Barbara Becker-Hornickel
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Wir als FDP-Fraktion begrüßen eigentlich sehr, dass die Kollegen der CDU dieses Thema noch mal auf die Tagesordnung gebracht haben. Wir waren uns alle hier einig, dass wir den Empfehlungen der Enquete-Kommission folgen werden. Es soll auch die Regierungskommission gebildet werden. Was ist denn an diesem Antrag so schädlich, als dass er uns ins Stammbuch schreibt, was die dringenden Themen sind (Nikolaus Kramer, AfD: Richtig! Richtig!) und was wir unbedingt zu Beginn auf die Tagesordnung setzen, wie der Fahrplan aussehen soll? Wir wissen doch alle, wie die Situation in Mecklenburg-Vorpommern ist. Hier sind die Worte, die Städte Crivitz, Bergen, Parchim und Wolgast gefallen. Wir möchten doch eigentlich in einigen Jahren das eigentlich nicht mehr hören oder diese Worte, diese Städte hören mit positiven Nachrichten und nicht immer nur auf der negativen Seite. Und es ist erschreckend zu sehen – und ich hoffe, dass hier richtig recherchiert wurde –, dass es nur circa 330 Ärztinnen und Ärzte in M-V im Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe gibt. Um die Kinder- und Jugendmedizin ist es noch schlechter bestellt. Dort gibt es derzeit nur etwa 285 berufstätige Ärztinnen und Ärzte. Und wie so oft ballen sich diese Fachärzte in dem urbanen Zentrum. Wir fragen uns immer wieder: Warum geht keiner aufs Land? Warum haben wir keine Lehrer, Lehrerinnen auf dem Land? Warum bekommen wir keine jungen Menschen auf das Land, in unsere ländlichen Bereiche? Aber hier beantwortet es sich ja auch schon fast von selbst. Die medizinische Versorgung in ländlichen Bereichen ist dürftig und muss definitiv ausgebaut werden. Es sollte nicht sein, dass Frauen im ländlichen Raum über eine Stunde oder sogar noch länger zu einer Routine- oder Vorsorgeuntersuchung fahren müssen. Durch die Überlastung der Fachärzte kommt dann noch dazu ein hohes Patientenaufkommen. Und so entstehen trotz ausgeklügeltem Bestellsystem trotzdem lange Wartezeiten. Wie viel kostbare Lebenszeit geht hier verloren? Die könnten gerade Frauen, junge Frauen auch für ihre Familien oder auch für sich selbst nutzen. Es darf einfach nicht sein, dass eine werdende Mutter ständig Sorge tragen muss, dass keine Komplikationen auftreten und sie auf eine zügige Versorgung setzen kann. Ich persönlich weiß, wovon ich spreche. Wenn Sie zwei Risikoschwangerschaften hatten, dann wissen Sie, wie viel Sorge und Angst man schlicht und einfach haben kann. Aber wir wollen doch, die Entscheidung soll für ein Kind fallen und nicht dagegen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Dann müssen schlicht und einfach auch die Regelungen, die Bedingungen dafür schlicht und einfach da sein. Und so büßen ländliche Regionen an Attraktivität ein. Junge Familien entscheiden sich gegen das Leben auf dem Lande, da die ärztliche Versorgung nicht gesichert ist. Und ich betone es noch einmal, die Gewinnung dringender Fachkräfte, unter anderem auch Ärzte oder Ärztinnen und Lehrer auf dem Lande, wird so schlicht und einfach erschwert. Wir wundern uns, warum sich immer weniger Menschen für das Leben auf dem Lande entscheiden. Und noch ein Faktor kommt dazu: Die Lage spitzt sich momentan durchaus zu. Infolge des russischen Angriffskrieges kommen hauptsächlich in unser Land geflüchtete Frauen und Kinder aus der Ukraine. Auch ihnen muss schnell und zügig eine ärztliche Versorgung zugänglich sein. Die Strapazen der Flucht – ja, sie brauchen auch hier fachärztliche Versorgung und nicht irgendwann, sie brauchen sie jetzt und an allen Orten in unserem Land, wo sie dann unterkommen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD und Sabine Enseleit, FDP) All das zeigt, dass es dringend nötig ist, Frauen, Kindern und Jugendlichen eine bessere, schnellere medizinische Versorgung zu bieten. Dafür brauchen wir mehr Fachärzte und Ärzte und eine verbesserte Infrastruktur. Wir können oder müssen – das wurde hier auch schon gesagt, der immer angesprochene runde Tisch –, wir brauchen nachhaltige Konzepte, wir brauchen sie jetzt. Und wenn im Juni die Kommission eingesetzt wird, da gehe ich doch davon aus, dass Sie sich an den Handlungsempfehlungen der Enquete-Kommission orientieren und sie umsetzen. Und meines Wissens steht dort auch, ja, wir müssen etwas machen in der pädiatrischen und gynäkologischen Versorgung im ganzen Land, besonders im ländlichen Bereich. Die Enquete-Kommission empfiehlt unter anderem, dass das Studienangebot für Hebammen ausgebaut und attraktiver gestaltet wird. Dem könnte sich auch anschließen die Errichtung von Geburtshäusern – Herr Dr. Terpe hat es angesprochen –, die freie Wahl, wie will ich mein Kind gebären. Schwangerschaft ist keine Krankheit, also es gibt durchaus andere Möglichkeiten, als in die Krankenhäuser zu gehen. Wir haben hier im Land zwei gute Universitäten mit medizinischer Ausbildung, und das könnten wir auch eventuell durch eine erweiterte Studienplatzvergabe nutzen. Es ist auch ebenso das Landarztgesetz zu überdenken. Warum soll das nur für Allgemeinmediziner, sondern nicht auch für Gynäkologen, Kinder- und Jugendärzte und Hebammen ausgeweitet werden? Warum soll es auslaufen? Ich denke, ein gutes Instrument für unser Land. Und an die Regierungskommission und an uns alle, wir sollen die Konzepte auf den Weg bringen, wir sollen nicht immer nur darüber reden, es muss Konzepte geben – nein, sie müssen auf den Tisch gelegt werden, und zwar schnell. Tragen wir dafür Sorge, dass der ländliche Raum sowohl für Fachärztinnen und -ärzte, genauso für junge Menschen, junge Familien ein Ort zum Bleiben wird und zum Leben. – Danke! (Beifall vonseiten der Fraktionen der AfD, CDU und FDP)
