Thore Stein
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Liebe Landsleute! Der Antrag der rot-roten Koalition trägt den Titel „Honorierung der Ökosystemleistungen des Waldes“. Das klingt natürlich sehr schön und vielversprechend. Was mir hier in den Ausführungen sowohl von Frau Aßmann als auch von Herrn Backhaus gefehlt hat, ist die Tatsache, dass dieser Wald ja eben nicht nur dafür da ist, dass Frau Shepley darin spazieren gehen kann und sich an den vielen Bäumen erfreuen kann, sondern dass dieser Wald ja auch seit Jahrhunderten wirtschaftliche Grundlage war und ist. Und auch gerade mit Hinblick auf die Klimakatastrophe, wie es so schön heißt, soll der Wald ja auch eine große Rolle spielen. Wir wissen, dass circa zehn Prozent des weltweiten CO - 2 Ausstoßes durch die Bauwirtschaft, insbesondere durch die Zementherstellung kommen. Jetzt stelle ich mir die Frage, wir wollen gleichzeitig auch sehr viel bauen, womit soll das dann passieren, nämlich mit Holz. Hierauf ist jetzt bisher weder von Frau Aßmann noch von Herr Backhaus eingegangen worden. Wo soll das ganze Holz eigentlich herkommen? Wahrscheinlich aus Wäldern in Sibirien, nicht bei uns vor der Haustür. (Unruhe vonseiten der Fraktion der AfD) Aber das ist ja auch wieder so das Typische: Bei uns soll alles schön sein, die Rohstoffe kaufen wir uns im Ausland ein. Schauen wir uns aber nun einmal den Antrag etwas genauer an. Unter I schicken Sie ein paar allgemeine Vorstellungen voran. Das gehört dazu. Bedingt durch Klimaveränderungen und Wetterextreme ist es zu immensen Schäden in deutschen Wäldern gekommen. Die hatten wir auch schon vor 50 Jahren, bevor es Klimaveränderungen gab. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn die größten Ausfälle sind in den nicht standortgerechten Monokulturen zu verzeichnen, die auch hierzulande, auch in Mecklenburg-Vorpommern, über viele Jahrzehnte aus wirtschaftlichem Opportunismus – was nicht verwerflich ist – heraus etabliert und eben landesweit auch aktiv gefördert worden sind. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Ökosystemleistungen oder die Erholungsfunktion. Hier hat das SPDgeführte Landwirtschaftsministerium Jahre, sogar Jahrzehnte wissenschaftliche Erkenntnisse offenbar verschlafen, wenn Sie heute im Jahr 2022 mit so einem Antrag um die Ecke kommen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Aber auch hier ist festzustellen, es war einfach vor 10/15 Jahren politisch nicht opportun oder populär, mit solchen Anträgen aufzuwarten. Deswegen alles zu seiner Zeit, deswegen auch eben heute. Dass eine möglichst naturgemäße Forstwirtschaft hohe Erträge und gleichzeitigen Schutz vor Kalamitäten und wetterbedingten Ausfällen kombiniert, ist ja nun keine neue wissenschaftliche Erkenntnis, wurde aber hierzulande, wie ich eben erwähnte, offenbar verschlafen oder bewusst ignoriert. Aber auch das bekannterweise geschieht in Mecklenburg-Vorpommern ja alles 50 Jahre später, wir können also noch vorsichtig optimistisch sein. Selbstverständlich darf in Ihrem Antrag die typische Selbstbeweihräucherung nicht fehlen, die in jedem Ihrer Anträge, in jeder Ihrer Reden mitschwingt. (Beifall Jens-Holger Schneider, AfD) Entweder danken Sie der Frau Ministerpräsidentin, die heute nicht da ist, Ihrem Koalitionspartner, oder Herr Backhaus dankt sich im Regelfall auch gleich selber. (Beifall und Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) Unter II loben Sie dann Ihre eigenen Initiativen. Da muss man dann endgültig stutzig werden in Anbetracht dessen, was Sie in den vergangenen