Thore Stein
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Liebe Mitbürger! Mit dem Einzug der AfD in den Landtag im Jahr 2016 durfte sich der Landtag schon mit so manchem Vertreter der heimischen Fauna beschäftigen: Nandu, Biber, Kormoran und immer wieder auch der Wolf, nicht zu vergessen natürlich der Dorsch und der Aal, hinzukommen Waschbär, Nutria und Marderhund, wobei, ich gebe zu, das kam damals von der CDU im Ausschuss. Nun dürfen sich also auch FDP und neuerdings die CDU in der Oppositionsrolle dem Landtag-Jagdverband mit der AfD anschließen. Herzlich willkommen! Wir werden uns dann sicherlich gut verstehen. Alleine fünf Anträge brachte die AfD in der vergangenen Legislaturperiode zum Raubtier mit dem lateinischen Namen Canis lupus in das Plenum ein, vordergründig nicht deshalb, weil wir uns so unglaublich gerne mit Wildbiologie beschäftigen, sondern weil die Rückkehr des Wolfes in eine Kulturlandschaft, die sich seit Jahrhunderten ohne große Beutegreifer etabliert hat, nicht ohne Konflikte abläuft. Das ist, glaube ich, allen klar, das ist sicherlich nicht mehr strittig. Und diese Konflikte nahmen in den vergangenen Jahren deutlich zu, und das war für jeden Beteiligten letztlich auch absehbar. Und all die Ausflüchte und all das Verstecken hinter dem handlungsunwilligen Brüssel wirken da wie billige Ausreden, und das wissen auch alle Beteiligten. Zwar hat sich die Wolfsbeauftragte der CDU Frau Beate Schlupp als Mitglied der Koalition seinerzeit wirklich redlich in die Bresche geworfen, Sie konnte sich am Ende aber doch nicht gegen die sozialdemokratischen Wolfsromantiker durchsetzen. (Beifall Jens-Holger Schneider, AfD) Und so sind viele Jahre vergangen und aus einst wenigen Einzeltieren sind mittlerweile fast 20 Rudel hier im Land herangewachsen, deutschlandweit sollen es gegenwärtig über 150 an der Zahl sein. Und bei einer angenommenen Zuwachsrate von rund 30 Prozent pro Jahr dürfte jedem, der auch nur im Ansatz mathematisch bewandert ist, klar sein, wo wir uns in fünf Jahren befinden. Wer jetzt nicht so schnell im Kopfrechnen ist: 550 Rudel werden es in fünf Jahren sein. Und damit komme ich … Kurzer Hinweis: Es sind ungefähr zehn Tiere pro Rudel, also wir reden dann über mehrere Tausend Wölfe in Deutschland. Und damit komme ich an dieser Stelle kurz zu dem gerne angeführten – und eben auch wieder – günstigen Erhaltungszustand. Dieser wurde hier ja auch stets als Gegenargument für eine Regulierung der Wolfsbestände genannt. Dabei ist schon lange bekannt, dass für den günstigen Erhaltungszustand einer isolierten Population rund 1.000 erwachsene Tiere ausreichen und für eine Population, die im Austausch mit anderen Populationen steht, sogar 250 Tiere. Und wer abstreitet, dass die deutsche Wolfspopulation nicht mit den Beständen in Osteuropa im genetischen Austausch steht, dem sei ein Blick in seinen alten Schulatlas empfohlen, die Wege sind nämlich relativ kurz für Wölfe. Die Wolfsrisse und Schäden an den Herden nehmen zu. Die Begegnungen mit den Menschen werden immer häufiger, und es besteht die ernst zu nehmende Gefahr, dass der Wolf sich irgendwann an die Harmlosigkeit des Menschen gewöhnt, denn dumm ist er letztlich nicht. Und auch der Druck auf die Beutebestände, also die Wildtiere, und auch die immer zunehmend – glücklicherweise zunehmend – besser geschützten Herden werden mit zunehmender Wolfspopulation stetig zunehmen, und dann wird der Wolf auf der Suche nach Nahrung auch andere Wege beschreiten. Erste Übergriffe auf Pferde und Rinder, was vor wenigen Jahren noch völlig negiert wurde, zeigen, zu was dieses Raubtier fähig ist. Und das zeigt auch eines deutlich auf: Der Wolf muss seine Scheu vor dem Menschen behalten, und das funktioniert nur über eine konsequente Bejagung außerhalb klar zu definierender Wolfsreservate. Und auch das möchte ich an dieser Stelle einmal betonen: Weder ich noch meine Fraktion sind grundsätzlich gegen die Rückkehr einst verdrängter heimischer Tierarten. Die Wiedereinwanderung von Wolf, Elch und Wisent zeigt ja – auch das hat Herr Backhaus eben schon angeführt –, dass die Anstrengungen des Natur-, Umwelt- und Artenschutzes letztlich Früchte tragen, und das ist ja letztlich auch gut so. