Elisabeth Aßmann
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Hier an diesem sonnigen Freitagmorgen haben wir ein gutes Thema auf der Tagesordnung, das Thema Wald. Der Wald ist unsere grüne Lunge, sagt man immer, unsere grüne Seele, und ich glaube, vielen von Ihnen wird es ähnlich gehen wie mir ganz oft. Ich denke an Frau Shepley, die regelmäßig stramm durch den Wald marschiert, einfach, weil der Wald auch etwas ist, was uns sehr positiv als Menschen beeinflusst. Und um diesen wertvollen Lebensraum Wald soll es heute mit diesem Antrag gehen. Wir haben zu Beginn des Antrages sehr breit gesagt, warum es uns eigentlich wichtig ist, dass wir heute über dieses Thema hier sprechen wollen, warum wir diesen Antrag hier vorlegen, denn der Wald ist nicht nur in den letzten Jahren insbesondere durch die klimatischen Veränderungen gebeutelt worden, was einherging mit Sturmereignissen, mit Ereignissen von Borkenkäferbefall, mit Trockenheit. Also ich glaube, wer hätte sich vor drei Jahren vorstellen können, dass unsere mächtigen Buchen hier in Mecklenburg-Vorpommern unter Trockenstress mal irgendwie leiden und gefällt werden müssen, weil sie einfach buchstäblich vertrocknen und deswegen instabil werden? Und so hat der Wald mit all seiner Komplexität eine ganze Reihe von Herausforderungen zu meistern. Und auf der anderen Seite ist der Wald aber auch jemand, der uns als Menschheit sehr doll unterstützt, weil er nämlich Lebensraum ist für ganz viele Arten, weil er die Luft filtert und für uns sauber hält, weil er das Wasser filtert und für uns sauber hält, weil er unser Klima positiv beeinflusst. Ich glaube, jeder kennt es, dass im Sommer die Tiere sich tagsüber im Wald aufhalten und erst nachts rauskommen, weil der Wald eben auch tatsächlich seine Umgebungsluft kühlt. Und der Wald ist also etwas, was gerade in der Diskussion um Klimaschutz, um Artenvielfalt, um sauberes Wasser – um den Dreiklang von Till Backhaus vollständig zu machen – etwas ist, was wir uns sehr genau angucken müssen. Und beim Thema Wald ist es ja so, immer, wenn ich mit Försterinnen und Förstern zu tun habe, erlebe ich die immer als sehr ruhig und ausgeglichen. Und das hängt natürlich aus meiner Sicht ganz eng damit zusammen, dass die einfach auch wirklich viel Zeit brauchen, weil es ist anders als bei uns in der Landwirtschaft, wo jedes Jahr geerntet wird, muss ein Förster, eine Försterin in dem Moment, wo er oder sie darüber nachdenkt, einen Wald neu anzulegen, schon ganz genau im Kopf haben, wie wird denn dieser Wald in 20, in 40, in 60 oder in 80 Jahren aussehen. Und das fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Und da kommen wir dahin, dass die Wälder, die wir brauchen, dass die Wälder, die wir uns vorstellen, mittlerweile so ganz anders aussehen als das, was wir nach den Reparationshieben kennen. Die ganzen reinen Nadelwaldbestände, wenn ich jetzt mal bei mir im Wahlkreis schaue oder auch im Bereich um Grabow, was damals ja sehr Baum an Baum, sehr mit geraden Linien angelegt wurde, das ist ja nicht mehr das, was wir uns heute unter gesunden, artenreichen, vielschichtigen Wäldern vorstellen. Und wer weiß, dass beispielsweise Bäume wie Weide oder Birke, also Weichholzpflanzen, besonders angenehm, attraktiv für Schmetterlinge sind, wer weiß, dass Laubholz generell mit seiner Beschattung, mit seinen Eigenschaften im Wald dazu beiträgt, dass wir beispielsweise besonders viele Schneckenarten im Wald