Simone Oldenburg
Runterstellen hätte er es auch noch können, ne?! (Ministerin Simone Oldenburg stellt das Rednerpult ein.) Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Kein Kind darf in Gefahr geraten. Kein einziges Kind darf die Grundschule verlassen, ohne eine sichere Schwimmerin oder ein sicherer Schwimmer zu sein. Wer Angst vor dem Wasser hat, kann eben diese Gefahren nicht einschätzen und schon gar nicht bezwingen. Deshalb ist es unsere Aufgabe, gemeinsam alles dafür zu tun, damit die Schülerinnen und Schüler bis zum Ende der 4. Klasse kleine sichere Schwimmer werden. Mecklenburg-Vorpommern, das gewässerreichste Land in der Bundesrepublik, darf nicht nur mit den unendlich vielen Seen und einer mehr als 1.400 Kilometer langen Küste um Urlauberinnen und Urlauber werben, sondern muss auch ein sicheres Zuhause für die mehr als 65.000 Grundschülerinnen und Grundschüler sein. Damit dieser Wunsch auch tatsächlich Realität wird, haben die Fraktionen von SPD, CDU, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und der FDP seit Januar in einem engen und intensiven Austausch gestanden. Uns bewegen unter anderem folgende Fragen: Wie gelingt es uns allen gemeinsam, hier ein Konzept auf den Weg zu bringen, das all unsere Ideen aufgreift und weiterentwickelt? Wie ist der Schwimmunterricht bisher organisiert? Welche Erfahrungen hat jeder Einzelne von uns? Wie viele Schulen bieten überhaupt den Unterricht an? Wo werden wie viele Personen zur Schwimmlehrkräften ausgebildet und wie können es noch mehr werden? Wie viele Kinder verlassen die Grundschule ohne sichere Schwimmfähigkeiten? Sehr geehrte Damen und Herren, zahlreiche Landtagsanträge und Dutzende Kleine Anfragen in den vergangenen Jahren haben das Thema zwar immer wieder berührt, auch kleinere Erfolge konnten erzielt werden, aber der große Wurf blieb aus. Es fehlte bisher ein Konzept, das darlegt, wie der Schwimmunterricht individuell organisiert werden kann und wie es uns gelingt, die Lehrkräfte neben der methodischen Ausbildung zu Schwimmlehrkräften und auch gleichzeitig zu Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmern auszubilden und somit den Unterricht abzusichern. Dazu haben wir uns in den vergangenen Monaten verständigt, haben die Köpfe zusammengesteckt und gemeinsam Antworten gefunden. Dafür bedanke ich mich recht herzlich bei den sportpolitischen Sprecherinnen und Sprechern der Fraktionen und natürlich auch ganz besonders bei Herrn Gau vom Institut für Qualitätsentwicklung und Frau Brockhof als die Schwimmkoordinatorin, die mit ihren riesengroßen Einsatzmöglichkeiten neue Unterrichtsformen entwickelt hat. Herzlichen Dank für diese fantastische Zusammenarbeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE, Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, und David Wulff, FDP) Es begann im Januar mit dem ersten Runden Tisch „Schulschwimmen“, an dem unter anderem der Vizepräsident der DLRG, die Verbandskoordinatoren des Schwimm-Verbandes, die Koordinatorinnen für die Schwimmausbildung und der Direktor des Instituts für Sportwissenschaft teilnahmen. Ideen wurden geboren, Möglichkeiten aufgezeigt und Hoffnungen für einen Schwimmunterricht, der alle Kinder erreicht, wurden geweckt. Mit diesen Vorschlägen im Gepäck setzten wir uns fraktionsübergreifend zusammen und erarbeiteten in wirklich beeindruckender Sachlichkeit und mit großem fachlichen Wissen die vorliegenden Punkte für ein Gesamtkonzept. Von Anfang an stand für uns der Wille im Vordergrund, eng abgestimmte Phasen der Ausbildung, des Unterrichts und auch der Auffrischung der Schwimmfähigkeiten zu erarbeiten, die in einem Konzept münden werden, das gewährleistet, dass jedes Mädchen und jeder Junge am Ende der Grundschulzeit ein toller Schwimmer ist oder eine tolle Schwimmerin ist, die dann das Wasser und damit auch die lauernden Gefahren bezwingen können. Sehr geehrte Damen und Herren, gegenwärtig verlässt noch immer ein Drittel der Kinder die Grundschule ohne Basisfähigkeiten im Schwimmen, das heißt, diese Kinder können sich nicht einmal über Wasser halten. Und noch immer findet längst nicht an allen Schulen der Schwimmunterricht überhaupt statt, denn die Kinder an 20 Grundschulen haben auch in diesem Jahr keine einzige Minute Schwimmunterricht. Hinzu kommen die pandemiebedingten Rückstände bei den jetzigen Fünft- und Sechstklässlern. Und noch immer werden zu wenige zukünftige Lehrkräfte in ihrem Studium auch zu Schwimmlehrkräften ausgebildet. Hier wollen wir künftig nicht nur alle Lehramtsstudierenden für das Fach Sport ausbilden, sondern diese Möglichkeit, Schwimmlehrer zu werden, für alle anderen künftigen Lehrerinnen und Lehrer öffnen. In diesem Jahr arbeiten 430 ausgebildete Schwimmlehrkräfte mit der Befähigung zum Rettungsschwimmer an den Schulen unseres Landes. Wir wollen die Lücke, die altersbedingt entstehen wird, sofort mit den neuen Angeboten schließen. Gleichzeitig prüfen wir, ob die Wassergewöhnung der Vorschulkinder einen festen Platz in der Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher einnehmen kann, denn alles, was die Kinder vor Schuleintritt bereits können, erleichtert das Schwimmenlernen. Damit wir aber auch sicherstellen, dass die erworbenen Fähigkeiten nicht verkümmern oder gar wieder verlernt werden, sollen Schulen auch vermehrt die Möglichkeit von Auffrischungskursen in der Orientierungsstufe, also in Klasse 5 und 6, nutzen. Gleichzeitig wird das Konzept mehrere Varianten eröffnen, den Schwimmunterricht durchzuführen, entweder als wöchentliches Angebot oder als Kompaktkurs, so, wie sich die Schulen mit den Schulträgern einigen. Was eben auch vor Ort umsetzbar und realisiert werden soll, wird dann schrittweise Realität. (Am Rednerpult leuchtet die rote Lampe.) Umfassend fraktionsübergreifend, von der Wassergewöhnung bis zum sicheren Schwimmer und zum Rettungsschwimmer – das ist ein richtig guter, vielleicht ja sogar ein richtig großer Entwurf. So wird es uns gemeinsam gelingen, dass Mecklenburg-Vorpommern nicht nur ein wunderschöner Urlaubsort ist, sondern auch ein Land, in dem alle Kinder schwimmen können. – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und David Wulff, FDP – Ministerin Simone Oldenburg wendet sich an das Präsidium.)
