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Sabine Enseleit

FDP 07.04.2022 Sitzungen 8/19

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Gäste! Wir leben in einer vielfältigen und sich schnell wandelnden Gesellschaft. Der Bildungsbereich hängt hier oftmals, was die Anpassung daran angeht, etwas hinterher. Wir durften ja gerade auch von Herrn Butzki hören, wie er zum Thema Veränderungen steht. Wie langsam und verhalten die Veränderungsbereitschaft im Bildungsministerium ist beziehungsweise war, zeigt sich nach wie vor an der unzureichenden digitalen Ausstattung unserer Schulen. Wenn man ernsthaft versucht, sich den Veränderungen in der Gesellschaft und den Anforderungen anzupassen, braucht man nicht nur den Willen zur Veränderung, sondern auch Ziele und eine Vorstellung davon, wie man diese Ziele nach einer definierten Zeit überprüfen will. Und auch daran fehlt es ab und an im Bildungsbereich, haben wir erst letzte Woche im Ausschuss erleben dürfen. Für uns Liberale heißt das übergeordnete Ziel: beste Bildung für alle. Diese Bildung kann für jeden Einzelnen anders aussehen, so, wie wir alle ganz unterschiedlich sind und unterschiedliche Ziele verfolgen. Darum sollten die Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zu ihrem Abschluss nach dem für sie – also jeden Einzelnen – am besten geeigneten Konzept unterrichtet werden. Um dies zu erreichen, benötigt man ein vielfältiges Angebot unterschiedlicher Schulformen mit unterschiedlichen Profilen und Schwerpunkten. Natürlich gebietet es sich, meine sehr geehrten Damen und Herren, Schulkonzepte und Lehrinhalte immer wieder sach- und fachgerecht zu untersuchen, zu bewerten und fallweise Anpassungen oder gar Reformen vorzunehmen. Und selbstredend müssen wir auch die rechtlichen Rahmenbedingungen regelmäßig evaluieren. Dementsprechend beantragen wir zusammen mit Christdemokraten und GRÜNEN in einem ersten Schritt, die Verordnung über die Kontingentstundentafeln an den allgemeinbildenden Schulen auf aktuelle Erfordernisse zu überprüfen und gegebenenfalls auch anzupassen. Es gibt Kollegen im Parlament, die in jeder Sitzungswoche ein anderes Schulfach gestärkt sehen wollen, aber solche Entscheidungen schüttelt man eben nicht aus dem Ärmel, sondern diese Entscheidungen müssen mit Experten besprochen und fachlich fundiert abgewogen und entschieden werden. Im Januar konnten wir den Medien entnehmen, dass unsere Bildungsministerin Mathe als Problemfach identifiziert hat. Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Schulzeit und auch daran, dass das schon damals ein schwieriges Fach war. Geändert hat sich aber nichts. Statt darüber nachzudenken, ob wir dieses Fach in der Tiefe, in der es bis zum Abitur unterrichtet wird, wirklich brauchen, wenn man nicht vorhat, Mathematik zu studieren, wird schon wieder über eine Anpassung der Kontingentstundentafel sinniert. Das ist, mit Verlaub, (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Das waren Sie doch!) ein ähnliches Vorgehen wie bei den Kollegen von der AfD (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Sie haben das doch vorgeschlagen!) und erscheint mir nicht wissenschaftlich begründet. Und genau um das zu heilen, haben wir, CDU, GRÜNE und FDP, heute diesen Antrag gestellt. Wir wollen, dass regelmäßig und zeitnah aktuelle Entwicklungen nicht nur überprüft werden, sondern auch genau analysiert wird, inwieweit eine Anpassung der Kontingentstundenzahl erforderlich ist, und das auf breiter Basis, unter Einbeziehung aller Experten und Betroffenen, gerne auch in einem erweiterten, vielfältigeren Kreis. Zum Thema „Beste Bildung“ erreichen wir aktuell in Mecklenburg-Vorpommern laut dem Indikator „Schulqualität“ im Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft leider nur das Mittelfeld im Ländervergleich. Wenn wir hier etwas verändern wollen, müssen wir unsere Ziele und wie wir diese erreichen, kritisch hinterfragen. Und dazu gehört auch die Kontingentstundentafel. Neben den Kernfächern wie Mathe und Deutsch müssen wir auch über Fächer wie Arbeit-Wirtschaft-Technik sprechen, das haben wir schon angesprochen, denn auch diese Fächer sind essenziell für die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. Und das Handwerk ist nicht nur eine zentrale Säule des Mittelstandes, für den wir Liberale uns in besonderer Weise verantwortlich fühlen, sondern auch unabdingbar beim Bewältigen der großen Herausforderungen Klimaschutz, Energiewende und Digitalisierung. Wir brauchen Wissen und Können. (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) Unsere Aufgabe ist es, unseren Kindern die besten Angebote zu machen, um auch ihre Kreativität zu entfalten und den Bereich zu finden, der ihnen am besten liegt. Dazu gehört der handwerkliche Bereich, aber auch Technik, Naturwissenschaft, Kunst, Gesellschaftswissenschaften und Sprachen. Und ein Schritt auf dem Weg zum besten Angebot, zur besten Bildung ist die Evaluation und gegebenenfalls Anpassung der bestehenden Kontingentstundentafeln. Darum bitte ich Sie, trotz schon getaner Ablehnung, trotzdem um Ihre Zustimmung für unseren Antrag und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)

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