haben, wer weiß, dass Totholz ein absolut wichtiger Artenraum für Käfer, für Asseln, für Wanzen und so weiter ist, der weiß, dass Wald eben wirklich Leben bedeutet und dass wir es brauchen, dass diese Wälder aus ganz vielen verschiedenen Baumarten bestehen, aus ganz vielen verschiedenen Straucharten, dass sie jeder noch so kleinen Tierart Nistmöglichkeiten bieten, Brutstätten bieten, Nahrung bieten. Und deswegen ist es so wichtig, dass wir eben genau diese Leistungen, die der Wald eben auch erbringt, neben der reinen fortwirtschaftlichen Bedeutung von Holz, dass wir diese Leistungen in Zukunft auch honorieren können und unseren Försterinnen und Förstern, unseren Waldbesitzenden und -bewirtschaftenden es deutlich einfacher machen können, diese Ökosystemleistungen auch für die Gesellschaft zu erbringen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Wir haben im Koalitionsvertrag verankert, dass wir in Zukunft wollen, dass unser Landeswald als Dauerwald bewirtschaftet werden soll. Der Grundsatz dahinter ist, dass es in Zukunft die Kahlschläge nicht mehr geben soll, sondern wir ganz genau Einzelbäume aus dem Bestand nehmen. Das heißt im Umkehrschluss, dass wir deutlich nachhaltiger zwar wirtschaften, was die Entnahme der Bäume angeht, und gleichzeitig aber auch einen höheren Aufwand, höhere Kosten haben, weil es eben nicht so einfach ist, da mit einem Harvester reinzufahren und mit einer Maschine, die hochpräzise ist und die uns als Menschen sehr viel Arbeit abnimmt, indem sie das Holz schon einmisst und man genau am Ende weiß, wo liegt welches Holz, dass man hier entsprechend mehr Aufwand hat. Und ich kann mich sehr gut daran erinnern, als wir letztes Jahr Ivenack als das Waldgebiet des Jahres ausgezeichnet haben, dass Peter Rabe dastand, nachdem die Ivenacker Erklärung vormittags unterzeichnet wurde, und unglaublich persönlich angefasst war, möchte ich es jetzt mal nennen, im positiven Sinne, weil das natürlich für jemanden, der sehr viele Jahre dafür gekämpft hat, dass der Wald naturgemäß bewirtschaftet wird, dass Wald sich auch natürlich vermehren kann, dass die Samen alleine, also dass aus Samen alleine kleine Bäume wachsen und wir sie eben nicht in einer Reihe pflanzen, dass jemand, der dann als gestandener Mensch da vorne steht und so persönlich erfasst ist, weil endlich das, wofür er jahrelang als Förster für diesen Beruf gebrannt hat und wofür er gekämpft hat, dass das jetzt Wirklichkeit wird, das hat mich wirklich sehr berührt und das hat gezeigt, dass wir wirklich da auf dem richtigen Weg sind. Und egal, ob der Wald jetzt dem Land gehört, Mecklenburg-Vorpommern, ob er den Kirchen gehört oder den Kirchgemeinden, ob er Privatpersonen gehört oder Wirtschaftsunternehmen, der Wald muss vielfältig sein, der Wald kann und darf nicht allein ein Wirtschaftsraum sein. Das Prinzip der Nachhaltigkeit, des Dreiklangs aus Ökologie, aus Wirtschaftlichkeit und sozialer Verantwortung, das ist in der Forst entstanden, und wir wollen und müssen unseren Waldbesitzenden wieder die Möglichkeit geben, genau diesem Dreiklang besser gerecht werden zu können, und deswegen wollen wir die Ökosystemleistungen honorieren. Und es ist wichtig, dass wir das nicht als Bundesland alleine machen. Sie wissen alle, dass wir mit dem Energie- und Klimafonds ein Mittel haben, wo wir tatsächlich auch hier reingehen können, wo wir alleine, wenn man bedenkt, wie viel CO in den Wäldern gebunden wird, näm-2 lich abgespeichert wird in Holz, dass wir alleine hier schon mit einer sehr einfachen Rechnung feststellen können, was nur mit Bezug auf CO der Wald leistet. 