Thore Stein
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegen! Liebe Mitbürger! Alljährlich im Frühjahr steht auf Grünlandflächen die Mahd an. Diese dient der Futtergewinnung als Heu oder Silage, in Teilen auch als Substrat für Biogasanlagen. Der erste Schnitt – Grünland wird bei intensiver Nutzung bis zu fünfmal im Jahr gemäht – ist dabei der hochwertigste sowohl im Hinblick auf die Menge als auch auf die Inhaltsstoffe. Es gilt hier also, den richtigen Vegetationszeitpunkt abzupassen, um ein möglichst hochwertiges Produkt zu erhalten. Nun fällt der Zeitpunkt der Frühmahd je nach Witterung im zeitigen Mai in die Brut- und Setzzeit zahlreicher Wildarten, von Bodenbrütern über Niederwild bis hin zum Schalenwild. Viele Wildarten nutzen die hochgewachsenen Grünlandbestände als Kinderstube. Das ist sicherlich den meisten bekannt. In der Vergangenheit, als der Grünlandschnitt noch mit Sichel, was tatsächlich noch gar nicht so lange her ist, (Zuruf von Thomas Krüger, SPD) oder eher langsam fahrenden Traktoren mit Balkenmähwerk erfolgte, bestand keine oder nur eine geringe Gefahr. Die im hohen Gras liegenden Wildtiere hatten ausreichend Zeit zur Flucht. Das hat sich heute mit der rasanten Technologisierung radikal verändert. Gerade bei der Gewinnung hochwertiger Silage ist ein zügiges Arbeiten unerlässlich. Moderne Mähwerkskombinationen werden diesen Anforderungen gerecht durch große Arbeitsbreiten und hohe Fahrgeschwindigkeiten. Arbeitsbreiten von über zehn Metern sind heute völlig normal. Die Geschwindigkeit liegt dabei bei rund 15 Kilometern pro Stunde. Damit sind Flächenleistungen von über zehn Hektar pro Stunde problemlos möglich, in anderen Zahlen ausgedrückt über 100.000 Quadratmeter pro Stunde, um mal die Schlagkraft zu verdeutlichen. Was für die Arbeitserledigung von großem Vorteil ist, bedeutet für die Wildtiere jedoch eine große Gefahr, denn häufig duckt sich das Wild – man nennt das den Duckreflex – bis zum letzten Moment vor der herannahenden Gefahr weg, um im letzten Moment noch aufzuspringen. Dann ist es jedoch oftmals zu spät. Und was so ein Scheiben- oder Trommelmähwerk anrichtet, wenn es über ein im hohen Gras verborgenes Rehkitz fährt, kann sich jeder, glaube ich, ausmalen. Nun ist es so, dass man ein gewisses Maß an Verlusten, wenn man in der Natur wirtschaftet, zwangsläufig und bedauerlicherweise in Kauf nehmen muss, aber es gibt natürlich erprobte und auch kostengünstige Methoden, um ein unnötiges Tierleid zu vermeiden, um Futterverunreinigungen zu verhindern und auch die psychologische Belastung von Mitarbeitern möglichst gering zu halten, denn es gibt wohl kaum einen Landwirt in der Praxis, dem es nicht ans Gemüt geht, wenn er ein Jungtier durchs Messerwerk geschickt hat und die oftmals noch lebenden und grausam zugerichteten Tiere im Anschluss von ihrem Leid erlösen muss. Dabei lassen sich solche unschönen Anblicke durchaus verhindern. Eine gängige Methode ist zum Beispiel das Abgehen der Flächen mit Hunden, um die Wildtiere zu vergrämen. Dieses Vorgehen ist allerdings sehr zeitintensiv und bedarf einer guten Zusammenarbeit mit den örtlichen Jägern, ist allerdings auch wirklich sehr effektiv, nur bei gerade in Mecklenburg-Vorpommern vorhandenen großen Flächen natürlich nur eine bedingt brauchbare Lösung. Darüber hinaus gibt es zunehmend auch technische Lösungen. Bekannt ist sicherlich der Einsatz von Flugdrohnen. Diese sind mit Wärmebildkameras ausgestattet und können im Überflug auf den Flächen liegendes Wild entdecken, eine durchaus effektive und schlagkräftige Methode, die obendrein auch sehr bequem ist. Die Randbedingungen müssen aber passen. Es darf zum Beispiel nicht zu warm sein, sonst zeichnen sich die Kontraste von Körpertemperatur der Wildtiere zur Umgebungstemperatur in der Wiese nur unzureichend ab. Es ist also so, dass man das in den sehr zeitigen Morgenstunden machen muss. Das Zeitfenster, um hier erfolgreich eine Wildsuche zu begehen, ist also sehr gering, was eben wieder auch zur Problematik der Personalknappheit letztlich dann auch kommt. Eine sehr kostenintensive, aber auch sehr effektive Variante ist die Ausrüstung der Schneidwerke und Schlepper mit Sensoren. Da gibt es mittlerweile von vielen führenden und namhaften Herstellern praxisbewährte Lösungen, die funktionieren sehr zuverlässig, haben allerdings den Nachteil, dass die Fahrgeschwindigkeit für ein korrektes Funktionieren deutlich reduziert werden muss und somit natürlich auch die Schlagkraft auf der Fläche dann geringer ist. In der Praxis – und da gibt es einige Bundesländer, die uns da schon ein Stück voraus sind – gibt es noch eine weitere Methode, die man sich zunutze machen kann, und die ist relativ einfach umzusetzen, allerdings eben nicht überall gängige Methode. Und zwar wendet man Mähtechniken an, die dem natürlichen Fluchtverhalten der Wildtiere gerecht werden. Man mäht die Fläche einfach von innen nach außen, anstatt von außen nach innen. Da gibt es durchaus erprobte Muster in Bayern, da gibt es zum Beispiel unter anderem auch eine Handlungsempfehlung für die Landwirte, die wirklich sehr lesenswert ist. Man nutzt also zum Beispiel die geografischen Gegebenheiten, die Nähe zu einem Waldrand oder Ähnlichem aus, um bestimmte Muster beim Mähen einzuhalten und dadurch den Tieren auch einen natürlichen Fluchtweg zu ermöglichen. Man kennt das vielleicht so ein bisschen in der umgedrehten Richtung. Im Herbst, wenn die Schwarzwildbejagung in den Maisbeständen ansteht, dann macht man das genau andersherum, dann treibt man das Wild nach innen, um es dann quasi beim Ausbrechen zur Strecke zu bringen. (Am Rednerpult leuchtet die rote Lampe.) Und jetzt ist meine Zeit hier um. Also der vorliegende Gesetzesentwurf soll hier durch eine relativ einfache Möglichkeit Tierleid vermindern. Damit tun wir keinem weh. Wir erschweren die Bewirtschaftung nicht unnötig und bringen auch keine Kosten zusätzlich auf die Landwirte zu. – Danke schön! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)
