in den Haushalt – haben Sie leider nicht zugestimmt. Aber das wäre ein Punkt gewesen, um einfach die Schwimmstätten zu bauen oder zu modernisieren, und da hätten wir tatsächlich einen Schritt in die richtige Richtung machen können. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Was Sie machen, ist das Gegenteil: Sie kürzen jetzt noch die Infrastrukturpauschale, sodass die Kommunen gar nicht mehr in der Lage sind, die Freibäder zu unterhalten oder eventuell noch neue zu bauen. Insofern ist das unseres Erachtens der falsche Weg. Wir bräuchten ein Schwimmstättenförderprogramm, wie von uns gefordert. Wir brauchen die Initiative der Eltern, wie bereits angekündigt. Aber wir werden uns diesem Vorschlag hier auch nicht verschließen, weil es geht in der Tat um unsere Kinder, um unsere Lütten. Auch wenn, wie ich eingangs sagte, wir leider nicht beteiligt wurden, werden wir diesem Antrag im Sinne unserer Kinder zustimmen und hoffen, dass es tatsächlich was bewegt, wenngleich ich da etwas skeptisch bin. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)