2 Es wird komplizierter, das zu rechnen, wenn man überlegt, was ist uns Artenvielfalt eigentlich wert, was ist es uns wert, wenn 50 verschiedene Schneckenarten in einem Laubmischwald beispielsweise leben, und was ist es uns wert, dass wir – und da komme ich wieder auf Frau Shepley zurück, weil ich es immer online so gut sehe –, dass wir diesen Wald auch für uns zur Erholung nutzen können. Also Waldbaden, sich im Wald erholen, wieder ein bisschen runterfahren, den Wald oder die Natur atmen hören, das ist ja alles das, was, glaube ich, viele, die hier tatsächlich wie bei uns sehr schnelllebig und sehr arbeitsintensiv unterwegs sind, genießen und was auch keine Selbstverständlichkeit ist. Und die Landesforstanstalt als unsere Einheitsforstverwaltung hat ja eine Vielzahl von Aufgaben von uns als Land übertragen bekommen, und die sind da mittlerweile superaktiv, was genau dieses Erleben auch von Wald ausmacht, was Workshops angeht, was Yoga im Wald angeht, was Waldbaden angeht, bis hin dazu, dass wir die Friedwälder haben, wo Menschen einfach ihre letzte Ruhestätte finden. Und all das kann eben auch Wald sein. Und all das kann nicht alleine über den Holzpreis erwirtschaftet werden, all das, was Forstwirtschaft uns als Menschen bieten kann. Und deswegen ist es so wichtig, dass wir nun endlich zu einem einheitlichen Finanzierungssystem kommen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Und Finanzierungssystem auch, weil all diese Artenvielfalt, was ich beschrieb, all die persönlichen Leistungen für jeden Einzelnen von uns selbst, das trägt schlussendlich auch dazu bei, dass unser Wald stabiler ist, dass wir eben Waldbestände haben, die nicht so anfällig sind für Trockenheit, dass wir Waldbestände haben, die nicht so anfällig sind für den Befall von Käfern beispielsweise, die nicht so anfällig sind dafür, dass ein Sturm eine ganze Reihe oder einen ganzen halben Hektar meinetwegen von Bäumen einfach mal eben so auf die Seite legt. Wir brauchen diese angepassten Wälder, die klimaresilienter sind, die vielfältigen Funktionen erfüllen, und wir brauchen das alles vor allem in Zusammenarbeit, in Verantwortung unseres eigenen Landeswalds und unserer Landesforstanstalt. Und deswegen war es uns wichtig, auch am Ende dieses Antrags noch mal klarzustellen, dass wir dazu stehen, dass unsere Landesforstanstalt eine Einheitsforstverwaltung ist, dass sie eben nicht ein reiner Wirtschaftsbetrieb ist, sondern genau diese ganzen Aufgaben, die ich gerade geschildert habe, auch mit übernimmt, für uns als Gesellschaft übernimmt und entsprechend so ausgestattet werden muss. Und ich hoffe sehr, dass all die Bemühungen der letzten Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, hier auch eine Sensibilisierung hinzubekommen, dazu führen, dass wir schon bald wirklich ein einheitliches System in Deutschland haben, wo klar ist, es gibt meinetwegen Stufe eins, zwei, drei, wie besonders ökologisch wertvoll ist ein Wald, wie besonders erholungswirksam, wie besonders viel CO 2 kann gebunden werden, damit wir dann mit einer einheitlichen Zertifizierung genau diese Leistung am Ende auch wertschätzen können und langfristig unsere Wälder genau in diesem Sinne bewirtschaften können. Ich bitte um Zustimmung. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