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Somit geht der hier vorliegende Antrag – oder das „Wolfsgeheul“, wie es das Ministerium von Herrn Backhaus gerne umschreibt – in die richtige Richtung, aber das Beispiel in unserem Nachbarbundesland Niedersachsen zeigt doch, wohin die Reise letztlich gehen muss und auch gehen wird. Ich prophezeie Ihnen, das, was Niedersachsen macht, werden wir auch in Mecklenburg-Vorpommern irgendwann machen und wir werden auch den Wolf irgendwann in Deutschland konsequent bejagen. Das ist alles eine Frage der Schmerzgrenze. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Der Wolf muss also ins Jagdrecht. Interessanterweise war das ja laut Herrn Minister Backhaus immer unmöglich – wir können gern mal in die Protokolle der letzten Jahre reinschauen – (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) aufgrund der Blockadehaltung in Brüssel und irgendwelcher FFH-Anhangrichtlinien. Also immer stand die Bürokratie im Wege für pragmatische Lösungen. Niedersachsen zeigt nun, wie es geht, und bekanntlich findet jeder seinen Meister, so auch unser Agrarminister offenbar. Sie werden aber sicherlich einen guten Draht zu Ihrem Parteifreund und niedersächsischen Umweltminister Herrn Lies haben, (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) und der gibt uns sicherlich wertvolle Tipps. Ich schlage sogar mal vor, dass wir ihn mal zu uns in den Agrarausschuss einladen und mal anhören, wie das denn in Niedersachsen so geklappt hat. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Die Idee ist sehr gut.) Wie dem also nun auch sei, bisher produziert der Wolf eine Menge Schaden und noch viel mehr Bürokratie, völlig praxisferne Regelungsansätze, Glanzstücke bundesdeutscher Bürokratie und Hilflosigkeit, und auch der hier vorliegende Antrag der FDP kann sich von diesen Problemen nicht vollends befreien, denn auch er sieht wieder eine aufwendige Einzelfallregelung vor zur Entnahme von Problemwölfen. Und das wird insbesondere deutlich an Ihrem Punkt II.2. und dann in der Ziffer d): Die Entnahme soll weiterhin auf sogenannte Problemwölfe beschränkt sein. Und da frage ich Sie, auch als Jägerin: Wie wollen Sie denn den entsprechenden Wolf erkennen oder, wie es in der Jägersprache heißt, ansprechen? Also mir würde das persönlich sehr schwerfallen, nachts auf dem Hochsitz zu erkennen, welchen Vierbeiner ich dann letztlich jetzt vor mir habe. (Minister Dr. Till Backhaus: Na, da bin ich ja gespannt.) Genau. Deswegen ist diese Regelung letztlich auch völlig praxisfern. Und da muss man auch mal sich in die Situation der Jägerschaft versetzen, denn ich würde es tunlichst vermeiden, auf einen Wolf zu schießen. Da stehe ich nämlich gefühlt mit zwei Beinen im Knast und im Zweifelsfall ist dann auch der Jagdschein ganz schnell weg. Es gibt viele Gründe, warum der weg sein kann, aber auch, (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) auch der … Ja, das falsche Parteibuch, soll auch passieren in der Bundesrepublik Deutschland. Aber letztlich ist auch das Abschießen von streng geschützten Arten sicherlich nicht förderlich, seinen Jagdschein behalten zu dürfen. Wir empfehlen also eine konsequente Fortführung des eingeschlagenen Weges und plädieren für eine Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht. Und wir wollen auch, dass endlich eine klare Obergrenze definiert wird, für die wir hier in unserer Kulturlandschaft für den Wolf als Platz erachten, und was darüber hinaus geht, muss dann auch konsequent bejagt werden. Und Politik ist bekanntermaßen ein Marathonlauf und so auch in der Causa Canis lupus. Doch während das Land Niedersachsen bereits ein gutes Stück der Strecke zurückgelegt hat, versucht Minister Backhaus offenbar noch, die Knoten aus seinen Laufschuhen zu lösen, (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) aber vielleicht klappt das ja noch bis zum Ende der Amtszeit. Wie dem auch sei, der Antrag ist nicht das Ende, (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) aber er ist ein Schritt in die richtige Richtung, und somit haben Sie unsere Zustimmung. In diesem Sinne für die Zukunft Weidmannsheil! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Enrico Schult, AfD: Super!)