Jahren aus unserer Landesforstanstalt gemacht haben. Etwas mehr Selbstkritik würde Ihnen in dieser Hinsicht gut geraten sein. Von einst knapp 1.500 Mitarbeitern im Jahr 2009 haben Sie die Landesforstanstalt heute auf unter 1.000, nämlich auf 980 Mitarbeiter zusammengeschrumpft. Das ist fast ein Drittel der Stellen bei einem deutlichen Zuwachs an Aufgaben, von der Altersstruktur mal ganz zu schweigen. Sehr geehrte Damen und Herren, der Waldumbau hin zu umweltstabilen und standortgerechten Wäldern vollzieht sich nicht durch das Aufsetzen immer neuer Programme und Publikationen, die nicht viel mehr sind als bloße Lippenbekenntnisse. Er wird von den Mitarbeitern des Landesforstbetriebes im Detail geplant und umgesetzt – dies gilt sowohl für den Landeswald als auch für große Teile des Privatwaldes –, und dafür ist nun mal ausreichende Schlagkraft vonnöten, also Personal, denn Waldarbeit ist und bleibt Handarbeit. Darüber hinaus ist es erschreckend und bezeichnend zugleich, dass Sie sich selbst unter IV – ich glaube, es ist der Absatz 2 – dazu auffordern, Verantwortung für den Landeswald zu übernehmen. Aber schön, dass Sie hiermit die Einsicht kundtun, dass Sie das offenbar in den letzten Jahren auch durch das Kaputtsparen des Landesforstbetriebes nicht getan haben! (Beifall Martin Schmidt, AfD) Na dann mal los! Bleibt noch etwas Zeit hoffentlich. Sehr geehrte Damen und Herren von der Koalition, kehren Sie, anstatt sich auf Bundesebene für neue Finanzinstrumente einzusetzen, lieber vor der eigenen Haustür! Während Sie Legislatur für Legislatur Ihren Ministerialapparat immer weiter aufblähen, um für Parteifreunde Versorgungsposten zu schaffen, arbeiten die Leute, die wirklich etwas für den Wald und die Umwelt tun, am Limit. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Unterhalten Sie sich einmal mit den Forstleuten! Unterhalten Sie sich einmal draußen mit den Forstleuten! Es ist mittlerweile allerorten zu sehen, wie immer weniger Forstmitarbeiter die ständig ansteigenden Aufgaben zu bewältigen haben. Dabei werden und wurden die Reviere in den letzten Jahren fortlaufend größer, um Kosten einzusparen, sodass es den Förstern zunehmend schwerfällt, in ihren Wäldern alles zu überblicken, was letztlich Grundlage für ein anständiges Waldmanagement ist. Setzen Sie sich also bitte dafür ein, dass den Forstleuten sprichwörtlich der Rücken gestärkt wird und wieder neue Stellen geschaffen werden! Damit tun Sie deutlich mehr für den Wald und die Natur als mit all den schönen Worten hier in Ihrem Antrag. Und schaffen Sie die Voraussetzungen dafür, dass den Herausforderungen der Zukunft begegnet werden kann! Und noch mal: Waldwirtschaft ist Knochenarbeit, und da kommt es auf jede Stelle an und nicht auf Anträge im Landtag. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Zu dem vorliegenden Antrag lässt sich Folgendes Resümee ziehen: Schön, dass Sie den Wald nicht völlig vergessen haben, aber schade, dass Sie dabei nicht an die Forstleute denken, die den Umbau unserer Wälder erst ermöglichen sollen. Sie versuchen, sich hier selbst erfolglos mit Phrasendrescherei einen grünen Anstrich zu geben, ganz im Stile der Zeit, obwohl die vorliegenden Fakten und Zahlen etwas völlig anderes zeigen. Wir hoffen, dass zeitnah ein Umdenken stattfindet und Sie entgegen Ihrer sonstigen Gewohnheiten etwas Fundiertes für unsere Wälder tun, und das passiert eben nicht auf dem Papier, sondern durch Fachkräfte im Wald, um es nochmals auf den Punkt zu bringen. – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)
