Barbara Becker-Hornickel
Danke! Frau Ministerin, auf Ihre Rede will ich zurückkommen. Also an keiner Stelle haben wir gesagt, dass wir hier nicht schon vieles in Mecklenburg-Vorpommern tun. Mir sind auch die Beratungsstellen bekannt, mir sind auch die Männerbüros bekannt, die es gibt, aber es hört irgendwo auf. Es hört einfach in der Situation auf, wenn Gewalt erfahren wird. Also ich mache es mal einfach, ich schalte Kopfkino an, die weinende Frau im Nachthemd, die stellen wir uns vor, der wird Hilfe zuteil. Aber ich sage es, nehmen Sie es mir nicht übel, aber einem Mann, der verletzt wurde, in der Unterhose, dem fällt es schwer, sofort eine Unterkunft zu bekommen. Und da ist es schon erstaunlich zu hören, dass er dann wahrscheinlich in eine Obdachlosenunterkunft müsste. Aber ein Obdachloser hat noch seinen Beutel mit seinen Sachen dabei. Ein Mann, der Gewalt unterlag, der hat gar nichts dabei, der ist schon hilflos. Und ich hatte ja auch – und Sie haben das ja auch sehr gut ausgeführt – das Gewaltschutzgesetz, das steht ja immer erst danach, wenn diese Gewalt, die Situation vorbei ist. Und dass es dann sauber gelöst wird, das steht überhaupt nicht infrage. Und wir haben auch die Büros, die Anlaufstellen, aber fast überall sitzen Frauen. Das ist schon manchmal etwas …, das stelle ich mir kompliziert vor. Es wurde mir auch so berichtet. Es wurde mir auch berichtet – und das soll überhaupt kein Wort sein, dass ich diese Arbeit infrage stelle –, ein Mann, der kommt, der wird auch belächelt. Da heißt es, ja, warum ist das so. Also wir müssen uns doch klarmachen, dieses alte Männerbild, das existiert so, hoffe ich, nicht mehr. Also nicht jeder ist pro forma jetzt ein Mann, der schlägt oder gewalttätig ist. (Zuruf von Marcel Falk, SPD) Und wir können nicht sagen … Das ist schon richtig, ja, es sind die Frauen und Kinder, die total im Vordergrund Gewalt unterliegen, das steht außer Frage, aber wir dürfen trotzdem nicht vergessen – und da sind es die von der AfD jetzt als Randgruppe bezeichneten 14 Prozent, die doch Männer und queere Personen sind, wenn man sie zusammenzieht –, wenn Sie das mal in Zahlen aussprechen, dann ist das eine verdammt große Randgruppe, und wir dürfen diese nicht mit ihren Problemen alleinlassen. Und wir können nicht einfach sagen, ja, wir kümmern uns um die Frauen und die Kinder, weil sie am betroffensten sind. Das stört mich, weil ich selber auch direkt angesprochen wurde von Männern, die sagen, ja, was passiert mit uns. Wir wollen ja nicht, wenn wir in die Situation kommen, dass eine Frau mit dem Messer auf uns losgeht unter Alkoholeinfluss – alles das gibt es –, wir wollen da nicht diese uns angedrohte Gewalt, wir wollen der nicht mit Gewalt begegnen. Wir müssen etwas tun, wir müssen dann raus. Und dann stellt sich die Frage: Wohin? Also das ist auch die Grundlage, der Hintergrund auch unseres Antrages, dass wir sagen, die Richtlinien, … Ui, meine Stimme. (Die Abgeordnete Barbara Becker-Hornickel trinkt aus dem Wasserglas.) … das können wir in diesem Land auch unter dem, was alles besteht, doch weiterhin noch weiter ausbauen. Und natürlich ist uns in der Recherche auch der Antrag der LINKEN über den Weg gelaufen, den dort Peter Ritter – ich glaube, in 2019 – gestellt hat. Den hätte man abschreiben können, weil in vielen Teilen dort – gerade das, was dort angesprochen wurde – nachweislich nichts passiert ist. Und hier wurde ja auch eben gesagt, wie viele Schutzwohnungen oder Möglichkeiten für Männer oder queere Personen, die Gewalt unterliegen, haben wir denn hier. Ich glaube, die Antwort geht nahe null. Wir können in dem Moment ad hoc nicht helfen. Also das ist auch Hintergrund dieses Antrages. Dazu kommt, Sie haben es auch gesagt, die Begleitung, auch hier ein hoher Wert, ein hohes Gut. Und wir haben in Rostock und Greifswald dort auch Beratungszentren, aber in der großen Fläche haben wir eben nichts. Und wenn Sie auf die Landkarte mal schauen, nicht nur bei uns in Mecklenburg-Vorpommern, es ist so, wir haben dort ein großes Loch in der Fläche, wo sind Beratungsmöglichkeiten – ambulant, gut, aber ambulant steht nicht immer zur Verfügung, wenn ich es tatsächlich brauche. Und, Frau Tegtmeier, Ihr Hinweis, das Childhood-Haus – meine Mama würde jetzt fragen, was ist das, was heißt das –, ist eine tolle Idee. Also da kann man sagen, ich bin stolz auf unser Land. Wir haben, glaube ich, das siebte in der Bundesrepublik eröffnet, das erste hier in Schwerin, in …, ja, hier in Schwerin. Aber auch da ist es in Schwerin. Was macht jemand, der auf Bergen ist, der weit weg wohnt? (Zuruf von Martina Tegtmeier, SPD) Und ich glaube, dass wir dort entsprechend auch Kontakttelefone, Hilfshotlines und Ähnliches zur Verfügung stellen, davon bin ich überzeugt. Und ich möchte gerne hier nicht das Rednerpult verlassen, indem ich nicht sage, (Am Rednerpult leuchtet die rote Lampe.) lassen Sie diese, … Sehr schön! … lassen Sie diese 14 Prozent bitte nicht im Stich, auch diese brauchen unsere Hilfe! – Danke! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, FDP und Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
